Farbiges Kloster in Rumänien

Doku: Nonnen beim Restaurieren und Eierfärben

Zoom
Sucevita (Bild: Wikipedia)
Schnee-Gestöber, Tannen, ein rumänisches Kloster wird herangezoomt, und schlussendlich ruht das Auge auf einem Meer von mittelalterlichen Fresken. Einerseits zeigt der Film emsige Nonnen bei ihrem weltbekannten Handwerk von Bild-Restaurierungen und andererseits die Ruhe, in welcher sie in ihrem Tages-Rhythmus mit Gebet und Gesang leben.

In «Sucevita: Rumäniens schönste Klosterfresken» soll es ein Schwerpunkt bleiben, der uns inspirieren könnte: das langatmig getaktete Leben mit Gebetszeiten, Gesängen und Gemeinschaft. Andererseits ist da die religiöse Kunst, wie sie die Nonnen täglich pflegen und sich voll in sie hineingeben. Die Frauen nehmen sich Zeit für ihr Handwerk, für sich selber und für ihren Heiland, Christus. Hier können wir, in unseren Zeiten der Zerstreuung, lernen, uns auf etwas ganz und mit Tiefe zu fokussieren – eine Haltung, die wir wieder entdecken könnten.

Genauso ist die Doku ein Schnuppern am orthodoxen christlichen Glauben der Ostkirche.

Kloster als Schutz von Heiligtümern

Die Schätze der Region Nord-Rumäniens sind Klöster aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Durch Kriege zwischen Muslimen und orthodoxen Christen, wurden sie auch zu Festungen, welche die Heiligtümer vor dem Feind schützen mussten. Und da begegnet man den speziellen Kirchen und Kapellen mit den lebendigen Fresken, die nicht nur innen zu finden sind, sondern auch die ganzen Aussenfassaden bedecken.

Der Kamera gelingt es, dem Zuschauer den besonderen Rhythmus der Schwestern inklusive dreistündiger Gottesdienste nahe zu bringen. Täglich beginnt der neue Morgen der 80 Nonnen mit dem matten Klang der Toaca – einem Holzbrett, das von einer Schwester getrommelt wird und das Gebet ankündigt.
Gebet steht absolut im Mittelpunkt, es ist das Wichtigste im Leben der Nonnen.

In Ikonen kann Gott wohnen

Dann blickt der Film in die grosse Werkstatt. Die Klosterfrauen sind auf Restaurierungen spezialisiert und dafür weltweit bekannt. Sie haben nicht nur Theologie, sondern auch das Pflegen kulturellen Erbes studiert. Besonders ikonische Bilder werden aufgefrischt. Sie seien anders als Kirchengemälde und führten geradewegs zu Christus, so erzählt eine Schwester; und sie dienten vor allem den inneren Werten, der Spiritualität, dem Berühren des Unsichtbaren.

Auch Stickereien der Priestergewänder werden kunstvoll hergestellt und erneuert. Dies hilft auch für den Lebensunterhalt.

Kunst und Kloster

Doch weit grössere Berühmtheit hat «die Stufenleiter der Tugenden», die auch viele Touristen anzieht. Die höchste Stufe erreicht man mit dem sogenannten Herzensgebet, das eine permanente Verbindung mit Gott darstellt und eine göttlich inspirierte Form ist. Eine Legende sagt, dass der edelste Mönch schlussendlich doch auch von der Leiter gefallen sei – durch Arroganz und Egoismus. Die oberste Stufe zu erreichen, scheint fast unmöglich.

Die Gebäude sind imposant. Es gibt keinen Quadratzentimeter, der nicht mit einer Freske bedeckt wäre. Christus hat einen zentralen Platz, aber erstaunlicherweise haben auch die grossen griechischen Philosophen wie Pythagoras, Aristoteles und andere ihre Rolle hier. Sie seien Vorreiter der christlichen Gläubigen gewesen.

Mit einer äusserst speziellen Maltechnik wurden die farbigen Wandgemälde gestaltet; die mineralischen und pflanzlichen Farben wurden direkt mit dem Putz vermischt.

Eierfärbende Klosterfrau

Aber auch eine Dorfbewohnerin, die filigran Eier bemalt, wird vorgestellt. Der Zuschauer begleitet die Handmalerei und staunt, wie die vielfarbigen Kunstwerke durch Farbbäder und viele Pinselstriche entstehen. Auch ihr Ostergewand wird bereit gemacht. Stolz und irgendwie lieblich trägt sie ihre traditionelle Tracht an Ostern und sticht bei den meist modern gekleideten Gottesdienstbesuchern heraus.

Lediglich einfarbig rot sind die 1'500 Eier gefärbt, welche die Nonnen herstellen. Rot symbolisiert das vergossene Blut Jesu. Man spürt es förmlich, wie nahe diese Symbolik kommt, wenn die Schwestern die Eier in die blutrote Farbe eintauchen und weiter bearbeiten.

Nach dem Winter die Auferstehung

Ostern ist in den Kirchen des Orients bekanntlich der Höhepunkt und wird mit Prozessionen und Abendmahl gefeiert. Es ist eine sehr reiche Feier, die bis in den frühen Morgen dauert, um drei Uhr ist man noch voll dabei.

An diesem Wochenende gibt es das erste Essen nach dem Fasten, Frühling nach Winter und Ostern nach Karfreitag. Dann, mit der Verteilung der 1'500 blutroten Eier, gibt es ein weiteres Glanzlicht – es ist ein Zeichen der Liebe und des Friedens.

Wie an einem Konzert, trommeln am Ostersonntag die Schwestern auf Metall- und Holzgebilden und erzeugen archaisch-musikalische Klänge; ja, sie trommeln die Gläubigen zusammen. Die Osterfreude wird den ganzen Tag mit dem Ruf «Christus ist auferstanden!» zum Ausdruck gebracht.

Und immer wieder kommt das Gebet, vor jedem Essen – über  allem steht das Gebet. Die gelebte Orthodoxie heisst hier alle willkommen. Dies sieht man eindrücklich am Ostersonntag.

Kommentar:

Der Film lässt einen in eine besondere Welt eintauchen. Die Hingabe der fleissigen Nonnen für Arbeit und Spiritualität ist eindrücklich. Und der orthodoxe Glaube hat nebst speziellen Schwerpunkten auch Verbindendes, wie die zentrale Rolle von Christus und dem Gebet.

Auch wenn kritische Töne nicht fehlen und beispielsweis die Schluss-Einstellung weniger gelungen ist, gibt die Doku doch eine sachliche, eindrückliche und bildgewaltige Geschichte wieder.

Hier können Sie den 43minütigen Film aus dem Jahr 2018 ansehen.

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Datum: 11.02.2021
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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