Enthüllungsjournalist wird 70

Hans Leyendecker: «Gottvertrauen ist mein Puls»

Viele kennen den Journalisten nicht mit Namen. Doch die meisten haben von den Skandalen gehört, die er im Laufe der Jahrzehnte mit aufdeckte. Hans Leyendecker ist einer der profiliertesten Enthüllungsjournalisten Deutschlands. Er ist der aktuelle Kirchentagspräsident. Und er ist gerade 70 Jahre alt geworden.

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Hans Leyendecker
Leyendeckers Präsidentschaft des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2019 in Dortmund ist dabei kein «Ausrutscher». Der Journalist äussert sich bereits seit längerem positiv zum christlichen Glauben und betont dabei immer wieder seine eigene Beziehung zu Gott.

Aufgedeckt – Skandale unter der Lupe

Bereits früh in seiner Karriere spezialisierte sich Leyendecker auf investigative Berichterstattung. So deckte er 1982 in der Spiegel-Titelstory «Wohin flossen die Flick-Millionen?» den Parteispendenskandal um die Politiker Hans Friedrichs und Otto Graf Lambsdorff auf, die sogenannte Flick-Affäre. Er berichtete über milliardenschweren Betrug bzw. Korruption unter anderem bei Siemens und Volkswagen. Und er enthüllte als Leiter eines journalistischen Netzwerks im Auftrag der Süddeutschen Zeitung die sogenannten «Panama-Papers». Seine Motivation war dabei nach eigenen Angaben nicht Sensationsgier, sondern «herauszufinden, wie etwas wirklich ist – und ich glaube, auch ein Stück Gerechtigkeit. Wenn jemand gegen die Würde eines Menschen verstösst, beispielsweise Waffenhandel: Das waren Geschichten, die ich am liebsten gemacht habe.» So erklärte es Leyendecker gegenüber dem Deutschlandfunk.

Ausgesagt – Gottvertrauen als Puls

Der streitbare Journalist schreibt auch mit seinen 70 Jahren noch, doch die Leitung des Investigativressorts der Süddeutschen Zeitung gab er 2016 ab. Dafür setzt er sich seit 2017 als ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Kirchentags an prominenter Stelle für christliche Inhalte ein, denn Glauben nimmt Leyendecker sehr persönlich: «Mit allen Warum-Fragen, die es gibt, wenn Schicksalsschläge da sind, wenn Krankheiten da sind. Aber ich habe grosses Gottvertrauen. Und der alte Satz, dass 'Gott mich hält', der trägt mich auch.» Das erklärte er im Interview der Westfalenpost. An anderer Stelle verglich er seinen Glauben gar mit dem Pulsschlag: «Für mich war Gottvertrauen immer mein Puls.»

Ausgezeichnet – Kirche im Blick

Ursprünglich sollte Frank-Walter Steinmeier Kirchentagspräsident werden, doch dieser gab das Amt nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten zurück. Als Leyendecker angefragt wurde, war seine erste Reaktion: «Nein, das traue ich mir nicht zu. Das ist ein zu grosses Amt … Aber am Ende habe ich 'Ja' gesagt und ich bin jetzt sehr glücklich, das gesagt zu haben» (Westfalenpost). Hans Leyendecker hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten: sie reichen vom «Aufrechten Gang» über den Henri-Nannen-Preis bis zum Titel «Journalist des Jahres», den er 2015 für sein Lebenswerk bekam. Doch die Kirchentagspräsidentschaft ist «für mich […] die grösste Ehre und Auszeichnung von allen, die ich bekommen habe». Leyendecker hat mit seiner Frau seit 1975 an jedem Kirchentag teilgenommen. Diese Veranstaltungen waren dabei so etwas wie eine «Tankstelle» für sein Leben. Und jetzt hilft er, damit andere tanken können. Gegenüber dem Medienmagazin pro beschrieb er sein Selbstverständnis: «Ich bin ja auch kein Theologe, ich bin Journalist. Ich bin Christ, der gern in der Bibel liest. Ich habe die Kompetenz eines gläubigen Laien.» Und er wünscht sich als Ergebnis des Kirchentags Vertrauen, Verbesserung und Versöhnung für die Welt.

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Datum: 15.05.2019
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet / promisglauben.de

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