Vom Tiefpunkt zum Höhenflug

Dank Jesus

Zoom
„Es war ein kleiner Skandal, dass ich mit meinem Bauernhofmischling sämtliche, extra für diesen Sport gezüchtete Rennhunde mit ihren Besitzern an der Europameisterschaft schlug. Mein Hund Joy ist offenbar ähnlich von Gott begabt wie ich. Wie wunderbar, dass ich gerade diesen Hund kaufen durfte!“

Nadine Zaugg ist eine sportliche Frau. 1977 in Thun geboren, kam sie zum Studium der Sozialpädagogik nach Bern. Sie erzählt nun ihr Erlebnis mit Gott:

„Ich war ein unglaublich aktives Kind. Durch meine Begabung im Laufsport wurde ich als Nachwuchstalent gefördert. Ich suchte nach dem Sinn des Lebens, und immer mehr wurden der Sport und mein Trainer zu meinem Gott, meinem Lebensinhalt.

Ich bekam jedoch immer öfter Weinkrämpfe, weil der Erfolgsdruck zunahm und ich keinen Lebenssinn, sondern nur kurzfristige Erfüllung meiner Sehnsüchte fand. Mein Trainer «gab mich auf». Ich war am Boden zerstört. Mein Gott war weg.

Zoom

Magersucht – der Tiefpunkt

Ich trainierte weiter und ernährte mich dabei nur noch von einem halben Rüebli täglich. Am Schluss konnte ich weder laufen, lachen, noch Treppen steigen. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit 1.76 m Körpergrösse bei 35 kg Gewicht, total am Ende. Monatelang lag ich in Kliniken oder vegetierte zu Hause herum. Die Liebe meiner Eltern half mir in dieser Zeit.

Jesus & Joy

Im Jahr 2000 wendete ich mich bewusst Jesus zu und nahm ihn in mein Leben auf. Ich hörte damals seine Geschichte und vernahm von seiner Liebe uns Menschen gegenüber. Für mich war alles klar und ich wollte seine Gnade in Empfang nehmen. Zuerst ging es noch einige Zeit drunter und drüber, aber dann fing ich an, ihm immer mehr zu vertrauen.

Zur derselben Zeit kaufte ich mir einen Hund – mein langersehnter Wunsch. Joy und ich liebten vor allem Ausdauersport, besonders laufen. Bald meldeten wir uns für die ersten Canicross- (Laufen mit vorgespanntem Hund) und Bikejöringrennen (Hund vor das Bike gespannt) an.

Die Voraussetzungen waren nicht so günstig. Ich hatte immer ziemliche Knie- und Hüftbeschwerden und war gar nicht sicher, ob ich solche intensive Saisons mit teilweise täglichen Trainings über viele Monate durchstehe. Doch es ging und geht problemlos. Und auch die Fähigkeit meines Hundes grenzt nahezu an ein Wunder, wurde doch bei ihm, als er ein Jahr alt war, auf der Intensivstation des Tierspitals festgestellt, dass er eine degenerative Gelenkserkrankung hat. Mit anderen Worten, kaum fähig, lange Strecken zu spazieren – und damit auch eine wahrscheinlich niedere Lebenserwartung.

Ich habe damals für meinen Hund gebetet, war mir allerdings nicht ganz sicher, ob das okay ist. Aber schliesslich, dachte ich, Joy ist auch ein cooles Geschöpf Gottes. Und: mein Hund ist fitter denn je, wie sonst könnte er solche Hundeweltspitzenleistungen vollbringen.

Der erste Wettkampf forderte mich sehr heraus, aber es klappte auf Anhieb. In den nächsten vier Jahren liefen wir von Erfolg zu Erfolg. Das war ein kleiner Skandal: Joy, ein völliger Exot neben den vielen teuren, extra für diesen Sport gezüchteten Rennhunden. Unter diesen, sonst eher schlechten Voraussetzungen, begann ich Gott mehr und mehr zu vertrauen. Trotz gewisser Schwierigkeiten wurden wir an der Swiss Dog Trophy 2004 Schweizermeister im Canicross und Vizeschweizermeister im Bikejöring. Ich war somit in beiden Disziplinen für die Europameisterschaft in Ungarn qualifiziert.

Zoom

Wie macht man Sport für Jesus?

Jetzt bekam ich Angst, Angst zu Versagen, Angst nicht die Beste zu sein, die Erwartungen nicht zu erfüllen und so weiter. Die alten Gedanken… Ich begann für meinen Hund und mich zu beten. Die Zusage eines Christen, mich als Supporter und Dog-Handler nach Ungarn zu begleiten, war für mich eine grosse Ermutigung.

Aber wie macht man Sport für Jesus? Wie rennt man um den Sieg, aber zur Ehre von Jesus? Diese Frage beschäftigte mich sehr. Eine christliche Organisation, die Leistungssportler betreut, half mir sie zu beantworten. Die Antwort kam aus dem Bibelvers: „Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen.“ Als ich diesen Vers gelesen hatte, wollte ich mit ganzem Herzen und voller Kraft für Gott rennen, egal wie es ausgeht!

Wieder hin und her gerissen

Der Erfolgsdruck bedrückte mich zunächst nicht mehr. Jetzt freute ich mich sogar auf die EM. Ich begann innerlich zu akzeptieren, dass Jesus mich liebt. In den Gesprächen auf der langen Car-Reise war dann aber der Ehrgeiz doch wieder zum Greifen nahe. Fettfrei essen, spindeldürr sein, Powerfood... und wieder war ich hin und her gerissen zwischen Vertrauen und Freude, und Ablehnung meiner Person. Je nachdem, ob ich auf Jesus oder die Menschen um mich herum hörte.

