ISIS kehrt zurück

Vikar von Bagdad: «Sie scheinen stärker als zuvor zu sein»

Die UN warnt vor einer tickenden Zeitbombe und Andrew White («Der Vikar von Bagdad») sagt: «Sie scheinen stärker als zuvor zu sein.» Sowohl im Irak wie auch in Syrien nahmen die Angriffe durch ISIS in den vergangenen Monaten wieder zu.

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Andrew White
Durch die Coronakrise ist der Islamische Staat (ISIS) aus dem Blickfeld verschwunden, zumal die territorialen Niederlagen der Gruppe vor rund drei Jahren erheblich waren. Doch nun flammen die tödlichen ISIS-Angriffe wieder auf. Laut den Vereinten Nationen werden in Syrien wieder täglich Menschenrechtsverletzungen und tödliche Angriffe verübt.

«Es ist eine tickende Zeitbombe, die nicht ignoriert werden darf», sagt die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet. Im April wurde 35 Zivilpersonen umgebracht, sieben mehr als im März. Gezielte Tötungen und Bombardierungen geschehen in verschiedenen Landesteilen.

«Stärker als vorher»

Auch im Irak wurde in der vergangenen Woche eine Reihe Anschläge durch ISIS-Verbündete verübt. In den Provinzen Diyala und Salahuddin wurde Sicherheitspersonal getötet und Teile der Stromversorgung zerstört.

«Durch all die Nachrichten über das Coronavirus findet die Krise im Irak kaum Erwähnung», beobachtet Andrew White, ein anglikanischer Vikar, der jahrelang in Bagdad im Einsatz gewesen war.

«Viele Menschen sind durch Gewehrfeuer und Mörser getötet. Die traurige Tatsache ist, dass ISIS wieder da ist», schreibt er in einem Facebook-Post. «Einige befreundete Politiker sagen, es sei, als ob ISIS auf Steroiden zurückkehren würde. Sie scheinen jetzt stärker als je zuvor zu sein. Wir brauchen ernsthafte Gebete, dass die Ordnung wiederhergestellt wird. Die Lage ist wirklich zum Verzweifeln.»

«Sie werden bald Bagdad angreifen»

Die Angriffe lassen befürchten, dass die militante Gruppe wieder an Kraft gewinnen kann, da die Regierungen ihre Ressourcen für den Kampf gegen die Verbreitung von Covid-19 einsetzen müssen.

Seit der Islamische Staat Ende 2017 grossflächig an Land verloren hatte, kam auch die Fähigkeit abhanden, gross angelegte militärische Operationen durchzuführen.

«Das ist eine echte Bedrohung», sagt Qubad Talabani, der stellvertretende Premierminister der nordkurdischen Region des Irak. «Sie mobilisieren und töten uns im Norden, und sie werden bald Bagdad angreifen.»

Einer der Angriffe erfolgte in der Stadt Mukashifa, einer mehrheitlich sunnitischen Stadt, die an einer Strasse liegt, die Bagdad mit Tikrit verbindet. Die Stadt liegt nordwestlich der Stadt Samarra, die nicht nur eine Pilgerstätte für Muslime beherbergt, sondern die auch die Heimatstadt des verstorbenen ISIS-Führers Abu Bakr al-Baghdadi ist.

«Kein hohes Profil»

Die Befürchtung, dass die Gruppe im Irak wieder Fuss fassen könnte, existiert. Ein irakischer Militäroffizier sagte gegenüber «Middle East Eye», dass die Angriffe «kein hohes Profil hatten und nicht bedeuteten, dass ISIS die Fähigkeit zur Durchführung grösserer Operationen wiedererlangt hat.»

Jedoch würden die gleichen Fehler immer wiederholt: «Ruhe schafft Entspannung, Schnelligkeit schafft Verwirrung, und beides führt zur Katastrophe.» Die lange Ruhe habe zu einer falschen Sicherheit geführt.

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Datum: 18.05.2020
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet / Christian Today / Bild

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