Der Weg des Vertrauens

«Wir können Gott nicht in der Theorie erleben»

Inmitten schwieriger Erfahrungen lernten Heidi und Harry Graf auf Gott zu vertrauen. Heute sind sie froh, den Weg der Nachfolge gewählt zu haben. Sie sind überzeugt: «Gott führt uns in schwierige Situationen, damit wir ihn dort erfahren.»

 
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Heidi und Harry Graf (Bild: zVg)
Heidi und Harry Graf leben in Büttikon (AG), sind beide 58 Jahre alt und haben drei erwachsene Kinder. Und: Sie haben einen Lebenslauf, der sich wie ein einziges Abenteuer erzählen lässt. Sie leben ein Leben nach dem Ruf Gottes.

«Wir laufen nicht aus Gottes Schule»

«Wir lernten uns in der Jugendgruppe kennen», erzählen die beiden. Beide hatten sich für Jesus entschieden und wollten ihm gemeinsam nachfolgen. Mit 19 war Harry angefragt worden, in einem christlichen Verlag mitzuarbeiten. «Die ersten zehn Jahre waren schwierig», blickt er zurück. «Mir wurde oft gesagt, ich hätte ein Bedeutungsproblem und rede zu viel.» Oft fühlte er sich als Nichtsnutz. Doch die beiden sagten sich «Wir laufen nicht aus Gottes Schule» und so verharrte er in seiner Situation. «Als 21-Jährige heirateten wir. Ein Jahr später hielten wir unser erstes Kind in den Armen.»

Zwischenzeitlich stieg Harry zum Versandleiter auf, um sich später als Hilfskraft für den Gärtner wiederzufinden. Er sei sonst zu nichts nütze, wurde ihm gesagt. Bevor er dazu kam, die Firma zu verlassen, wurde er zum Buchhalter berufen. In den folgenden Jahren lernte er sehr viel, führte Schulungsprojekte durch und konzipierte Beratungsprodukte. Das ging bis 2002. Die erlernten Fähigkeiten sollten ihm später noch von grossem Nutzen sein.

Gottes Lebensschule kann sehr herausfordernd sein

Grafs waren froh, Teil ihrer Gemeinde zu sein. Diese galt als vorbildlich und hatte grosse Ausstrahlkraft. Als Harry schliesslich zum Ältesten berufen wurde und in dieser Funktion ein paar Missstände anzusprechen wagte, wurde er nach 20 Jahren Gemeindemitarbeit mit seiner Frau innerhalb von 2 Monaten aus der Gemeinde ausgeschlossen und aufgefordert, sämtliche Ämter und Aufgaben niederzulegen. Ihren Kindern wurde verboten, mit Kindern aus der Gemeinde Kontakt zu pflegen. «Das war eine schwierige Zeit», blicken sie zurück. Es war eine Zeit, in welcher sie einige ihrer eigenen Fehler in Gottes Licht betrachteten. «Es wurde uns klar, dass die Gewissensfreiheit unantastbar sein muss. Und genau diese hatten wir vielen Christen nicht gewährt.» Das führte dazu, dass sie sich bei manchen Menschen in schriftlicher oder mündlicher Form dafür entschuldigten, jahrelang Missstände mitgetragen und sich zu Handlagern falscher Entscheidungen gemacht hatten.

Wie sollte es weitergehen?

Ganz wesentlich in dieser Krise war der erneuerte Entscheid, voll und ganz dem Herrn zu vertrauen. Heidi und Harry sehnten sich danach, Gottes Führung in dieser Situation zu erfahren. «Wir brauchten einen neuen Wohnort, einen neuen Arbeitsplatz, eine neue Gemeinde und hatten keine Ahnung wohin wir uns wenden sollten.»

Dann, inmitten dieser Zeit des Betens und Vertrauens, wurde Harry angefragt, einen Leitungsposten in einer grossen Fundraising-Agentur zu übernehmen. Auch bezüglich einer neuen Gemeinde griff Gott ein: «Weit entfernte Freunde hörten von unserem geplanten Ortswechsel und sprachen in ihrer Gemeinde darüber. Als die Gemeindeleitung uns bei ihnen willkommen hiess, wussten wir, dass dies unser Platz war.» Letztlich war es wirklich so, dass Gott Türen für die inzwischen fünfköpfige Familie öffnete. Harry hatte einen Job und die Familie eine Gemeinde und eine Wohnung.

Gott hörte nicht auf, immer neue Türen zu öffnen

Die «Vertrauens-Schule» führte durch manche Herausforderungen hindurch. Dadurch lernten sie, ihren Fokus ungeteilt auf Jesus zu richten. «Nicht ich sage, was in meinem Leben laufen soll», beschreibt Heidi ihre Grundhaltung. «Vielmehr ist die Frage, was Jesus mit unserem Leben vorhat, entscheidend.» Und die beiden erfuhren wiederholt, dass Gottes Pläne tatsächlich die besten sind.

In Gemeindeaufbauarbeit blühten sie auf und Harrys Weg in die Selbständigkeit ergab sich fast wie von selbst. Er wurde sogar einer der führenden Unternehmensberater im Non-Profit-Bereich. «Und dies als Quereinsteiger ohne entsprechende Ausbildung, dafür schwieriger Vergangenheit.» Seit 2012 führt Heidi als Geschäftsführerin einen Buchladen in Wohlen, welcher zum Ort der Begegnung geworden ist. Sie beide verstehen sich überhaupt nicht als Unternehmer, erfahren aber im Folgen von Gottes Führung wahre Erfüllung.

Das Gelernte ist unbezahlbar

«Wir kamen aus einem sehr wertekonservativen Kontext und glaubten zu wissen, wie es läuft.» Doch dann nahm Gott selbst sie in seine Schule und lehrte sie, nicht auf ihr eigenes Wissen und Können zu vertrauen, sondern auf seine Führung. Mit zunehmendem Alter erkennen sie ihre Schwächen immer besser. «Wir lernen in der Abhängigkeit von Christus zu dienen – mit all unseren Schwachheiten.» Sie dienen Menschen und fördern sie, weisen auf den Weg des Vertrauens hin. «Der Weg der Nachfolge hat uns sehr gesegnet.»

Noch immer kennen Grafs Herausforderungen. «Der Gedanke, wie ich zu den nötigen Kunden komme, kann beängstigen», gibt Harry ein Beispiel. Doch auch hier gilt es, Gott zu vertrauen. Und Heidi fasst eine wichtige Erkenntnis ihres Lebens mit folgenden Worten zusammen: «Wir können Gott nicht in der Theorie erleben. Deshalb führt er uns in schwierige Situationen, damit wir ihn dort erfahren.»
 

Datum: 03.11.2020
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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