Stärken machen glücklich

Auch Humor gilt als Charakterstärke

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Möchten Sie mit einem Online-Training Ihren Charakter stärken? In Zürich erklärte der Psychologieprofessor Willibald Ruch, was er unter «Charakter» versteht und wie man ihn weiterentwickeln kann.

Willibald Ruch ist Professor für Persönlichkeitspsychologie an der Universität Zürich. Er hat über 200 wissenschaftliche Arbeiten zu den Bereichen Humor, Lachen, Heiterkeit, positive Emotionen und Persönlichkeit erstellt. Man könnte ihn auch einen Glücks-Professor nennen.

Den Charakter neu entdeckt

Die Psychologie hat den «Charakter» wieder entdeckt, erklärte Ruch an einer vom Institut für Psychologie der Uni Zürich (Prof. Guy Bodenmann) organisierten Tagung am 26. August. Er präsentierte in Zürich eine Aufstellung von sechs Tugenden und 24 Charakterstärken, welche die Forscher Seligmann und Peterson 2004 publiziert hatten. Die sechs Tugenden sind: Weisheit/Wissen, Mut, Liebe/Humanität, Gerechtigkeit, Mässigung und Transzendenz. Sie wirken wie eine säkulare Form der im Galaterbrief der Bibel aufgeführten «Früchte des Geistes». Zu den 24 «Charakterstärken» zählen zum Beispiel Kreativität, Tapferkeit, Vergebungsbereitschaft, Dankbarkeit, Selbstkontrolle, Spiritualität/Glaube und Hoffnung. Auch hier ist die Analogie zu neutestamentlichen Tugenden und Werten evident.

Wunderkinder und Habenichtse

Laut Professor Ruch sind die Charakterstärken die Basis für ein gutes Leben, und zwar für die anderen wie auch für mich selbst. Wenn jetzt jemand Angst haben sollte, durch solche Charakterstärken aufzufallen, beruhigt ihn Ruch: «Das Zeigen einer Stärke durch eine Person stellt die Personen in der Umgebung nicht in den Schatten!» Ruch hat aber auch festgestellt, dass es einerseits «Wunderkinder» gibt, die schon früh erstaunliche Charakterstärken zeigen, aber auch Menschen, «die nicht einmal einen Ansatz von Stärke besitzen».

Ruch geht ganz wissenschaftlich vor. Er hat eine Methode entwickelt, wie die Stärken nicht nur gemessen, sondern auch weiterentwickelt werden können. Dazu stellt er die Webseiten charakterstaerken.org und staerkentraining.ch zur Verfügung.

Psychologie zum Wohl der Menschen

Willibald Ruch ist ein Vertreter der Positiven Psychologie, die nicht nur psychologische Forschung betreibt, sondern diese auch zum besseren Leben nutzen will. Demgemäss führt der bewusste Einsatz der eigenen (Charakter-)Stärken nicht nur zur besseren Lebenszufriedenheit, sondern steigert diese auch bei Kollegen, in Schule und Arbeitsplatz und natürlich in Familie und Partnerschaft. Ausserdem stärken sie laut Ruch auch das ethische Verhalten. Die höchsten Auswirkungen hat laut Erhebungen die «Hoffnung», während Bescheidenheit den letzten Platz einnimmt. Humor, die Fähigkeit zu lieben, Dankbarkeit und Vergebungsbereitschaft nehmen ebenfalls einen hohen Stellenwert ein.

Eltern und Kinder

Willibald Ruch hat auch Eltern befragt, welche Charakterstärken sie sich bei ihren Kindern wünschen. An der Spitze stehen hier Bindungsfähigkeit, soziale Intelligenz, Ehrlichkeit und Freundlichkeit. Aber auch Humor, Fairness, Dankbarkeit und Neugier. Sie liegen noch über der Intelligenz. 14 von 24 Charakterstärken sind den Eltern für ihre Kinder wichtiger als Intelligenz oder gutes Aussehen.

In Partnerschaften

In Partnerschaften wünscht man sich vom anderen vor allem Authentizität, das heisst, zum Beispiel, gegenseitiges Vertrauen, auch bei der Kindererziehung. Aber auch Bindungsfähigkeit, Humor und soziale Intelligenz. Die Bindungsfähigkeit hat bei Partnerschaften oberste Priorität, Spiritualität die niedrigste. Und dies, obwohl Stärken wie Hoffnung, Dankbarkeit und Vergebungsbereitschaft eine hohe Wertschätzung haben. Aber dies wird von den Befragten offensichtlich nicht mit Spiritualität in einen Zusammenhang gebracht.

Wie Menschen «blühen und gedeihen»

Das Fazit von Willibald Ruch aus seinen Forschungen lautet: Menschen, die blühen und gedeihen (glückliche Menschen), setzen ihre Stärken in den Bereichen Beruf, soziales Umfeld, Ausbildung, Freizeit und in der Partnerschaft ein. Sie erleben, gerade in Partnerschaften eine «Aufwärtsspirale» an Lebenszufriedenheit.

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Datum: 30.08.2016
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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