Salomo und die Wohnung Gottes

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Jerusalem (Bild: Wikipedia / Shmuel Spiegelman)
Der Ort auf der Erde, den Gott wählt, um selbst anwesend zu sein und die Menschen zu segnen, ist Jerusalem. Unter König Salomo bauen ihm die Israeliten einen Tempel. Damit erhält die Stadt über die vorchristliche Zeit hinaus einen einzigartigen Charakter.

Salomos Vater, der grosse König David, hat das Reich aufgebaut und Jerusalem zu seiner Hauptstadt gemacht. Er hat alles getan, damit der Tempel für den Gott der Israeliten, für Jahwe, in der Stadt errichtet werden kann. Den Tempel selbst zu bauen, hat Gott David, dem Kriegerkönig, verwehrt. Doch hat er alle Vorbereitungen dafür getroffen, den Platz gefunden und Material zusammengetragen (1).

Epochaler Bau

Für die kleine, junge Königsstadt Jerusalem bedeutet der Tempelbau den Anfang einer neuen Epoche (2). Dort wo der König residiert, wird künftig auch Gott ein Haus haben. Dies erhöht Salomos Königtum und relativiert es zugleich: Er ist nicht der absolute Herrscher; da ist ein anderer, der seit Urzeiten herrscht und segnet.

Der Tempelbau ist das grösste Vorhaben, das Salomo von seinem Vater erbt. Vom Bau der Plattform auf einer Anhöhe neben der Stadt bis zur Vollendung des Hauses vergehen sieben Jahre (3). Das Volk leistet Fronarbeit (4). Der König schliesst einen Vertrag mit Chiram, dem befreundeten König des Nachbarlandes Tyrus: Vom Libanon werden edle Zedern- und Zypressenhölzer en masse nach Jerusalem transportiert; Salomo liefert dafür Weizen und Öl (5).

Unbehauene Steine

Die Bauleute errichten den Tempel mit unbehauenen Steinen; beim Bau ist kein eisernes Werkzeug zu hören (6). Der innerste Raum, in den die Bundeslade mit den Gesetzestafeln zu stehen kommen soll, ist ein Würfel. Die Wände werden mit Zedernholz ausgekleidet und vergoldet (7). Noch grösser als der Tempel wird allerdings Salomos Palast mit der Thronhalle; daran bauen seine Fachleute dreizehn Jahre (8).

Der Tempel ist keine Absicherung von Salomos Herrschaft. Während gebaut wird, macht Gott ihm die Bedingungen für den politischen Erfolg klar: "Wenn du dich in meinen Ordnungen bewegst und nach meinen Satzungen handelst und alle meine Gebote hältst und danach lebst, werde ich an dir mein Wort erfüllen, das ich zu David, deinem Vater, gesprochen habe, und ich werde Wohnung nehmen inmitten der Israeliten, und ich werde mein Volk Israel nicht verlassen" (9).

Die Wolke Gottes

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Tempel Salomos, Rekonstruktion
Endlich ist es so weit: Der Tempel steht bereit; Gott kann einziehen. Priester und Leviten tragen die Bundeslade aus dem Zelt im alten Stadtteil Jerusalems und bringen sie ins Allerheiligste des Tempels. Und da geschieht es: "Als die Priester aus dem Heiligtum kamen, erfüllte die Wolke das Haus des Herrn, und angesichts der Wolke konnten die Priester nicht hinzutreten, um den Dienst zu verrichten, denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn" (10).

Es ist ein Tag, wie Jerusalem ihn noch nicht erlebt hat und nicht mehr erleben wird. Das Fest dauert zwei Wochen. Ungezählte Tier- und Speiseopfer zu Gottes Ehre umrahmen Salomos Gebet zur Weihe des Gotteshauses. Vor den führenden Vertretern des Volks preist er Gott, bittet ihn um seinen Segen und segnet das Volk.

König auf den Knien

Das einzigartige Gebet besteht nicht bloss aus einigen Sätzen; es fasst den Glauben der Israeliten zusammen. Salomo kniet vor Gott und breitet seine Hände zum Himmel aus. Er dankt Gott dafür, dass er Wort gehalten hat (11). "Kein Gott ist dir gleich, nicht oben im Himmel und nicht unten auf der Erde. Den Bund und die Treue bewahrst du deinen Dienern, die mit ganzem Herzen vor dir gehen" (12). Salomo ist sich bewusst, dass kein Haus Gott aufnimmt: "Sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Sieh, der Himmel, der höchste Himmel kann dich nicht fassen, wie viel weniger dann dieses Haus, das ich gebaut habe!" (13). Ohne Ende sollen, so betet Salomo, Gottes Augen offen sein über der Stätte, damit er die Gebete seiner Diener erhöre.

Salomo wagt es, diverse Situationen vorzutragen, in denen Menschen flehend zu Gott kommen werden: Unglücksfälle und Verbrechen, nationale Katastrophen, Krieg und Hungersnot. Wenn dies geschieht und hier zu Gott gebetet wird, "dann erhöre du es im Himmel, an der Stätte, wo du wohnst, und vergib und greif ein und gib einem jeden, wie es seinem Tun entspricht, denn du allein kennst das Herz aller Menschen" (14).

(1) Die Bibel, 1. Könige, Kapitel 8, Verse 17-19: Salomos Zusammenfassung, vgl. 2. Samuel 7,5-13
(2) Davids Soldaten hatten die alte Jebusiter-Stadt, die den Israeliten bei der Landnahme widerstanden hatte, erobert. Sie war fortan Davids Stadt und wurde von ihm als Hauptstadt gewählt, 2. Samuel 5,6-9. Der Bau des Tempels erfolgte ums Jahr 970 vor Christus.
(3) 1. Könige 6,37-38
(4) 1. Könige 5,27
(5) 1. Könige 5,24.25
(6) 1. Könige 6,7
(7) 1. Könige 6,20
(8) 1. Könige 7,1.2
(9) 1. Könige 6,12.13
(10) 1. Könige 8,10.11
(11) 1. Könige 8,20
(12) 1. Könige 8,23
(13) 1. Könige 8,27
(14) 1. Könige 8,39


Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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