Verlassen und missbraucht

Sie wollte bereits mit dem Leben abschliessen

Leah Andrades Kindheit ist alles andere als leicht: Sie wird von ihrer Mutter verlassen und von einem Familienfreund missbraucht. Als ihre Ehe scheitert, will sie sich umbringen. Doch dann erlebt sie eindrücklich, dass auch ganz am Ende Gott noch da ist. «Gott brauchte meine Tochter, um mein Leben zu retten.»

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Leah Andrade
Leah Andrade wächst mit ihren guatemaltekischen Eltern und einem jüngeren Bruder in Kanada auf. Doch ihre Eltern haben grosse Probleme und als Leah nur neun Jahre alt ist, verlässt ihre Mutter die Familie. Niemand erklärt ihr und ihrem Bruder die Situation, die beiden müssen es für sich selbst regeln. «In bestimmten Momenten war das echt ein Kampf. Zum Beispiel am Muttertag in der Schule war es echt hart. Bei einer Versammlung sollten alle Kinder ihre Mutter auf die Bühne bringen, um ihnen eine selbstgemachte Karte zu überreichen. Das war echt hart, denn ich hatte keine Mutter…» Sie beginnt, sich wie eine Mutter um ihren Bruder zu kümmern, damit er sich nicht so einsam fühlt wie sie.

Leahs Vater ist Pastor. Nachdem er von seiner Frau verlassen wird, fällt er in eine tiefe Depression und Leah sieht ihn immer wieder beten. Auch sie selbst sucht Trost bei Gott. «Als all das in unserem Leben passierte, war das einzige, was ich wusste, dass ich mich an Jesus wenden konnte, dass er treu ist und dass wir durch ihn alles schaffen können.»

Missbraucht

Doch wenige Jahre später kommt der nächste Schlag in ihrem Leben: Da ihr Vater in die USA gezogen ist, Leah aber für einige Zeit nach Kanada muss, organisiert der Vater, dass die mittlerweile 15-Jährige Leah bei einem Pastor in Kanada unterkommen kann. Doch dieser Pastor missbraucht das Mädchen sexuell. «Es zerriss mir das Herz. Alles, was ich sagen konnte, war: 'Warum, Gott? Ich suche dich, ich bete zu dir, ich bin dir treu… Warum lässt du das zu?' Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass nicht das 'Warum' wichtig ist, sondern das 'Weil'. Ich durfte Gottes Macht auch in dieser Zeit erleben.»

Der Plan

Trotzdem hinterlassen diese Erlebnisse tiefe Narben in Leah. Sie entfernt sich vom Glauben und von Gott. Als sie heiratet, beginnen schon bald die Probleme. Sie wird schwanger, die Ehe ist am Bröckeln und nach der Geburt ihrer Tochter fällt sie in eine postpartale Depression. «Ich dachte: Ich habe so viel durchgemacht, niemand interessiert sich für mich. Ich habe keine Mutter, mein Vater ist weit weg und diese Welt wäre besser dran ohne mich.» Sie weiss, dass sich die Grossmutter ihrer Tochter um das Baby kümmern würde – und plant ihren Selbstmord. Sie will die komplette Schachtel Antidepressiva zu sich nehmen.

«Eines Abends nach dem Stillen verabschiedete ich mich von ihr, betete für sie, nahm die Schachtel, öffnete sie, holte mir Wasser und als ich mir gerade die Handvoll Tabletten nehmen wollte, gab mein Neugeborenes einen Schrei von sich, so laut, dass ich vor Schreck die Tabletten fallen liess. Mit einem Mal klickte es in mir: Ich schrie zu Jesus, bat ihn um Vergebung und um Kraft… Ich glaube heute, dass Gott meine Tochter gebraucht hat, um mein Leben zu retten.»

Zurück zu Gott

Die nächsten Wochen sind nicht einfach. Die Situation ist nicht anders als vor ihrem Selbstmordversuch, aber sie weiss jetzt, dass Gott sie zu etwas Grösserem berufen hat. «Ich war am Tiefpunkt meines Lebens angelangt und genau das brachte mich zurück zu Gott.» In dieser Zeit betet sie sehr viel und rückt wieder näher zu Gott hin.

Heute ist Leah wieder verheiratet und hat drei Kinder. Sie durfte erleben, wie Gott ihr Leben in den vergangenen zehn Jahren Stück um Stück erneuert hat. «Gott ist treu! Und wenn wir glauben, dass wir es nicht schaffen und dass alles hier endet, dann ist Gott da. Wir müssen uns nur an ihn wenden und unser Vertrauen auf ihn setzen und glauben, dass wir es durch ihn schaffen.»

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Datum: 09.07.2019
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Jesus.ch / 100huntley.com

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