Gang-Gewalt

«Es gab einen bösartigen Geist des Mordes über unserer Stadt»

Gott sagte William «Blinky» Rodriguez, er solle den Mördern seines Sohnes vergeben. Doch im Gerichtssaal sah er sich 30 feindlichen gesinnten Gesellen aus dem verurteilten Bandenlager gegenüber – daraus entstand ein Dienst, der zahlreiche Leben gerettet hat...

Zoom
William Rodriguez
Es war niederschmetternd, zu erfahren, dass sein Sohn umgebracht worden war. Bei der Gerichtsverhandlung sass er dann gemeinsam mit seiner Frau 30 Jungs gegenüber, die sich aufführten, als hätte die Familie Rodriguez etwas falsch gemacht. «Doch unser Kampf ist nicht fleischlich», sagt William. «Wir haben uns dafür entschieden, zu vergeben.»

Am 30. Januar 1992 stand er vor der hasserfüllten Bande. Er wandte sich an das entsprechende Mitglied der Pacoima-Gang, das seinen 16 Jahre alten Sohn erschossen hatte: «David, wir vergeben dir, Mann. Du hast Sonny das Leben genommen, aber nicht seine Seele. Du hast es jetzt mit Gott zu tun.»

Zahl der Morde deutlich gesunken

Dieser Moment vor Gericht löste auch einen persönlichen Einsatz aus: Die nächsten Jahrzehnte widmete «Blinky» dem Einsatz gegen Bandengewalt in Los Angeles.

Heute können Sozialwissenschaftler den deutlichen Rückgang von Drive-By-Attentaten und anderen Vergeltungs-Massnahmen in Los Angeles nicht erklären; ausser hierbei auf die Gesetze und Sozialprogramme hinzuweisen. Mit ein Grund für den Rückgang dürfte die von ihm gegründete Organisation «Champions in Service» sein, die unter anderem Präventionsarbeit leistet.

Einst Kickboxer

Zoom
William «Blinky» Rodriguez
«Blinky» begann im Alter von 11 Jahren mit Kickboxen und mit 14 stieg er bei seinem Onkel als Arbeitskraft ein, dieser stellte Swimming-Pools her.

Er gewann mehrere Turniere und war unter anderem Teil der Nationalmannschaft. Zu Christus fand er während einem spanischen Gottesdienst in der Stadt San Fernando, obwohl er kein Spanisch sprach.

Zusammen mit seinem Schwager Benny «The Jet» Urquidez gründete er das «Jet Center Gym» in Hollywood, das unter anderem Ausbildung in Kampfkunst anbietet. Bald choreographierte er auch Stunts für Filme und besuchte die «Victory Outreach Church».

Der Mord

Dann wurde sein ältester Sohn Sonny von Pacoima-Gang-Mitgliedern angesprochen und gefragt: «Wo kommst du her?» Sonny wollte mit Banden nichts zu tun haben und sagte: «Nirgendwo.»

David Carmona (19) erschoss den Jungen auf der Stelle. Für diesen Mord wurde Carmona zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Zum Entsetzen des Staatsanwalts verzieh «Blinky» wie zu Beginn des Artikels beschrieben dem Mörder seines Sohnes vor Gericht und bat um Nachsicht für den Täter. «Er war ein Opfer der Umstände, unter dem Einfluss von Tequila», sagte Blinky. Und seine Frau Lilly stand der Mutter des Mörders bei, als sie sah, wie sie im Badezimmer des Gerichtsgebäudes zusammenbrach.

Der Dienst

Von nun an widmete sich Rodriguez der Prävention. Er knüpfte Verbindungen bei Banden und organisierte ein Treffen in einem Park in Los Angeles, um einen Waffenstillstand zwischen Gangs zu erwirken, welche die Stadt jeden Tag heimsuchten. «Es gab einen bösartigen Geist des Mordes über unserer Stadt», erinnert er sich.

1993 trafen sich «Boten» aus 76 Banden, hörten «Blinky» zu und willigten ein, den endlosen Zyklus der Bandenvergeltung zu beenden.

Wöchentliche Treffen

William lud zu wöchentlichen Treffen im Park, verkündete das Evangelium, organisierte Fussball-Turniere und trainierte Bandenmitglieder in seinem Fitnessstudio. Irgendwann erfolgte – durch ein verbittertes Bandenmitglied – wieder ein Akt der Gewalt. Doch weitgehend wurden die Bandenkriege nicht wieder entfacht.

In seinem Büro arbeiten heute 37 Sozialarbeiter, sie entfernen Tattoos, bieten Beratung an und helfen gefährdeten Jugendlichen eine Arbeitsstelle zu finden. Im vergangenen Sommer organisierte er ein Fussballturnier für Mara-Salvatrucha-Bandenmitglieder.

Für sein Engagement erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen der Stadt Los Angeles.

Zum Thema:
Den Glauben von William Rodriguez kennenlernen
Sephton Henry: Von der Bandengewalt zu einem Leben in Liebe
Aus dem Strudel der Gewalt: Jesus verändert die Herzen von Bandenmitgliedern
Völlig verändert: «Ich gehöre jetzt zur Jesus-Gang»

Datum: 29.04.2019
Autor: Michael Ashcraft / Daniel Gerber
Quelle: Godreports / gekürzte Übersetzung: Livenet

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige

RATGEBER

Psychiater Samuel Pfeifer «Ängste sollten das Leben nicht einschränken»
«Wenn ich bloss diese Angst nicht hätte!» Jeder Mensch hat Angst vor gewissen Dingen oder...