Ungewollt und einsam

«Gott gab mir alles, was mir meine Familie nicht gab»

Mit vier Jahren wird Helle Telk von ihrer Mutter im Waisenheim abgeladen. Für das Mädchen bricht die Welt zusammen. Doch inmitten des Schmerzes, der Einsamkeit und der Unverständnis lernt sie einen Vater kennen, der ihr wortwörtlich alles gibt, um das sie bittet.

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Helle Telk (Bild: Facebook)
Helle Telk wächst die ersten Kindheitsjahre in Österreich auf, ihre Eltern kommen ursprünglich aus Estland. 1948 steigen die Eltern mit der zweijährigen Helle und ihren Geschwistern in ein Schiff und wandern nach Argentinien aus. Kurz darauf trennen sich die Eltern – völlig überfordert gibt die Mutter Helle in ein Waisenheim in Buenos Aires. Helle ist zu dem Zeitpunkt erst vier Jahre alt. Die Mutter sieht sie nur noch ein paar Mal bei Besuchen, später gar nicht mehr.

Verlassen, ungeliebt, ungewollt, einsam unter weiteren 80 Kindern – so erinnert sich Helle an die ersten Wochen und Monate im Heim. Als sie die Nachricht erhält, dass ihr Vater gestorben ist, bricht ihre Welt völlig zusammen; die Hoffnung, dass er sie aus dem Heim holen würde, wird mit dem Vater begraben…

In dieser Zeit hört sie im Heim erstmals von Jesus. Die Kinder lesen häufig in der Bibel, singen zusammen und hören Predigten. Hier hört sie, dass Jesus für sie gestorben ist. «Am Abend im Schlafraum, den ich mit zehn Mädchen teilte, kniete ich mich an meinem Bett hin und betete: 'Herr, ich brauche dich. Vergib mir meine Sünden, komm in mein Herz und verlass mich nie! Du musst mein Vater im Himmel und mein Vater auf dieser Erde werden.'» Sie ist zu dem Zeitpunkt erst sieben Jahre alt, und doch ist sie sofort mit Freude erfüllt.

Erhörte Gebete

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Heim in Buenos Aires
Eine Betreuerin, Angélica, ist ihr besonders zugeneigt – und Helle vertraut ihr voll und ganz. Eines Tages zeigt Angélica ihr ein kleines Zimmer, der Gebetsraum des Heims. Sie erklärt dem Mädchen, dass sie immer, wenn sie etwas braucht, hierherkommen und Gott darum bitten kann – er wird ihr alles geben, worum sie ihn bittet. Die kleine Helle, die weder Eltern noch eigene Kleidung noch sonst irgendetwas besitzt, ist begeistert. «Ich dachte: 'Das ist super, dann werde ich die ganze Zeit hier auf den Knien verbringen!' Und die folgenden 14 Jahre lebte ich mein Leben auf den Knien…» Täglich kommt sie in das Gebetszimmer – und erlebt, wie Gott ihre Gebete erhört.

Ein Beispiel: Gemeinsam mit drei Kameradinnen bittet sie eines Tages Gott um neue graue, bestickte Pullover – im Kinderheim erhalten sie grundsätzlich nur gebrauchte Kleider. Noch in derselben Woche kommen ein paar Frauen zur Direktorin und kündigten an, dass sie in zwei Monaten neue graue, bestickte Pullover spenden werden. «Das war die schönste Kleidung, die ich je besass.» Manchmal fehlt es im Heim auch an Essen und alle gehen zum Beten – häufig noch während des Gebets hören sie die Klingel des Hauses: Jemand bringt Essen für die 80 Kinder. «Durch diese vielen Gebetserhörungen wuchs unser Glaube.»

Ein Vater, der versorgt

Und gleichzeitig wird Gott für sie zu diesem Vater, nach dem sie sich gesehnt hat und den sie um alles bitten kann. «Gott wurde für mich zu einer ganz nahen Person, den ich liebte, der mich liebte und mir alles gab, was mir meine Familie nicht gab. Es begeisterte mich zu sehen, dass Gott bei mir war, auf meine Bitten antwortete und auf meine Traurigkeit reagierte. Gott hielt sein Wort und umgab mich…»

So verbringt sie 14 Jahre in dem Heim. Als sie mit 18 Jahren das Heim verlassen soll und keinen Ort hat, an den sie gehen könnte, geht sie auch als allererstes ins Gebetszimmer und bittet um jemanden, bei dem sie wohnen könnte. Noch in derselben Woche bietet eine christliche, estische Familie dem Heim an, ein Mädchen aufnehmen zu können. Hier lebt Helle bis zu ihrer Hochzeit und lernt grundlegende Dinge, etwa wie man mit Geld umgeht, wie man soziale Kontakte aufbaut und vieles mehr.

Der harte Weg der Vergebung

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Helle Telk mit ihrem Mann Tito Colombo
Sie findet einen liebevollen Mann – auch dies eine Gebetserhörung – und die beiden bekommen drei Kinder. Doch ein Kapitel ihrer Kindheit ist noch nicht abgeschlossen: Nie redet sie über ihre Mutter. Die Kinder wissen nichts über die Grossmutter, niemand weiss ob und wo sie lebt. In ihren 40er Jahren merkt Helle mit einem Mal: Gott will, dass ich mich mit meiner Mutter versöhne. Doch wie? Zu tief stecken Verbitterung, Unverständnis und Wut gegenüber der so gefühlslosen Mutter.

Eigentlich will sie ihr gar nicht vergeben. Doch sie erinnert sich an einen Bibelvers: «Wenn ihr den Menschen aber nicht vergebt, dann wird Gott auch eure Schuld nicht vergeben.» (Matthäus, Kapitel 6, Vers 15) – «Ich betete: 'Herr, ich weiss nicht, wie man das macht. Du musst mir es beibringen…'» Sie macht sich auf die Suche nach der Mutter, die tatsächlich noch lebt. Nach der Kontaktaufnahme geht Helle mit ihrem Mann die Mutter und deren neuen Mann zum Abendessen besuchen. «Die Stimmung war extrem angespannt…» Nach dem Essen erklärt Helle der Mutter, dass sie ihr keine Fragen über die Vergangenheit stellen wird – sie möchte ihr einfach nur vergeben.

Und tatsächlich: Nach und nach kann Helle eine neue, enge Beziehung zu ihrer Mutter aufbauen. Diese bittet die Tochter zwar nie explizit um Vergebung, doch als sie einen Abend mit der ganzen Familie verbringen, muss die Mutter – eine sehr harte, gefühlslose Frau – die ganze Zeit weinen. Es sind Tränen der Reue, Tränen der Bitte um Vergebung. «Die Vergebung öffnet viele Türen.»

Heute ist Helle international unterwegs als Sprecherin und Autorin. Im Rückblick auf ihr Leben sagt sie: «Für Gott ist nichts unmöglich, selbst wenn du in deinem Leben Schlimmstes durchmachen musst. Gott ist alles möglich!»

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Datum: 28.11.2020
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Jesus.ch / Youtube / Protestante Digital

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