Salomo: Baulöwe und Lover

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Salomon mit der Queen of Sabah. (Szene aus dem Film "Die Bibel - Salomon").
Seine Weisheit ist sprichwörtlich, sein Harem auch. Salomos 40-jährige Herrschaft über Israel schlägt Rekorde auch in anderen Belangen. Die Bibel verzeichnet sie ohne hohles Pathos.

Nach den Exploits seines Vaters David, der die Stämme Israels geeint hat, verlegt sich Salomo auf die Festigung des Reichs. Die Südgrenze sichert er, indem er die Tochter des ägyptischen Pharao ehelicht (1. Könige 3,1). Der Nachbar, der mit der Eroberung der Grenzstadt Geser seine Macht demonstriert hat (9,16), lässt den Schwiegersohn in Ruhe – wesentlich angesichts der grossen Pläne Salomos. Klar ist aber, dass die Dame vom Nil nicht in Gemächern aus der Ära des Hirtenkönigs David hausen mag. Ein Palast muss her. Die First Lady setzt sich in Szene: Vor der grossen Erdaufschüttung, die einen geschlossenen Mauerring um Jerusalem ermöglicht, wird ihre Residenz errichtet (9,24).

Den Frieden genutzt…

Die politische Grosswetterlage ist günstig. Kein Staat in der Region verfolgt imperiale Ziele. Salomo kann die Erfolgsstory seines charismatischen Vaters fortschreiben. In seinem Namen klingt das hebräische Wort ‚Shalom’ (Frieden) an; tatsächlich erlebt das Land eine Zeit des Friedens und der Sicherheit (5,5). Mit der Schaffung von zwölf Distrikten zentralisiert der König den bisher losen Verbund der zwölf Stämme, die sich David unterstellten (4,7). Jerusalem ist das Sinnbild dieser Politik.


…für Bauten

Das immense Bauprogramm umfasst neben dem Tempel für Jahwe, Israels Gott, einen grandiosen Palast für den König und den Mauerring. Im Land werden diverse Städte befestigt, Garnisonen und Lagerhäuser erstellt. Der Herrscher braucht dafür ein Heer von Fronarbeitern. Die zwischen Jordan und der Küstenebene lebenden Nicht-Israeliten müssen Zwangsarbeit leisten (9,17-21), doch dies genügt nicht; auch Israeliten werden verpflichtet (5,27).

Zwei Mütter

Während die Bauten zu reden geben, machen die weisen Sprüche und Entscheidungen Salomo berühmt. Wie er Beschwerden anhört, treten zwei erregte Mütter auf. Eine klagt die andere an, sie habe ihr totes Baby an die Stelle des lebenden gelegt, das nachts bei ihr schlief, und dieses zu sich genommen. Der König findet einen Weg, mit der Mutterliebe der einen die andere als Lügnerin zu überführen (3,26). Weitherum erzählt man von Salomos Durchblick und zitiert aus seinen Spruchsammlungen und Liedern (5,11-13); dies lässt Jerusalem unter die bekannten Städte des Orients aufsteigen.

Von Gottes Frage überrascht

Der König ist behütet am Hof aufgewachsen und hat zu Lebzeiten des Vaters im Schatten ambitiöser und extravaganter Halbbrüder gestanden. Woher seine überragende Weisheit? Nach dem biblischen Bericht ist sie ein Geschenk Gottes. Zu Beginn seiner Herrschaft, angesichts der gewaltigen Herausforderungen, sucht Salomo Gottes Weisung.

Nachdem er im bedeutendsten Heiligtum in Gibeon umfangreiche Opfer gebracht hat, erscheint ihm Jahwe im Traum – und fragt ihn nach seinen Wünschen! Was soll er erbitten? „Gib deinem Knecht ein Herz, das hört, damit er deinem Volk Recht verschaffen und unterscheiden kann zwischen Gut und Böse“ (3,9). Gott belohnt ihn für diese Bitte – nicht langes Leben oder Reichtum! – mit der Zusage, dass er ihm auch das nicht Erbetene gewähren wird. Grundlage für Salomos Erfolg ist indes das von Gott geschenkte „weise und verständige Herz“ (3,12).

Zedern über alles

Der Bau des Palasts dauert 13 Jahre, doppelt so lang wie der des Tempels, weil massenhaft Zedernholz vom Libanon hergeschleppt werden muss (7,1). Das junge Reich findet internationale Beachtung. Aus dem fernen Süden reist die Herrscherin von Saba an, um Salomos Weisheit zu testen. So viel Glamour und exotischen Prunk hat die Stadt noch nie gesehen. Die Königin des Südens ist beeindruckt. Ob des Lobs und der exquisiten Geschenke kommt dem geschmeichelten (bezirzten?) Gastgeber bei den Gegengeschenken das Mass abhanden; die Zeche zahlen die Untertanen (10,13).

Handelspolitik

Das hügelige israelitische Kernland liegt abseits der Wege, auf denen die Karawanen ziehen. Zwar erscheinen mehr Händler in Jerusalem, doch die Abgaben reichen nirgends hin. Was der Prophet Samuel wenige Generationen zuvor mit drastischen Worten angekündigt hat, tritt ein (1. Samuel 8,11-18). Salomo hebt die Steuern an (1. Könige 12,4) – obwohl die Felder, Weinstöcke und Feigenbäume nicht mehr tragen als in früheren Jahren. Das Bündnis mit Hiram, dem Herrscher der grossen Mittelmeerstadt Tyros, ermöglicht nicht nur den Zedernimport und gesicherten Absatz für Oliven und Getreide, sondern auch den lukrativen Fernhandel über das Rote Meer (9,27-28; 10,22).

Fremde Altäre…

Die Stadt Jerusalem sieht Fremde wie nie zuvor. Will der König mit anderen orientalischen Herrschern gleichziehen, wenn er Hunderte Frauen in seinen Harem nimmt? Es sind Frauen „von den Nationen, über die der Herr den Israeliten gesagt hatte: ‚Ihr sollt nicht mit ihnen verkehren, und sie sollen nicht mit euch verkehren, sonst ziehen sie eure Herzen zu ihren Göttern hin’“ (11,2). Eben das geschieht dem König in seinen reifen Jahren. Er mag die Wünsche seiner fremdländischen Gemahlinnen nicht abweisen und baut Altäre für ihre Götter. Auf der Anhöhe neben der Stadt steht der majestätische Tempel Jahwes; rundum ermöglicht Salomo Opfer für andere Gottheiten.

…bringen Gott auf

Damit weicht er vom klaren Kurs seines Vaters David ab. Dieser hat sich allein an Jahwe, den Gott Israels, gehalten, wovon viele Psalmen zeugen, und einheimische Frauen genommen. Salomo liebt es multikulturell und hält nicht, „was der Herr ihm geboten hatte“ (11,10). Die Astarte der Sidonier, der Moabiter-Staatsgott Kemosch und Milkom, die Gottheit der Ammoniter, finden in Jerusalem Anhänger.

Das lässt Jahwe nicht durchgehen. Er eröffnet Salomo, dass er den Bund nicht gehalten hat. Das grosse Reich wird seiner Familie nicht verbleiben, bloss ein kleiner Teil (11,11-13). Salomo aber kann das Steuer nicht mehr herumreissen. Über seinen späten Jahren liegt ein Schatten; danach kommt es zur Abspaltung. So ist Salomo der erste und der letzte Friedenskönig über die zwölf Stämme – bis heute.

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Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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