Credo: «Ich glaube»

Glaubensbekenntnisse – hilfreich, wichtig und gut

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Ein kirchlicher Begriff mit 18 Buchstaben? Glaubensbekenntnis. Tatsächlich kennen es viele Christen noch aus dem Gottesdienst und nicht nur aus dem Kreuzworträtsel. Doch wozu sind Glaubensbekenntnisse eigentlich gut? Woher kommen sie? Und haben sie noch eine Zukunft?

Das bekannteste Glaubensbekenntnis der Kirche ist das sogenannte Apostolikum oder Apostolische Glaubensbekenntnis. Es stammt aus dem vierten oder fünften Jahrhundert nach Christus und ist bis heute Bestandteil vieler Gottesdienste. Doch es ist bei weitem nicht das einzige Glaubensbekenntnis. Sein Name ist übrigens missverständlich, denn entgegen frommer Gerüchte stammt es nicht aus der Feder der Apostel selbst. So lautet es:

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Bekenntnisse sind schon sehr alt

Glaubensbekenntnisse sind keine christliche Erfindung. Bereits die Juden hatten Bekenntnisse, die sie regelmässig wiederholten, zitierten und mit denen sie unterstrichen, woran sie glaubten. Am bekanntesten ist sicherlich das sogenannte Schma Jisrael: «Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein! Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft» (5. Mose, Kapitel 6, Vers 4–5).

Auch die frühe Kirche fasste zentrale Inhalte ihres Glaubens in kurzen Bekenntnisformeln zusammen. Ein Beispiel sind diese Sätze von Paulus: «Denn ich habe euch zuallererst das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und dass er begraben worden ist und dass er auferstanden ist am dritten Tag, nach den Schriften, und dass er dem Kephas erschienen ist, danach den Zwölfen» (1. Korinther, Kapitel 15, Vers 3–5).

Ein gemeinsamer Nenner der Christen

Eine gewisse Absolutheit in der Formulierung legt nahe, dass ein Glaubensbekenntnis quasi «biblisch» ist. Doch das ist nur eine Teilwahrheit. Im Laufe der Zeit entwickelten Christen eine ganze Menge an Glaubensbekenntnissen. Relativ bekannt sind neben dem Apostolikum das Nizänische Glaubensbekenntnis von 325, das Augsburger Bekenntnis von 1530 oder auch die Barmer Theologische Erklärung der Bekennenden Kirche von 1934.

All diese Bekenntnisse sind keine Volldarstellungen des christlichen Glaubens – es sind Reaktionen auf Spannungen und Fragen der jeweiligen Zeit. Deshalb werden einzelne Punkte darin stark betont und andere (vielleicht sogar wichtigere) völlig weggelassen. Jedes «Credo» (wörtlich: ich glaube) kann auf der einen Seite als Abgrenzung verstanden werden und auf der anderen Seite als identitätsstiftend. Es bildet damit so etwas wie einen gemeinsamen Nenner der Bekenntnisgemeinschaft. Interessant ist dabei, dass es christliche Konfessionen gibt, die sich ein recht detailliertes Glaubensbekenntnis geben, und solche, die bewusst «bekenntnisfrei» sind, wie die evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz oder auch die Quäker.

Was hilft's?

Dass Glaubensbekenntnisse einen gewissen historischen Wert haben, scheint klar, doch was ist ihr Nutzen für heute? Was hilft ein Text, mit dem sich Kirchen vor 1'800 Jahren von Irrlehren und Irrlehrern abgrenzen wollten, die niemand mehr kennt? Einige Gründe können sein:

- Grenzen ziehen. Es mag sich unmodern und nach Ausgrenzung anhören, doch die Barmer Theologische Erklärung, zum Beispiel, war nichts anderes als ein deutliches: «Nicht mit uns!» der Bekennenden Kirche gegen den Nationalsozialismus.

- Sprachfähigkeit gewinnen. Ein klares Formulieren des eigenen Glaubens hilft dabei, die eigenen Überzeugungen kennenzulernen und vertreten zu können.

- Standpunkte klären. Wer sich für den Glauben einer Kirche oder Gemeinschaft interessiert, ist in der Regel dankbar, wenn er weiss, wofür sie steht. Auch hier hilft ein Glaubensbekenntnis weiter.

- Gemeinschaft unterstreichen. Gerade beim gemeinsamen Sprechen des Glaubensbekenntnisses wird deutlich, dass zwar jeder für sich sagt: «Ich glaube an…», aber die Gemeinsamkeit lässt es alle mitempfinden: «Wir gehören zusammen.»

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Datum: 11.07.2019
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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