Ex-Geisel Monique Strydom

«Der Corona-Lockdown ist wie eine Entführung»

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Monique Strydom (Bild: Facebook)
Vor 20 Jahren geriet die Südafrikanerin Monique Strydom (56) weltweit in die Schlagzeilen, als sie von einer Terrorgruppe entführt und als Geisel gehalten wurde. Nach ihrer Freilassung musste sie hart daran arbeiten, ihr Trauma zu überwinden. Jetzt, mit der Covid-Pandemie, kamen die Emotionen von damals wieder hoch...

Zur Welt gekommen war Monique Strydom (56) einst in Namibia, später studierte sie an der Universität von Pretoria Theaterwissenschaft und Public Relations.

Vor 20 Jahren wurde ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt. «Ich wurde von Abu Sayyaf, einer islamischen Terrorgruppe, zusammen mit meinem damaligen Ehemann Callie und 20 anderen auf der malaysischen Insel Sipidan, einem der weltweit schönsten Tauchplätze entführt.»

Sie wurde auf die abgelegene Insel Jolo gebracht. «Während der 127 Tage Gefangenschaft erlebten wir Hunderte von Emotionen, von Hoffnung bis Verzweiflung, aber auch Terror – das philippinische Militär griff uns schliesslich mit Mörsern an! Die physischen Bedingungen waren extrem hart, mit minimaler Verpflegung und oft nur Regenwasser. Aber das Schwierigste war es, unsere Freiheit zu verlieren. Unsere Entführer wachten mit Maschinengewehren und Macheten über uns.»

«Dazu gibt es weder Training noch Drehbuch»

In vielerlei Hinsicht sei die Covid-Pandemie ähnlich. «Für diese Zeiten gibt es kein Training, kein Drehbuch. Es erfordert deine ganze Energie, nur um zu überleben.»

Die Gefangenen erhielten damals eine Bibel, aus der Inspiration geschöpft werden konnte. «Sie lehrte uns, dass man sich entscheiden kann, anderen zu helfen, egal in welcher Situation man sich befindet. Am 127. Tag unserer Gefangenschaft schrieb ich einen Businessplan, um eine Wohltätigkeitsorganisation zu gründen.»

Sie habe darin ihren Lebenssinn gefunden. «Nämlich anderen zu helfen. Vier Stunden später wurden wir freigelassen. Es war ein absolutes Wunder, dass wir lebend herauskamen, und ich war einfach nur dankbar. Ich glaube, dass Dankbarkeit auch Ihr Leben verändern kann.»

Lob von Nelson Mandela

Bei der Rückkehr nach Südafrika erhielt Monique viel Liebe, Unterstützung und Trauma-Beratung: «Heilung ist ein Prozess und man muss daran arbeiten, man kann es nicht einfach 'überwinden'!»

Nelson Mandela lobte nach der Freilassung des Paares: «Wir loben Callie und Monique für ihren Mut, den sie unter schwierigsten Umständen bewiesen haben, und wir möchten, dass sie wissen, wie stolz sie uns alle als Südafrikaner gemacht haben, weil sie sich so verhalten haben.»

Monique gründete den «Strydom Trust», um mit dem Geld, das aus den Medienberichten eintraf sowie aus dem Buch, welches das Paar verfasste, eine Reihe von Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen.

NGO gegründet

Nach einem schrecklichen Kindsmissbrauchs-Vorfall im Jahr 2001 «bat mich der Leiter der 'Gauteng Child Protection Unit' um Hilfe, da es damals keine Unterstützung für Opfer dieser Art von Verbrechen gab».

In diesem Zuge gründete sie die NGO «Matla A Bana». «Wir bieten jedes Jahr über 30'000 Kindern im ganzen Land Trost und arbeiten eng mit den SAPS-Einheiten für Familiengewalt, Kinderschutz und Sexualdelikte sowie der nationalen Staatsanwaltschaft zusammen.»

Weiter hält Monique Strydom fest: «Für mich ist der Missbrauch von Frauen und Kindern auch eine Art von Entführung; viele sind Geiseln in ihren eigenen Häusern und werden von denen verletzt, die sich eigentlich um sie kümmern sollten.»

Die Zusammenarbeit mit den Behörden ist ihr wichtig: «Ich arbeite leidenschaftlich gern mit der Polizei zusammen: Sie sind unsere Torwächter, und die Arbeit, die sie leisten, ist sehr traumatisch. Ich halte auch Vorträge vor Unternehmen, Kirchen, Frauengruppen und vor vielen anderen.»

