Erstes Treffen beim Überfall

Wie ein Ex-Bandenführer Pastor wurde

Zoom
Terrell Scott mit seiner Frau Brandy und ihren Kindern (Bild: Christian Post)
Terrell Scott, Pastor der Passion-Life Church in Georgia, kennt Leere, Schmerz, Leid und Zerrissenheit. In jungen Jahren war er Anführer einer kriminellen Bande. Seine Frau lernte er – mit vorgehaltener Waffe – bei einem Überfall kennen…

Scott verbrachte einen Grossteil seiner Teenager- und frühen 20er-Jahre damit, sich an Bandengewalt, Drogenhandel und bewaffneten Raubüberfällen zu beteiligen. In diesen Jahren missbrauchte er Alkohol und konsumierte und verkaufte Marihuana, Kokain, Ecstasy und Methamphetamine.

Er wuchs in einer gestörten und zerrütteten Familie auf, ihm fehlte eine enge Beziehung zu seinem Vater. Er sehnte sich danach, sich vollständig zu fühlen und suchte nach brüderlichen Beziehungen, um die Leere zu füllen, welche die fehlende Vaterfigur in seinem Leben hinterlassen hatte. All diese Faktoren führten dazu, dass er als Teenager auf die Idee kam, seine eigene Gang zu gründen.

Immer wieder auf der Strasse

«Es gab Zeiten, in denen ich mit meinen kriminellen Aktivitäten aufhörte, aber mein Denken war nicht in Ordnung, so dass ich zu Drogen, Frauen, Macht, Verbrechen und Geld zurückkehrte und anfing, mich zuzudröhnen und auf die Strasse zu gehen.»

Er konnte sehr schnell von guten zu schlechten Entscheidungen wechseln. «Wenn man keine enge Beziehung zu seinem Vater oder einer gottesfürchtigen Person in seinem Leben hat, geht man auf die Strasse, um Unterstützung zu bekommen und Gemeinschaft zu finden.»

Für Scott bedeutete das Aufwachsen in McDonough, Georgia, wo Gangs weit verbreitet waren, dass viele seiner gleichaltrigen Kollegen ebenfalls in Gangs waren. Die Jugendlichen in seiner Nachbarschaft verprügelten oft andere Jugendliche im Zusammenhang mit Bandengewalt.

Er hoffte, zu finden

Scott hoffte, dass er durch die Gründung einer Bande Brüderlichkeit und Ganzheitlichkeit finden würde. Mit 15 versammelte er die meisten Jungen aus seinem Highschool-Footballteam und gründete seine eigene Gang. Damit begann er eine jahrzehntelange Verbrechensserie, die schliesslich zu seiner Verhaftung führte.

Als 21-jähriger College-Student wurde Scott von seinen schlechten Entscheidungen im Leben eingeholt. Nie wird er den Tag vergessen, an dem er verhaftet und anschliessend zu fünf Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 500'000 Dollar verurteilt wurde. Zunächst führte Scott seine Bande innerhalb der Gefängnismauern weiter und handelte einige Jahre lang mit Drogen, bis dies entdeckt wurde. Daraufhin wurde er in Einzelhaft verlegt.

In Isolationshaft

Während der sechsmonatigen Isolationshaft ertappte sich Scott dabei, dass er über die Existenz Gottes nachdachte. Eines Nachts betete er und bat Gott, jemanden in sein Leben zu lassen, der ihn zum christlichen Glauben führen könnte. Innerhalb eines Monats erhielt Scott einen Brief von einer Frau namens Brandy, die er einmal mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt hatte.

«In dem Brief teilte Brandy mir das Evangelium mit und sagte mir, dass Gott eine Absicht und einen Plan für mich hat. Der Heilige Geist überführte mich. Und ich begann Busse zu tun», erinnert sich Terrell Scott. «Es war Gottes Zeitplan, und ich fing an, den anderen von Jesus zu erzählen.»

