Von einer Vergewaltigung zur Adoption

Gott gibt einen positiven Neustart

«Wer bin ich?» Diese Frage trieb Marc Däppen um. Als Adoptivkind war er voller Fragen. Trotz guter Eltern blieb er innerlich leer. Erst durch die verändernde Liebe von Jesus erlebte er Sinn und Stabilität.

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Marc Däppen
Marc Däppen (43) wuchs in einer guten, intakten Familie auf. Er hatte eigentlich alles, was er brauchte, um glücklich zu sein. Dieses kindliche Glück nahm ein jähes Ende, als ihm seine Mutter im Alter von sechs oder sieben Jahren eröffnete, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist, sondern adoptiert sei.

Die Nachricht, ein Adoptivkind zu sein, war für Marc zerstörend. «Nach der Nachricht meiner Mutter floh ich in mein Zimmer und weinte.» In der Folge zog er sich innerlich von seinen Mitmenschen und auch seiner Familie zurück. «Ich dachte, dass niemand meine innersten Probleme verstehen würde», stellt Marc heute rückblickend fest.

Gottesbegegnung am Fenster

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Marc Däppen mit seiner Familie
Die Krise zog sich über Jahre hinweg. Mit guten schulischen Leistungen wollte er sich und seinem Umfeld etwas beweisen. Gleichzeitig wünschte er, für die Welt unsichtbar zu sein. Die inneren Spannungen wurden immer grösser und führten zu Schlafstörungen. 1991, inzwischen war er am Gymnasium, stand er verzweifelt vor seinem Fenster und sagte: «Gott, wenn es dich gibt, ich brauche dich!» Ein tiefer, bisher nie gekannter Friede durchströmt ihn. Er wusste sich plötzlich von Gott geliebt. Ein überwältigendes Gefühl. In der Folge konnte er endlich wieder durchschlafen.

Dann ging alles schnell. Jemand schenkte ihm ein christliches Buch, welches Marc verschlang. Beim Lesen fühlte er erneut Gottes Liebe. Dann folgte er der Einladung zu einer christlichen Veranstaltung. Dort entschied er sich für ein Leben mit Jesus. Das Gefühl der Freude war riesig und hielt ein halbes Jahr an. Es war wie ein Höhenflug.

Unzufrieden mit den Kirchen

Marc war ein begeisterter Bibelleser. Besonders das Buch des Propheten Jesaja wurde für ihn zur Quelle von Hoffnung und Freude. Diese Freude stand aber im Gegensatz zu seinem Erleben in der Gemeinde. Etwas mit den Kirchen schien Marc nicht in Ordnung. Irgendwie nahm er Gott und Kirche anders wahr als die meisten Christen. Einmal mehr fühlte er sich allein und unverstanden. Die Suche nach der eigenen Identität ging weiter.

Berufliche Orientierungslosigkeit

Nach dem Schulabschluss standen Marc alle Türen offen. Doch was sollte er tun? Das Soziologiestudium brach er nach fünf Monaten ab, genauso die anschliessende Kochlehre. Die Orientierungslosigkeit entwickelte sich zu einem ernsthaften Problem. Der lebendige Glaube an Jesus wich immer mehr einem «rationalen» Nachdenken über sein Leben. Ein christlicher Lebensberater riet ihm schliesslich zu einem Aufenthalt im Zentrum Seeburg in Iseltwald. In dieser Einrichtung zur beruflich-sozialen Rehabilitation kam Marc schliesslich zur Ruhe. Er blieb vierzehn Monate dort.

In dieser Zeit fand er zu einer ganz neuen Gottesbeziehung. Der Bibelvers aus Johannes, Kapitel 1, Vers 12 wurde zu einem Schlüssel für ihn. Die Bibel sagt aus, dass alle, die Jesus in ihr Leben aufnehmen, Kinder Gottes sein dürfen. Und dies ganz unabhängig von Herkunft oder Leistung. Aus dieser Erkenntnis erwuchs eine innere Stabilität, die sich in verschiedensten Bereichen seines Lebens ausdrückte. Erfolgreich absolvierte er eine Lehre zum Geomatiker. Und er fühlte, dass es Zeit war, seine leiblichen Eltern ausfindig zu machen.

Kontakt mit seiner leiblichen Familie

Es dauerte nicht lange und er lernte am Telefon seinen Halbbruder kennen. Dieser wusste überhaupt nichts von Marcs Existenz. Die beiden waren aber begeistert darüber, dass sie beide im selben Jahr zu einem lebendigen Glauben an Jesus gefunden hatten. Das Treffen mit seinem Halbbruder war für Marc sehr aufregend. Nie zuvor hatte er einen blutsverwandten Menschen getroffen. Sein Halbbruder hatte von ihrer Mutter in der Zwischenzeit auch Informationen über Marc eingeholt...

In den Siebzigerjahren war Marcs Mutter mit ihrem damals fünfjährigen Sohn in die Schweiz gekommen. Sie brauchte etwas Distanz zu ihrem damaligen Ehemann. Während dieses Aufenthalts wurde sie von einem Neffen vergewaltigt. Bei dieser inzestuösen Vergewaltigung wurde Marc gezeugt.

Gott schenkt Neuanfang

Um seine Mutter persönlich zu treffen, reiste Marc für eine Woche nach Spanien. Durch die Zeit mit ihr kam er innerlich zur Ruhe. Doch jetzt fühlte sich Marc plötzlich zwischen seiner biologischen Familie und seiner Adoptivfamilie hin- und hergerissen. Er merkte dann aber, dass seine Adoptivfamilie für ihn zählte. Schliesslich war sie immer seine Familie gewesen.

Eine befreundete Familie veranstaltete eine Segnungsfeier für ihr zweites Kind. Hierzu kamen drei Generationen zusammen. «Dieses Bild brannte sich tief in mein Herz», erinnert sich Marc. «Ich sah eine Familie auf der Lichtseite des Lebens. Alle Angehörigen standen in intakten Familien und fest im Leben. Und sie alle glaubten an Jesus.» Während Marc erzählt, ist eine Begeisterung spürbar. «Während dieser Segnungsfeier erwachte in mir der feste Glaube, dass ich der Anfang einer positiven Erblinie sein darf. Ein Segen soll von mir zu meinen Kindern weitergehen. Und dann von ihnen zu deren Kindern.» Egal, wie Marc entstanden war und woher er letztlich kommt: Gott hat etwas Neues mit ihm begonnen.

Heute lebt Marc in Spiez, ist mit Rosmarie glücklich verheiratet und Vater von drei Kindern.

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Datum: 23.08.2017
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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