Trauma wieder aufgetaucht

Die Corona-Pandemie brachte die Gefühle von damals nun wieder hervor. «Ich war schockiert, als ich feststellte, dass das Trauma meiner Entführung wieder auftauchte: Die Gefühle der Ungewissheit, die Zukunft nicht zu kennen und sich isoliert und ängstlich zu fühlen, die mich damals überwältigt hatten, trafen mich wieder. Ich kann absolut verstehen, warum viele Menschen damit zu kämpfen haben.»

Ein Trauma könne man nicht alleine durchstehen. Sie habe die Entführung damals nach der Freilassung besser als andere verarbeiten können, weil sie ein grosses Netzwerk an Freunden hatte. Die gute Sache am Lockdown sei, dass alle in der gleichen Lange sind und verstehen können, was andere Menschen durchmachen.

Reden mit Gott

«Wenn ich mit Gott rede, ist das nicht immer ein nettes Gespräch», erklärt Monique Strydom. «Manchmal bin ich rebellisch und verärgert und trage mein Herz auf der Zunge, aber ich habe Dankbarkeit gelernt. Ein grosser Teil meines Gebets ist ein 'Danke', weil ich dann die kleinen Dinge sehe. Ich merke, dass ich gesegnet bin und die grossen Dinge nicht mehr so gross sind.»

Das Wichtigste ist, nicht allein zu sein: «Je einsamer man ist, desto einsamer wird man, vor allem, wenn die eigene Welt durch das Trauma bereits klein geworden ist. Wenn du keine Menschen hast, die dich unterstützen, dann finde Menschen, die das tun können. Ich glaube, dass wir geboren wurden, um uns mit anderen Menschen zu verbinden, und wenn man anderen hilft, findet man wirklich einen Sinn.»

«Ich erlebe einen lebendigen Gott»

Monique Strydom sagt, dass sie einen lebendigen Gott erlebt: «Gott liebt uns und hat uns Hoffnung und seinen Sohn gegeben. Ich lag auf dem Boden, auf mich wurde geschossen und ich sah den Mann neben mir an – ein Mitglied von Abu Sayyaf – und ich sah, wie viel Angst er vor dem Tod hatte. Ich hatte keine Angst vor dem Tod.»

Die Herausforderung ist also: «Sorge dafür, dass du keine Angst vor dem Tag hast, an dem du dem Tod gegenüberstehst. Du kannst dir viele Dinge einreden, aber wenn du den Tod siehst, wirst du entweder denken: 'Ich habe Angst, ich will nicht sterben' oder 'Ich komme damit klar, weil ich weiss, was danach passieren wird.' Unsere Geiselnehmer lebten in ständiger Angst. Sie schienen nicht zu wissen, für welche Sache sie kämpften. Ich glaube, wenn man erkennt, dass man Teil eines grösseren göttlichen Plans ist, findet man immer wieder Hoffnung und einen Sinn und die Ängste lassen nach.»

Monique rät ausserdem bei Angst-Zuständen:

  • Seien Sie sich bewusst: Gedanken über vergangene Traumata können ängstliche Gefühle und sogar körperliche Symptome auslösen.
  • Seien Sie proaktiv: Langfristige Ängste können Störungen und Gesundheitsprobleme verursachen, die professionelle Hilfe erfordern.
  • Seien Sie ansprechbar: Bewegung, gesunde Ernährung, positive Gedanken und ein sorgfältiges Zeitmanagement (einschliesslich Entspannung) sind hilfreich.
  • Seien Sie frei: Vermeiden Sie es, sich auf das Problem zu konzentrieren; bleiben Sie mit einer unterstützenden Gemeinschaft verbunden und kommunizieren Sie Ihre Gefühle.

Heute lebt sie mit ihrem Sohn Luc in Loevenstein, Kapstadt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter einen Preis von Rotary International und den Titel «Newsmaker of the Year» (vom «Johannesburg Press Club») und sie wurde von der «American Biographical Society» als «Eine der grössten Frauen des Jahrzehnts» ausgezeichnet. Die von ihr gegründete NGO «Matla A Bana» wurde soeben zum Finalisten der «Old Mutual Partnership Awards 2020» ernannt, mit denen Projekte ausgezeichnet werden, die sozioökonomische Bedingungen in ganz Afrika verändern.

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Datum: 13.01.2021
Autor: Ali Mcalpin / Daniel Gerber
Quelle: thislifeonline.co.za / Übersetzung: Jesus.ch

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