Kampf gegen Krebs

«Zwei Prozent Überlebenschance sind nicht null Prozent»

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Jane Marczewski alias Nightbirde bei America's got Talent (Bild: Instagram)
Dreimal hat Jane Marczewski (30) den Krebs besiegt und ist immer noch nicht frei von seinen Fängen. Mitten in ihrem gesundheitlichen Tiefpunkt fand sie zu Gott. Einmal sagte sie: «Ich bin Gottes Nachbarin von unten.»

Jane Marczewski berührte in diesem Sommer einen grossen Zuschauerkreis mit ihrem Song «It's Okay». Dies, nachdem sie zuvor der «America's-Got-Talent»-Jury gesagt hatte, dass sie eine Überlebenschance von zwei Prozent habe – sie zog sich schliesslich auch aus der Endrunde zurück, um gegen den Krebs zu kämpfen.

In ihrer Audition hatte Jane, die unter dem Künstlernamen «Nightbirde» («Nachtvogel») auftritt, die Jury überrascht, als sie sachlich erwähnte, dass sie aufgrund von Krebs in Lunge, Wirbelsäule und Leber keinem Beruf nachgehen kann.

Doch: «Es ist wichtig, dass jeder weiss, dass ich so viel mehr bin als die schlimmen Dinge, die mir passieren», sagte sie lächelnd. Ihre überschwängliche Freude und ihre unverfälschte Stimme veranlassten Simon Cowell, den goldenen Buzzer zu betätigen und sie damit in die nächste Runde zu befördern. Ihr Song («If you're lost, we're all a little lost, and it's alright») schoss auf Platz 1 bei iTunes.

Zwei Prozent sind nicht null

Die 30-jährige Jane Marczewski aus Zanesville, Ohio beschloss als Studentin der Liberty University, ihr gottgegebenes musikalisches Talent zum Beruf zu machen. Sie heiratete, begann ihr Leben und wurde dann von Krebs heimgesucht. Zunächst hielt ihr Mann zu ihr, doch als sie einen Rückfall erlitt, liess er sich von ihr scheiden.

Ihr Lächeln und ihr unbändiger Optimismus begeisterten die Zuhörer. «Ich habe eine zweiprotzentige Überlebenschance, aber zwei Prozent sind nicht null Prozent», sagt sie. «Man kann nicht warten, bis das Leben nicht mehr schwer ist, bevor man sich entscheidet, glücklich zu sein.»

Aber wenn sie allein ist, stellt sie sich den entmutigenden Chancen. Weil sie ehrlich ist, verfällt sie manchmal in eine Depression. Aber während sie kämpft und sich bei Gott über die Ungerechtigkeit ihres Schicksals beklagt, wächst sie, wie es ein «gewöhnlicher» Christ kaum tun würde.

«Gottes Nachbarin von unten»

«Ich bin Gottes Nachbarin von unten, die mit einem Besenstiel an die Decke klopft», sagt sie einem Video. «Ich stehe jeden Tag vor seiner Tür, manchmal mit Liedern, manchmal polternd oder mit Entschuldigungen, Geschenken, Fragen, Forderungen. Manchmal benutze ich meinen Schlüssel unter der Fussmatte, um mich reinzulassen. Ein anderes Mal schmolle ich draussen, bis er mir selbst die Tür öffnet.»

Sie erinnert sich weiter: «Ich habe ihm gesagt, dass ich sterben will, und ich habe es ernst gemeint. Tränen sind zu den einzigen Gebeten geworden, die ich kenne ... Tag und Nacht, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Nennt mich verbittert, wenn ihr wollt; das ist fair. Zählt mich zu den Zornigen, den Zynischen, den Beleidigten, den Abgehärteten. Aber zähle mich auch zu den Freunden Gottes, denn ich habe ihn in seltener Gestalt gesehen. Ich habe sein Ausatmen gespürt, mich in seinen Schatten gelegt und mit den Augen geschielt, um die Botschaft zu lesen, die er für mich in den Mörtel geschrieben hat.»

Wie Hiob

Jane Marczewskis in Poesie gehüllte Worte thematisieren die Erfahrung Hiobs, zu Unrecht niedergeschlagen zu sein. «Ich möchte mit ihm in seiner Hängematte liegen und die Adern in seinen Armen nachzeichnen. Ich erinnere mich daran, dass ich zu dem Gott bete, der die Israeliten jahrzehntelang verloren gehen liess. Sie flehten darum, ins Gelobte Land zu kommen, aber er liess sie stattdessen umherirren und erhörte Gebete, die sie nicht gesprochen hatten.»

Wenn sie aber ihr Leben auf der Suche nach Strängen der Barmherzigkeit unter die Lupe nimmt, erinnert sie sich an die Geschichte, in der Gott die Israeliten in der Wüste mit Manna speist. «Ich sehe Barmherzigkeit im staubigen Sonnenlicht, das die Bäume umreisst, in den krummen Händen meiner Mutter, in der Decke, die meine Freundin für mich dagelassen hat, in der Harmonie des Windspiels. Es ist nicht die Gnade, um die ich gebeten habe, aber es ist trotzdem Gnade. Und ich lerne ein neues Gebet: 'Danke'. Es ist ein Gebet, das ich noch nicht verstehe, aber so lange wiederholen werde, bis ich es verstehe.»

Prognose überlebt

Schon jetzt hat sie die Anfang 2020 gestellte Prognose von damals drei Monaten Lebenserwartung deutlich überlebt. «Nennt mich verflucht, nennt mich verloren, nennt mich verachtet, aber das ist noch nicht alles. Nennt mich auserwählt, gesegnet, begehrt, nennt mich diejenige, der Gott seine Geheimnisse zuflüstert. Ich bin diejenige, deren Bauch gefüllt ist mit einer Menge Gnade, die für mich verborgen wurde.»

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Datum: 02.09.2021
Autor: Michael Ashcraft / Daniel Gerber
Quelle: GodReports / Übersetzung: Jesus.ch

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