Der Weg aus der Dunkelheit

Eine Striptänzerin wacht auf

Nina Deliz wächst bei ihrem Vater auf, der sie überbeschützt. Doch er erreicht das Gegenteil: Sobald Nina kann, heiratet sie, um ihrem eingesperrten Leben zu entkommen. Alkohol, Untreue und Tanzen im Stripclub sind Teil ihres Lebens – bis die Exzesse ihr beinahe das Leben kosten.
Nina Deliz
Nina Deliz

Meine Eltern liessen sich scheiden, als ich drei Jahre alt war. Danach zog ich zu meinem Vater. Meine Mutter durfte ich alle zwei Wochen übers Wochenende sehen, doch je älter ich wurde, desto weniger wurden diese mir sehr kostbaren Zeiten, weil mein Vater es scheinbar nicht wollte…

Beim Vater

Wir gingen fast jeden Sonntag in die Kirche, mein Vater und ich sangen im Kirchchor, meine damalige Stiefmutter betete mit uns. Doch in ihrer Ehe gab es immer wieder Gewalt, viel Streit und Geschrei. Als ich in der achten Klasse war, liess sich mein Vater scheiden und ich verbrachte wieder mehr Zeit mit ihm. Als er dann eine neue Frau kennenlernte, war ich nicht sehr glücklich. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir meinen Vater wegnimmt. Wir zogen mit ihr und ihren drei Söhnen in ein Haus, aber ich fühlte mich sehr einsam. Mein Vater hörte nicht mehr auf mich und kümmerte sich nicht um meine Gefühle und meine Meinung.

Mit 15 Jahren begann er, mich sehr stark vor äusseren Einflüssen zu schützen und ich hatte kaum noch Freunde. Ich durfte keinen Sport machen, mich nicht mit Freunden treffen und musste immer zu Hause bleiben. Ich fühlte mich wie im Gefängnis…

Endlich frei

Für den Abiball stellten meine Eltern mich einem sechs Jahre älteren Jungen vor. Wir begannen, auszugehen und schliefen zusammen. Als ich das meinem Vater erzählte, war er ausser sich und erklärte, dass wir heiraten müssten – sonst würde ich ihn nie wieder sehen. Also heirateten wir, obwohl ich meinen Freund nicht liebte. Er brachte mir einfach die langersehnte Freiheit. Bald darauf wurde ich ihm untreu. Mein Mann hatte mich aus meinem Elternhaus geholt – jetzt spielte ich verrückt. Ich begann, Alkohol zu trinken, und liebte es, mich zu betrinken. Das dämpfte die Realität, meine Ängste und Depressionen. Alkohol gab mir ein ganz neues Selbstbewusstsein.

Wir liessen uns scheiden und ich begann, von einer Beziehung in die nächste zu stolpern. Alkohol und Marihuana bestimmten mein Leben. Mit 23 trank ich jeden Tag und verlor immer wieder das Bewusstsein. Zudem litt ich an Panikattacken. Das Geld, das ich verdiente, reichte gerade mal zum Leben aus, aber ich wollte Reisen, mir Sachen kaufen und das Leben geniessen. In der Zeit lernte ich ein Mädchen kennen, die als Striptänzerin arbeitete. Als ich das meinem damaligen Freund erzählte, fand er das super. Mit dem Geld könnten wir uns endlich unsere Träume erfüllen. Ich bewarb mich – und bekam den Job.

Besessen

Aber mit der neuen Arbeit wurde alles noch schlimmer: Ich tanzte nicht nur, sondern ging auch mit den Männern in die «Privaträume» im Hinterteil des Clubs und arbeitete als Escort Mädchen. So konnte ich mehr Geld verdienen. Zu dieser Zeit wurde ich auch immer wieder bewusstlos, weil ich so viel Alkohol trinken konnte wie ich wollte. Zwei Jahre arbeitete ich dort, aber es wurde immer schlimmer. Die Drogen und der Alkohol machten mich kaputt. Ich erlebte Schlafparalysen und während ich mich nicht bewegen konnte, sah ich, wie sich Dämonen mir näherten, sah ihre Krallen vor meinen Augen… Einmal versuchte ich, mit dem Kopf ein Fenster zu zertrümmern und mich rauszustürzen. Es war wirklich als sei ich von Dämonen besessen.

«Jesus, hilf mir!»

Eines Abends im Jahr 2013 – ich arbeitete nicht mehr im Club – wurde ich durch den Alkoholexzess wieder bewusstlos. Eine Freundin wollte mich nach Hause bringen, aber ich hörte nicht auf sie und fuhr allein weg. Irgendwann hielt ich am Seitenstreifen der Autobahn an. Die Polizei kam und ich erinnere mich nur noch daran, dass ich rief: «Jesus, hilf mir!»

24 Stunden verbrachte ich in Polizeigewahrsam. Es öffnete mir die Augen, zusammen mit vielen Kriminellen in einer Zelle zu sitzen. Mein Freund zahlte die Kaution und ich kam wieder raus. Aber ich schämte mich unheimlich und war einfach nur traurig darüber zu sehen, zu wem ich geworden war.

Der Traum

Kurz darauf träumte ich, dass ich mit ein paar Freunden ins Auto stieg, als mein Telefon klingelte. Ich schaute auf das Display und da stand: «Jesus ruft an». Ich nahm nicht ab, stieg ins Auto und erneut klingelte das Telefon – «Jesus ruft an». Und ich dachte nur: Ich kenne niemanden, der Jesus heisst… Dann hörte ich im Traum eine laute Stimme, die sagte: «Ruf mich an!» Alles um mich herum begann zu wackeln – dann wachte ich auf. Ich wusste, dass Gott zu mir geredet hatte.

Nach und nach verändert

Ich erzählte meiner Mutter von dem Traum und nach Jahren begann ich wieder zu beten, zum ersten Mal in meinem Leben las ich die Bibel und suchte nach Informationen, wie man Christ wird. Ich trank immer noch, ging auf Partys, aber ich suchte nach einem Weg ins Licht. Dann begann ich, eine Gemeinde zu besuchen. Ich über gab Jesus mein Leben, wurde getauft, trank aber immer noch ab und zu Alkohol. Erst zwei Jahre später begann ich, meinen Weg mit Jesus wirklich ernst zu nehmen.

Manche Menschen ändern sich über Nacht, bei mir nahm Gott sich Zeit, um mich zu heilen. Heute, drei Jahre, nachdem ich Ernst mit Jesus gemacht habe, trinke ich keinen Alkohol mehr, höre ganz andere Musik und sehe die Dinge völlig anders. Gott hat mich wortwörtlich gerettet und aus der Dunkelheit gezogen. Je näher ich Jesus bin, desto mehr verändern sich die Dinge. 2016 heiratete ich meinen Freund. Auch mein YouTube-Kanal, der ursprünglich aus Beauty-Tipps und Hair-Styling bestand, hat sich sehr verändert. Ich habe gemerkt, dass Make-Up, Hairstyling, Kleider und Schmuck nicht wichtig sind – das einzige, was zählt, ist, worauf du dein Herz ausrichtest und wo du nach dem Tod hinkommst. Gott hat mein Herz und mein Denken komplett erneuert. Für mich hat ein gutes Leben erst gerade begonnen…

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Datum: 02.04.2019
Autor: Rebekka Schmidt / Nina Deliz
Quelle: Jesus.ch / Youtube

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