Starke Zunahme in Argentinien

Evangelische in elf Jahren von 9 auf 15 Prozent gewachsen

Eine offizielle Volkszählung zeigt, dass heute 15,3 Prozent der Einwohner in Argentinien evangelisch sind. Ausserdem verzeichnen sie den höchsten Kirchenbesuch.

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Taufe in Argentinien
Die argentinische Regierung hat jetzt die offziellen Zahlen der zweiten nationalen Untersuchung über Glauben und Religionsverhalten veröffentlicht, in der sie die relgiöse Entwicklung der Bevölkerung in den letzte elf Jahren untersucht. Danach hat die Anzahl der Menschen, die sich als evangelisch bezeichnen, seit 2008 von 9 Prozent auf 15,3 Prozent zugenommen. Der Anteil der katholischen Kirche ist im gleichen Zeitraum von 76,5 Prozent auf 62,5 Prozent zurückgegangen. In den 1960er Jahren waren noch über 90 Prozent der Argentinier katholisch. Deutlich zugenommen haben seit 2008 allerdings auch die Bürger, die sich mit keiner Religion identifizieren (von 10 auf 18,9 Prozent).

Misstrauen gegenüber Institutionen ...

«Die Untersuchung zeigt, dass immer noch etwa 80 Prozent an Gott glauben, aber wir leben in einer Zeit des Misstrauens gegen Institutionen – eine Tatsache, die auch religiöse Organisationen betrifft», sagte der Soziologe Fortunato Mallimaci, Leiter der Forschungsgruppe, die von der Regierung beauftragt worden war. «Darum geben etwa 60 Prozent der Gläubigen an, dass sie ihre Beziehung zu Gott privat leben, und nur 30 Prozent besuchen eine Kirche.»

Die Untersuchung sprach auch kontroverse Themen wie die Abtreibung an. Während in der Bevölkerung allgemein 27,3 Prozent glauben, dass Frauen ein Recht auf Abtreibung haben, sind nur 18 Prozent gegen das Töten ungeborener Babies unter allen Umständen. Unter den Katholiken sind die Zahlen sehr ähnlich, während Evangelische deutlich mehr «pro Life» sind: Nur 7,3 Prozent bezeichnen sie als Recht der Frauen und 40 Prozent sind grundsätzlich gegen Abtreibung.

… aber immer noch eine christliche Kultur

Trotz der Privatisierung des Glaubens bleibt Argentinien ein Land mit christlicher Mehrheit. 82,9 Prozent zeigen eine «Verehrung von Jesus Christus», 81,9 Prozent glauben an Gott und 75,9 Prozent an den Heiligen Geist. Allerdings sind alle drei Zahlen seit 2008 zurückgegangen.

Die Tatsache, dass sich Menschen in Argentinien mit dem katholischen oder evangelischen Glauben identifizieren, heisst nicht, dass sie auch regelmässig in die Kirche gehen. Nur 43 Prozent besuchen die Messe oder den Gottesdienst «zu besonderen Gelegenheiten», und 29,6 Prozent gehen nie in die Kirche. Von den Evangelischen besuchen 55,3 Prozent regelmässig den Gottesdienst, während der Kirchenbesuch bei den Katholiken bei 25 Prozent liegt.

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Datum: 28.11.2019
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Evangelical Focus / übersetzt und bearbeitet von Livenet

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