René Portmann

«Ich habe dich nie vergessen»

Mit einer zerrissenen Kindheit schummelt sich René Portmann (57) durchs Leben und um die Welt – dies äusserst erfolgreich. Bis die grossen Sinnfragen den Spassfaktor ausschalten. Klar und deutlich vernimmt der heutige Jugendarbeiter Gottes Stimme – wie schon damals als kleiner Junge unter «seinem» Baum.

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René Portmann (Bild: Screenshot Youtube)
René Portmann ist keine Fünf, als seine Mutter die Familie verlässt und seine vier Geschwister mitnimmt. Er bleibt beim Vater allein zurück – und damit tagsüber weitgehend sich selbst überlassen. Der Fernseher wird ihm zum besten Freund. «Krimis sah ich am liebsten, speziell die Aufklärungssendung 'Aktenzeichen XY'», erklärt René. Der Junge schaut so genau hin, dass er sechsjährig profimässig in den Dorfladen einbricht. Es ist das erste von etlichen Delikten, darunter Diebstähle, später Waffenschmuggel und Hehlerei mit Luxuskarossen. Obwohl René in der Schule meist durch Abwesenheit geglänzt und sich durch die Ausbildung als Zimmermann gequält hatte, erweist er sich im Leben als schlauer Fuchs. Fast immer erreicht er sein Ziel und schafft es, im letzten Moment seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. 

Fernweh

In dem Süddeutschen schlummert die tiefe Sehnsucht nach fernen, exotischen Ländern. Nach zweifachem Pech in der Liebe, aber ganz viel Glück im «Geschäften», fliegt er eines Tages mit ein paar Freunden nach Thailand. Die Freunde reisen weiter – René bleibt. Das dicke Bankkonto ist ihm ein wunderbares Ruhekissen: Sun, Fun and nothing to do...

Er begegnet vielen Menschen und anderen Weltenbummlern. Auch einem jungen Mann aus Wien. René freundet sich mit ihm an und reist immer wieder in die Sissi-Metropole. Dort trifft er einflussreiche Leute aus einschlägigen Milieus, lässt sich selbst aber nichts mehr zuschulden kommen. Als Renés Liebschaft in Thailand auseinanderbricht, zieht er sich auf eine kleinere Insel zurück.

Knapp am Tod vorbei

Unterdessen ist René Portmann Anfang dreissig. Fragen nach dem Sinn des Lebens steigen in ihm auf. Wie durch ein Wunder überlebt er den Stich eines giftigen Stachelrochens. René erzählt: «Ich spürte, wie das Gift mir mein Leben aussog. Verzweifelt bat ich Gott, dass es noch nicht vorbei sein möge und er erhörte mich.» Dankbar beginnt René zu beten, setzt sich dafür regelmässig unter eine Palme.

Auch als kleiner Junge hatte er oft unter einem Baum gesessen und mit Gott gesprochen… René sieht sich in jene einsamen Stunden zurückversetzt: «Einmal fragte ich Gott, ob er mich denn sehen könne. 'Siehst du die Ameisen zu deinen Füssen? Genauso sehe ich dich', antwortete er mir, so, dass ich es mit meinen Ohren hörte.» Es war das erste von bisher fünf Mal, dass er Gottes Stimme so deutlich vernommen hatte.

Licht vom Himmel

Wieder einmal an seine Palme gelehnt, betet René eines Abends: «Lieber Gott. Ich bekenne dir alles, was ich verbrochen habe und bitte dich, dass du mir vergibst. Gott, ich kenne dich nicht und ob Jesus wirklich dein Sohn ist, weiss ich nicht. Aber wenn das alles stimmt, bitte ich dich, in mein Leben zu kommen.» – Worte mit Folgen. «Ich fühlte mich unglaublich leicht, war erfüllt von tiefem Frieden und dem Himmel sehr nah», sagt René. In einer Art Vision sieht er mit offenen Augen Himmelslicht, hört fremdsprachige Gesänge und ein Baby schreien. «Du bist das Kind, du gehörst mir und du bist neu geboren», vernimmt er kurz darauf eine feine, aber klare Stimme. «Noch nie in meinen Leben habe ich mich so erlöst gefühlt», fasst René das Geschehen zusammen. Er spürt, dass seine Zeit auf Phuket abgelaufen ist.

Nie allein

Zurück in Deutschland schafft er es fünf Jahre lang nicht, jemandem von seinem Erleben zu erzählen. Bis ihn ein Arbeitskollege mit in die Kirche nimmt. «Ich fühlte mich sofort zuhause», sagt René. Auch als er Kontakt zu seiner Familie aufnimmt, freuen sich alle über das Wiedersehen. 30 Jahre später, wieder unter dem Baum seiner Kindheit sitzend, vernimmt René Gottes Stimme erneut. Er erzählt: «'Gott, wo bist du?', habe ich ihn gefragt. Und eine sanfte Stimme über meinem Kopf sprach 'Ich war immer bei dir, ich habe dich nie vergessen.'»

Hilfe und Hoffnung

Heute ist René verheiratet, dreifacher Vater und als sogenannter Streetworker beim Jugendsozialwerk aktiv. Er coacht Teenager und Jugendliche, die er auf der Strasse aufsucht, in beruflichen und persönlichen Belangen. Auch führt er pädagogische Sporttrainings mit ihnen durch. Einmal habe René Gott gefragt, weshalb er so viele krasse Dinge in seinem Leben zugelassen hätte. «Damit du Licht in die dunklen Ecken dieser Welt bringen kannst», sei die Antwort gewesen. Kriminalität, Schulprobleme, familiäre Schieflagen, falsche Freunde und das Milieu – all dies ist René bestens vertraut. Wer, wenn nicht er, kann die Nöte der Jugendlichen verstehen? Wer, wenn nicht er, kann ihnen von der Hoffnung und dem Lebenssinn erzählen, den Jesus schenkt?

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Datum: 04.08.2020
Autor: Manuela Herzog
Quelle: jesus.ch-Print

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