Die evangelische Mitte

Kirchen schöpfen Kraft aus der Auferstehung

Die Kirche ist herausgefordert, in dieser Krisenzeit ihren Auftrag zu überdenken. Sie muss kreative Wege finden, um ihrer Aufgabe trotz Einschränkungen gerecht zu werden. Genau darin liegen auch Chancen. Das sind Resultate einer Umfrage und einer digitalen Konferenz vom Dienstag.

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Stefan Schweyer während der digitalen Konferenz
Wie gehen die evangelischen Landes- und Freikirchen in der Deutschschweiz bis heute mit der Corona-Situation um, und wie sehen sie die Zukunft? Ein Thinktank mit 60 Kirchenverantwortlichen, wegen der Corona-Einschränkungen kurzfristig als digitale Konferenz durchgeführt, setzte dazu am Dienstag ermutigende Impulse und vermittelte aufschlussreiche Einsichten.

Die Mitte der Kirche ist nicht Corona ...

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Ein Statement von Prof. Dr. Stefan Schweyer, einem der Referenten, fasst die vielfältigen Impulse der Veranstaltung gut zusammen: «Corona ist zwar in der Mitte der Kirche angekommen, aber Corona ist nicht die Mitte der Kirche. Die Mitte ist Jesus Christus, das Evangelium.» Denn, so Schweyer: «Die Kirche dreht sich nicht um Corona, sie dreht sich um ihren Herrn. Sie steht und fällt nicht mit ihren Schutzkonzepten. Sie steht und fällt mit dem Evangelium.»

Die Götter Baal und Mammon entlarven

Die Kirche werde daher nicht wie die Gesellschaft die Gesundheit oder das nackte Überleben als obersten Wert anerkennen. Ebenso wenig zwischen Gesundheit und Wirtschaftsinteressen abwägen. Oder biblisch gesagt: Zwischen Baal und Mammon. Die Kirche müsse vielmehr in prophetischer Kritik Baal und Mammon entlarven. Schweyer: «Hauptsache reich und Hauptsache gesund sind beides Maximen, die uns Menschen und unsere Gesellschaft kaputt machen.» Sowohl Lebensdauer wie Gesundheit seien «eine unverdiente Gnade und Gabe Gottes». Daraus folgerte der Professor für Praktische Theologie an der STH Basel: «Aus dieser Zuversicht, aus der Hoffnung auf die Auferstehung aus den Toten, aus der Freude am Evangelium wird auch das konkrete Handeln der Kirche erwachsen. ... Entscheidend wird sein, aus welcher Quelle die Kirche schöpft und worauf sie hinweist.»

Hier können Sie das Referat von Prof. Stefan Schweyer in voller Länge als Youtube-Video anschauen:

Antworten aus rund 250 Kirchgemeinden

Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA hatte zuvor vom 23. September bis 20. Oktober Kirchenleiterinnen und -leiter zur Corona-Pandemie befragt. Dabei kamen bei allen Herausforderungen auch positive Begleiterscheinungen zum Ausdruck: die Stärkung des persönlichen Glaubens der einzelnen Kirchenmitglieder, des sozialen Engagements der Kirche sowie der Solidarität innerhalb der Gemeinschaft. Auf der anderen Seite nennen die Befragten ähnlich häufig negative Auswirkungen wie den Rückgang der Besucherzahlen, Spannungen in der Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von verschiedenen Informationen zur Pandemie oder das Sichtbarwerden einer Konsummentalität in der Kirche. 

Weiter zeigt sich, dass sich die Kirchen im Frühling schnell und auf kreative Weise auf die neue Situation eingestellt hatten: Anstelle der Präsenz-Gottesdienste entstanden neue Formen von Verkündigung und Austausch. So übertrugen rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer ihre Gottesdienste über Livestream, andere führten Gottesdienste als Videokonferenz durch oder verbreiteten Kurzandachten über Chats. Vermehrt gab es nachbarschaftliche Hilfsprojekte vor Ort, persönliche Gespräche per Telefon und Treffen in kleinen Gruppen.

Gute Verfassung, stabile Spenden

Die befragten Kirchenverantwortlichen bezeichnen die allgemeine Verfassung sowohl der Kirchenmitglieder als auch der -leitung überwiegend als gut, zum Teil sogar als sehr gut. Erfreulich ist auch, dass die Spendeneingänge 2020 bei fast der Hälfte der Kirchen im Vergleich zum Durchschnitt früherer Jahre stabil ist. Jede zehnte Kirche berichtet von einer Zunahme, jede vierte von einem Rückgang.

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Datum: 28.10.2020
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet / SEA

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