Brandy begann, Scott regelmässig zu besuchen, um mit ihm über mehrere Monate hinweg die Bibel zu studieren. Nachdem er im Alter von 26 Jahren sein Leben Jesus überlassen hatte, wurden die Gefängnisbeamten auf seine Wandlung, sein verändertes Verhalten und seinen Dienst unter den Mitgefangenen aufmerksam. Später stimmte ein Richter zu, die ursprünglich gegen ihn verhängte Geldstrafe von 500'000 Dollar fallen zu lassen.

Die Vision

«Ich hatte eine Vision von zwei gefalteten Händen, als ich die Augen geschlossen hatte und betete, und es war ganz klar, dass Gott mich berief, durch seinen Dienst etwas zu bewirken, wenn ich aus dem Gefängnis komme», erinnert sich Scott an eine seiner letzten Nächte im Gefängnis. «Dann hörte ich die Stimme Gottes, die mir sagte, dass ich dazu bestimmt war, Prediger zu sein, um vielen zu helfen.»

Als er aus dem Gefängnis entlassen wurde, heiratete Scott Brandy. Das Paar hat inzwischen fünf gemeinsame Kinder und gründete 2013 die Passion-Life Church in derselben Gemeinde, in der Scott aufgewachsen ist. Die Kirche hat knapp 100 Mitglieder, die jeden Sonntag zum Gottesdienst kommen.
Die beiden gründeten auch ihr eigenes christliches Werk namens «The River Refuge», um Jugendlichen in McDonough zu helfen, einer Gegend, die nach wie vor mit hohen Raten von Bandengewalt zu kämpfen hat. Es ist eine Organisation zur Ortsentwicklung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die praktischen Bedürfnisse von Menschen in einkommensschwachen Gegenden zu erfüllen und ihnen gleichzeitig Liebe zu zeigen.

Gott kann alle ändern

«Wenn Gott mich ändern konnte, kann er jeden ändern. Und ich möchte verhindern, dass andere das erleben, was ich erlebt habe, und ihnen ein Ziel und eine Bestimmung geben», sagt Scott. «In meiner eigenen Lebensgeschichte habe ich Fehler gemacht und viele Menschen verletzt, aber wenn ich sehe, was Gott getan hat, möchte ich das mit mehr und mehr Kindern teilen, um sie zu inspirieren. Gott hat mir ein Herz für Kinder gegeben. Neunzig Prozent oder mehr unserer Kinder in McDonough haben ihre Väter nie kennengelernt, und deshalb wollen wir ihnen göttliche Vorbilder sein.»

Im Rahmen ihres Dienstes leiten sie das Maleachi-Projekt, ein Mentorenprogramm für Kinder und Jugendliche von der Grundschule bis zur Oberstufe, das akademische Nachhilfe, Mahlzeiten und Zeit für Andachten bietet, um ihnen von Jesus Christus zu erzählen.

Gerettet und zum Retter geworden

«Es ist das Werk der Gnade, das mich gerettet und von meiner Vergangenheit und meiner Drogensucht befreit hat, denn Gott kann jedem vergeben und alle heilen», bilanziert Scott.

«Es gibt nichts Besseres, als dem Herrn zu dienen. Die Dinge, die ich auf der Strasse, in diesem Lebensstil gefunden habe, waren eine Fälschung von dem, was ich brauchte, und ich habe darin keine volle Befriedigung gefunden.» 

Zum Thema:
Selbstvergebung ist möglich: «Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht»
37 Jahre zu Unrecht in Haft: «Mit Beten habe ich es überstanden»
Nach Drogenbesitz: Polizist kommt selbst in den Knast

Datum: 16.10.2021
Autor: Nicole Alcindor / Daniel Gerber
Quelle: Christian Post / gekürzte Übersetzung: Livenet

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige

RATGEBER

Zur Ruhe kommen Raus aus dem Hamsterrad!
Wer kennt es nicht: das Gefühl, in einem Hamsterrad zu laufen. Das Leben wird bestimmt von...