Wir kamen erst spät nach Mitternacht in Ungarn an und waren alle sehr müde. Das erste Training am nächsten Tag misslang, und vieles überforderte mich. Ich wollte am allerliebsten gleich wieder heimfahren. Dennoch versuchte ich auf Jesus zu schauen, trotz meinen Minderwertigkeitsgefühlen.

Dann bekamen wir die Startnummern, es folgte die Eröffnungszeremonie – «Now I declare, the European Canicross and Bikejöring Championships are open» – Jesus, Joy und ich waren bereit. Zu den Nationalhymnen marschierten wir mit unseren Hunden in das Stadion ein.

Zoom

Der grosse Tag

Der grosse Tag stand bevor: 1. Start mit Joy im Bikejöring über 6 Kilometer. Ich musste sehr schnell fahren, damit Joy nicht ziehen musste und seine volle Geschwindigkeit, etwa 40km/h, rennen konnte. Da war ich also, in Ungarn, mit einem Schweizer Bauernhofmischling für 150 Franken, einem Bike, das vor fünf Jahren 200 Franken gekostet hatte, durchtrainierten Beinen, wenig Selbstvertrauen und zum ersten Mal mit Jesus am Start für die Schweiz!

„Innerlich sang ich Lobpreislieder“

Ten, nine, eight – Joy bellte, meine Starthelferin konnte ihn kaum halten, er wollte rennen - seven, six, five, four, three, two, one – wir rasten los. Ich hörte nur noch „from Switzerland“ und wir rasten aus dem Stadion. Innerlich sang ich Lobpreislieder.

Als ich eine Slowenin mit einem Superhund überholte, dachte ich, Herr was hast Du vor? Ich schrie: «Joy wir rennen für die Schweiz und vor allem für Jesus». Das Stadion kam näher. Die Schweizer jubelten, 300 Meter, 200, 100, das Ziel. «Excellent» sagte der Speaker. Sofort stieg ich ab – lobte meinen Hund. Wir hatten Bestzeit!! Kurze Zeit später kam dann noch der 1. Lauf im Canicross mit meinem ausgeliehenen Rennhund Jarek.

Zoom

Die Entscheidung – der Höhenflug

Zweiter Tag. «Nadine Zaugg from Switzerland with Joy» tönte es aus den Lautsprechern – das Bikejöring-Rennen begann. Wir verbesserten unsere Zeit vom Vortag um 45 Sekunden! Der billigste Hund und die unsichere, selbstkritische Blonde mit dem einfachen Velo haben dank dem weltbesten Coach Jesus Gold gewonnen. Weil ich Ihm vertraute und glaubte, dass Jesus mich wirklich liebt und beisteht. Diese Freude gab Kraft!

Schon stand der nächste Start im Canicross über 6 km bevor und dann noch die Staffel über 3 mal 2 km. Nach vier Rennen an zwei Tagen spürte ich nun zwar meine Beine, aber es war klar, dass ich als schnellste Schweizerin in der Staffel als Schlussläuferin mitrennen musste. Der Countdown zum Start erfolgte. Bald kamen die ersten zurück, Frankreich, Belgien, dann Ungarn, die Schweizerin übergab den Stab als vierte. Jetzt wurde ich nervös. Ich nahm den Stab, wir preschten los. Wir überholten Ungarn, dann die Belgierin, nur die Französin blieb vor mir. Ich holte alles aus meinen Beinen heraus. «Congratulation for this excellent run» hiess es nun. Noch am selben Tag durfte ich, mit einer Riesen-Schweizerfahne, an den Europameisterschaften im Bikejöring, mit meinem Hund Joy und Jesus die Goldmedaille in Empfang nehmen. Danach ertönte die Schweizer Nationalhymne. Ich spürte, dass Gott mir nach all den Krisen der vergangenen Jahre hier ein Stück verlorenes Land zurück geschenkt hatte. In der Staffel konnte ich mit Jarek und den Schweizer Athletinnen die Silbermedaille entgegen nehmen. Und: im Canicross wurde ich mit 12 sec. Abstand auf den dritten fünfte! Danke Jesus!

Wertvolle Erfahrung

Dieses Erlebnis und die Erfahrung mit Gott während dieser EM hat mich tief berührt. Zurück in der Schweiz begriff ich an einem Abend plötzlich, wie unglaublich lieb Gott mich hat. Ich weinte lange und war dankbar, Gottes Liebe so krass erleben zu dürfen. Diese Erfahrung seiner Zuwendung hilft mir, dran zu bleiben auf meinem Weg der Heilung und Veränderung.

Nach der EM haben wir bereits wieder sehr erfolgreich an Wettkämpfen teilgenommen und hammermässig viel mit Jesus erlebt. Joy und ich sind auf dem besten Weg, erneut die Swiss Dog Trophy im Canicross zu gewinnen. Dieses Jahr werden wir die Schweiz „nur“ im Canicross vertreten und uns als Team mit der internationalen Konkurrenz in dieser Disziplin vergleichen. Im Bikejöring gehen wir erst wieder im Herbst an den Start – während den Vorbereitungsrennen für die Wintersaison, wo wir dann im Skijöring (Langlauf mit Hund) starten werden.

Autorin, Bilder: Nadine Zaugg

Datum: 23.07.2005
Quelle: Livenet.ch

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige