Fernsehkoch mit Lebenshunger

Die vielen Seiten des Horst Lichter

Horst Lichter ist Fernsehkoch, Entertainer und Autor. Der 55-Jährige gilt als Inbegriff einer rheinischen Frohnatur. Doch sein Leben ist genauso von Schicksalsschlägen geprägt und einem unbändigen Lebenshunger.

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Horst Lichter
Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird Horst Lichter in Johannes B. Kerners Kochshow. Dort steht er neben Alfons Schuhbeck, Tim Mälzer, Johann Lafer und anderen Promi-Köchen. Lichter kann kochen. Doch deswegen steht er nicht hier. Jemand hat das so erklärt: «Mit Sarah Wiener kam eine neue Ehrlichkeit in die Kochszene, mit Horst Lichter der Humor.» Doch wer ist der TV-Koch mit dem gezwirbelten Schnauzer, der so gerne «Bütterchen an seine Möhrchen» gibt?

Erstmal nichts zu lachen

Horst Lichter kommt 1962 in der Nähe von Köln zur Welt. Er wächst in Rommerskirchen auf. Heute sagt Wikipedia, dass der Ort die «geringste Arbeitslosigkeit und den höchsten Lebensstandard» der Region besitzt. Damals arbeitete sein Vater fast rund um die Uhr im Kohlebergwerk, um die kleine Familie zu ernähren. Mit 14 beginnt er eine Ausbildung als Koch, doch die Grossküchenatmosphäre seiner ersten Anstellung frustriert ihn. In seiner Biografie schreibt er über diese Zeit: «Entweder bleibe ich Koch oder Mensch.» Also geht er erst einmal «in die Braunkohle», verdient Geld, heiratet mit 19, führt ein angepasstes Leben zwischen Fitnessstudio und Familie und wartet fast schon auf die Rente. Nach dem Tod seines dritten Kindes geht die Ehe auseinander.

Leben mit Vollgas

Horst Lichter flieht in die Arbeit, in neue Beziehungen. Er lebt und arbeitet eine Weile in England und gründet später in Rommerskirchen in einer ehemaligen Autowerkstatt sein Restaurant «Oldiethek». Er sammelt Autos und Motorräder, arbeitet Tag und Nacht und befindet sich irgendwann auf der Überholspur des Lebens. Er verdient viel und gibt noch mehr aus. Sein Lokal wird zum kultigen Szenetreff.

Das Fernsehen entdeckt den witzigen Koch und damit beschleunigen sich sein Leben und seine Karriere ein weiteres Mal. Auch wenn Lichter sich in vielem von seinen prominenten Kochkollegen unterscheidet, in einem ist er ihnen sehr ähnlich: Zunächst lebt er ein Leben der Extreme, immer am Limit. Doch trotz eines immensen Arbeitspensums hat der Rheinländer inzwischen gelernt, dass nichts bleibt. Er kann auch auf die Bremse treten – und er tut es. In seiner Biografie «Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott» erklärt er lapidar: «Alles wächst, alles blüht, alles stirbt. Und jeder weiss: Er lebt darauf hin, dass er stirbt» (S. 108). Es sind ungewohnte Worte für einen Komiker, doch sie haben ihren Grund in den Talfahrten seines Lebens.

Immer wieder: der Tod

Eine Tochter von Horst Lichter kommt als Baby durch plötzlichen Kindstod ums Leben. Sein Vater stirbt bald darauf mit 56 Jahren. Er selbst erleidet mit 26 und 28 Jahren Schlaganfälle, von denen er sich nur langsam erholt. Gott sucht er während dieser Katastrophen ab und zu, erlebt dabei allerdings Enttäuschendes. So wie damals, als er vor dem Pfarrhaus anhält und die Haushälterin an der Tür bittet: «Ich würde gern mit dem Pastor beten, mein Baby stirbt.» Doch die antwortet nur: «Der Herr Pastor hat jetzt keine Zeit für Sie, aber er stellt eine Kerze für das Kind auf» (S. 66). Lichter ist darüber nicht zynisch geworden, aber auch nicht gläubig. Er hat es geschafft, sein Leben radikal umzustellen. Stress ja, Alkohol kaum, Sport nein. Doch er läuft dem Leben nicht mehr hinterher, versucht hier und heute zu leben. Denn lebenshungrig ist der Koch immer noch, quasi von Beruf.

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Datum: 02.07.2017
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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