Neue SEA-Jugendbeauftragte

Jaël Binggeli: «Wir sollten gemeinsam an einem Strick ziehen»

Seit Anfang August ist die 25-jährige Bernerin Jaël Binggeli die Ansprechpartnerin bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) für die unterschiedlichsten Anliegen der Jugend in den Kirchen. Wer ist die neue Jugendbeauftragte? Livenet lud sie zum Gespräch ein.

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Jaël Binggeli (Bild: Livenet)
Livenet: Jaël Binggeli, wollen wir einander «du» sagen? Wir werden ja in nächster Zeit vermehrt miteinander zu tun haben…
Jaël Binggeli: Ja klar.

Du hast auf diesen Sommer hin die Aufgabe als Jugendbeauftragte bei der SEA übernommen, nachdem dein Vorgänger Andi Bachmann-Roth neu zum Generalsekretär berufen wurde. Wie war dein Start?
Durch die Einschränkungen wegen der Coronakrise war die Anfangszeit natürlich etwas speziell. Schon in der Lockdown-Zeit war ich an einigen Online-Meetings dabei. Das erleichterte mir jetzt auch den offiziellen Start im Büro in Zürich, da ich schon einige Kontakte aufbauen konnte. In der ersten Phase geht es sicher darum, die Verantwortlichen der verschiedenen Jugendprojekte und -verbände kennenzulernen.

Bei diesem gegenseitigen Kennenlernen helfen wir gerne etwas mit. Deshalb die Frage an dich: Wer bist du?
Ich bin 25 Jahre alt und wohne in Zollikofen in einer Hausgemeinschaft. Beruflich war ich die letzten Jahre im sozialpädagogischen Umfeld tätig. Die letzten vier Jahre studierte ich berufsbegleitend Sozialpädagogik an der Höheren Fachschule icp. Die ersten drei Jahre (inkl. Vorpraktikum) arbeitete ich in einem Kinder- und Jugendheim. Die letzten zwei Jahre arbeitete ich beim Blauen Kreuz BE-SO-FR in der Suchtprävention und war viel in Schulen und an Events unterwegs.

Ich bin sehr aktiv in der BewegungPlus in Burgdorf. Aktuell bin ich in der Gottesdienstleitung und in der Frauenarbeit tätig. Früher war ich Jugendleiterin und wir haben in dieser Region zusammen mit Campus für Christus den Upgrade-Jugendgottesdienst aufgezogen. Dort habe ich erlebt, dass es manchmal ein «Geknorze» sein kann, bei einem Projekt, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Mein Herzschlag ist klar, dass wir als Christen gemeinsam an einem Strick ziehen.

Dann passt du bestimmt gut zur Schweizerischen Evangelischen Allianz. Ihr Motto ist ja «Gemeinsam besser!»
Das hat mich auch sofort an dieser Stelle begeistert. Ich bin überzeugt, dass wir als ganzer Leib Jesu zusammenhalten sollten. So können wir mehr bewirken, als wenn jede Kirche nur für sich schaut.

Du hast ein Studium in Sozialpädagogik als Grundlage. Heisst das, dass du auch andere Schwerpunkte setzen wirst als dein Vorgänger, der eher einen theologischen Background mitbrachte?
Meine sozialpädagogischen Erfahrungen bei der Begleitung von Jugendlichen werde ich nach Möglichkeit gerne einbringen. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass ich lokale Jugendarbeiten vielleicht als Beraterin oder Mediatorin unterstützen kann, wenn es mal zu Streitigkeiten unter Jungen kommen sollte. Eine meiner Stärken ist sicher, dass ich Konflikte managen und mit Meinungsverschiedenheiten und Krisensituationen umgehen kann. Wo ich dies als Jugendbeauftrage konkret einsetzen kann, wird sich weisen. Die Jungen und ihre Bedürfnisse zu verstehen, wird mir bestimmt in vielerlei Hinsicht helfen.

In welchen Projekten möchtest du dich konkret in der nächsten Zeit investieren?
Ein erstes Projekt, auf das ich mich schon sehr freue, ist der Anlass «Gottwärts» Ende August, der trotz Corona stattfinden kann. Die Jugendallianz trägt diese überkonfessionelle Pilgerwanderung von Flühli Ranft nach Einsiedeln mit. Bei «Gottwärts» werden zirka 60 Personen miteinander pilgern, was natürlich eine tolle Gelegenheit ist, einige Jugendliche und Jugendleiter kennenzulernen. Ich freue mich, auch mit der Jugend aus der katholischen Kirche unterwegs zu sein.

Weitere Projekte, bei denen ich sicher mitlaufen und erste Erfahrungen sammeln werde, sind das Praisecamp, das ja auf digitalen Kanälen durchgeführt wird (Livenet berichtete) oder das Newleaders, eine Jugendkonferenz auf St. Chrischona. Ich verstehe mich als Dienstleisterin für diese verschiedenen Teams, die für die Jugendlichen coole Programme auf die Beine stellen.

Wie lautet dein Lebensmotto?
Im WhatsApp bei mir steht «You never break your promises!» Ich habe in meinem Leben erlebt, dass Gott vertrauenswürdig ist. Er bricht sein Versprechen nie. Ich bin eine Person, die eigentlich gerne plant, habe aber oft erlebt, wie die Pläne über den Haufen geworfen wurden. Dennoch ist es immer gut gekommen! Deshalb mein Statement «You never break your promises!»

Hast du einen Lieblingsvers?
Ein Vers, der mich sehr motiviert, steht im Matthäus-Evangelium, Kapitel 6, Vers 33: «Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.» Ich will mich auf das Ewige ausrichten, da alles andere vergänglich ist. Verbunden mit dem Versprechen, dass Gott einen so mit allem versorgen wird, ist das doch mega motivierend. Diese Basis hilft mir, auch etwas die Kontrolle abgeben zu können. Gott soll mich unterbrechen oder in eine andere Richtung lenken können.

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Datum: 14.08.2020
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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