Ehemalige Wahrsagerin

«Blick in die Zukunft ist nicht harmlos»

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«Ich konnte die Karten alles fragen – und erhielt auf alles eine Antwort.»
Zuerst schien es nur ein Spiel zu sein. Dann wurde es zur Besessenheit. Die heute 57-jährige Brigitte Möller liess sich auf die Mächte der Finsternis ein, wurde professionelle Wahrsagerin. Berufsbezeichnung: Hexe. Ihre Kunden kamen aus allen Gesellschaftsschichten. Heute ist sie ausgestiegen und warnt vor Horoskopen, Kartenlegen und Gläserrücken.

Wann haben Sie begonnen, sich für Übernatürliches zu interessieren?
Schon als ich zehn oder elf Jahre alt war, habe ich begonnen, Horoskope zu lesen und mich nach und nach auch für andere übersinnliche Sachen zu interessieren. Als meine Schwester eines Tages im Horoskop vor einem Unfall gewarnt wurde und dann tatsächlich einen hatte, wurde ich neugieriger.

Später konnten Sie auch selber die Zukunft vorhersagen?
Ja. Jahre später bekam ich ein Buch mit dem Titel «Wie lege ich mir selbst die Karten». Immer wieder habe ich daraufhin die Karten befragt und immer wieder sind Dinge eingetroffen. Scheidungen und Krankheiten, alles Erdenkliche. Mit der Zeit habe ich auch meiner Verwandtschaft und meiner Nachbarschaft die Karten gelegt. Selbst meiner Chefin musste ich jeden Morgen mit den Karten die Zukunft vorhersagen – und die Vorhersagen trafen tatsächlich ein. Daraufhin entschloss ich mich, nicht mehr arbeiten zu gehen, sondern nur noch die Karten zu legen. Professionelle Wahrsagerei! Ich habe annonciert, und die Kunden sind gekommen.

Solche Erlebnisse lassen einen ja wohl nicht unberührt. Haben Sie sich persönlich während dieser Zeit verändert?
Ich bin immer stolzer geworden, immer überheblicher. Wenn ich über fremde Menschen etwas wissen wollte, habe ich die Karten über sie befragt. Erschreckenderweise traf das dann auch ein, Berufswechsel, Partnerwechsel, Vergangenheit, Zukunft – ich konnte alles fragen und erhielt Antwort. Auch das Datum des Todes erfuhr ich. Ich habe Menschen eiskalt ins Gesicht gesagt, wann sie sterben werden. Ich hatte kein Mitleid, spürte meine Seele nicht mehr – das war so finster, das möchte ich nie mehr erleben. Neben den Karten hatte ich auch ein Ouijabrett* und praktizierte Gläserrücken. Auch damit habe ich Wahrsagerei betrieben und Vorhersagen sind eingetroffen. Ich war so besessen, habe mich Tag und Nacht mit all dem Finsteren beschäftigt und war gar nicht mehr richtig in der Welt.

Haben Sie da keine Angst verspürt?
Doch schon, aber ich war so stark in dieser esoterischen Welt drin, dass ich mich daran gewöhnt habe. Das war ja das Schlimme. Doch weil tatsächlich so viele konkrete Dinge eintrafen, bekam ich immer mehr Angst vor mir selbst und vor meinen Gedanken. Ich wollte mir fast das Leben nehmen. Ich habe mir gesagt: «So kann ich nicht mehr weiterleben. Entweder kriege ich die Kurve oder ich bringe mich um!»

Was führte dazu, dass Sie aus dieser esoterischen Welt ausgestiegen sind?
Meine Schwester lebte schon damals als Christin, glaubte an die Bibel und Jesus Christus. Eines Tages rief sie mich an und sagte, dass sie für mich am beten ist. Als sie das sagte, ist mir so schlecht geworden, dass ich hundeelend ausgesehen haben muss. Da habe ich begonnen, mit Jesus zu reden: «Jesus, wenn es dich wirklich gibt, dann bitte ich dich, dass du mir hilfst – oder ich bringe mich jetzt um.» Ich weinte und rief meinen alten Religionslehrer an, der mit mir gebetet hat und mir sagte: «Du kannst ein neues Leben anfangen.» Ich entgegnete ihm: «Ich kann nicht mehr zu Gott, ich habe zu sehr gesündigt!» Mir wurde klar, dass ich mit Satan zusammengearbeitet habe. Es ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Doch mein Religionslehrer erwiderte: «Nein, du kannst zu Gott kommen, gerade für Menschen wie dich ist Jesus gestorben. Reich ihm die Hand, du kannst ein neues Leben anfangen!»

Ich habe das gemacht und Jesus im Gebet mein Leben gegeben, ihm gesagt: «Komm in mein Herz, lenke du mich und vergib mir meine Sünden.» Und dann habe ich erst mal lange geweint. Später habe ich all meine Karten, meine esoterischen Bücher, mein Ouijabrett und alles, was ich an Okkultem hatte, in den Mülleimer gebracht. Aber es war ein harter innerlicher Kampf, aus all dem üblen Denken und den geistlichen Verstrickungen herauszukommen.

Sie scheuen sich nicht, so offen über Ihre Vergangenheit zu reden und in aller Öffentlichkeit vor okkulten Praktiken zu warnen. Weshalb?
Ich will die Menschen warnen vor diesen vermeintlich harmlosen Dingen. Sich die Karten legen zu lassen, an Horoskope zu glauben, das ist kein Spiel. Das ist ein Weg, der Menschen schadet und sehr schnell sehr gefährlich wird. Schauen Sie mich an: Ich hatte keine Kontrolle mehr über mich. Ich sagte böse Dinge, die ich nicht sagen wollte und tat Dinge, die ich hinterher bereute. Ich war gebunden, musste lachen, wenn ich weinen wollte – wie eine Marionnette, wie programmiert. Nur wenn du dich auf die Seite von Jesus Christus stellst, kommst du los. Denn er ist der Einzige, der Satan besiegt hat.

*Das Ouija, auch Hexenbrett genannt (englisch: Witchboard), ist ein Hilfsmittel, um mit Geistwesen in Kontakt zu treten.

Datum: 20.11.2006
Autor: Dana Praski / David Sommerhalder
Quelle: Neues Leben

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