Zurück ins Leben

«Ich habe gelernt, dass nichts in meiner Hand liegt»

Walter Riedi ist Rettungssanitäter. Es liegt ihm, sich für andere einzusetzen. Doch eines Tages kann er nicht mehr – er ist innerlich ausgebrannt. Heute geht es ihm besser denn je und er ist überzeugt: Gott hat ihn aus dem Burn-out herausgezogen.

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Walter Riedi
«Für mich zählen Tatsachen, Fakten, keine Vermutungen und Hypothesen», sagt der bald 50-jährige Walter Riedi. In der Freikirche, die er früher besuchte, wurde über die Prophezeiungen der Bibel gelehrt. Etwa, dass Gott sein Volk aus der ganzen Welt sammeln und wieder zusammenführen werde. Und genau dies hat er später hautnah mitbekommen, und zwar als Luftfahrzeugmechaniker bei der Swissair am Flughafen Kloten. «Damals erlebte ich direkt Gottes Handeln. Die israelische Airline EL AL hat alle Juden, die nach Israel zurückkehren wollten, gratis nach Hause geflogen.» Dieses Ereignis und weitere Tatsachen führten dazu, dass Walter Riedi sein Vertrauen immer mehr auf Jesus setzte.

Bis zum Ausbrennen

Er begann, sich in der Kirche zu engagieren, half morgens um 5 Uhr, den Saal mit Stühlen zu bestücken und alles für die drei bevorstehenden Gottesdienste vorzubereiten. Als hilfsbereiter Mensch sagte er auch bei vielen anderen Anfragen zu, zum Beispiel, wenn ein Arbeitskollege im Rettungsdienst ausfiel und jemand dessen Schicht übernehmen musste. Dazu sorgte er für die beiden Kinder, wenn seine Frau auswärts arbeiten ging.

Doch sein beinahe pausenloses Engagement führte dazu, dass Walter Riedi nicht mehr schlafen und sich nicht mehr erholen konnte. Er schlitterte in ein Burn-out, wurde vom Arzt für fluguntauglich erklärt und trat schliesslich in die Klinik SGM Langenthal ein. An dieser anerkannten Fachklinik für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie wird die wissenschaftlich orientierte Medizin in dem Sinne ergänzt, dass die Spiritualität des Menschen miteinbezogen wird – Körper, Psyche, soziales Umfeld und Spiritualität bilden ein ganzheitliches Menschenbild.

Den Ausgleich pflegen

Die Ärzte ermutigten Walter Riedi, vermehrt auch das zu tun, was ihm Freude bereitet. Er begann wieder Sport zu treiben, bewegte sich viel draussen und betete auf weiten Spaziergängen; er arbeitete in der Holzwerkstatt, hörte Musik und nahm regelmässig an geistlichen Angeboten teil. Walter Riedi erinnert sich: «Ich spürte deutlich, wie Gott mich begleitete und führte.» Medikamente und Gespräche halfen ihm, seine Grenzen zu erkennen, positiv zu denken und auch einmal Nein zu sagen.

Zwei Monate später war er wieder zu Hause und besuchte eine Tagesklinik. «Gott hat mich geheilt, auch durch die Therapien!», beteuert er. Mit Hilfe des Case-Managers seiner Betriebsversicherung nahm Walter Riedi seine Arbeit langsam wieder auf, zuerst als Helikoptermechaniker in der Wartung. Doch er wollte wieder als Rettungssanitäter für die REGA arbeiten, für diese Tätigkeit brennt sein Herz. Doch der Dienst ist anspruchsvoll und erfordert ständige Weiterbildung mit entsprechenden Prüfungen. Riedi ist überzeugt: Gott hat ihn so geführt, dass er alle Tests bestand und inzwischen wieder voll einsatzfähig ist. Dies ist nach einem Burn-out nicht selbstverständlich.

Loslassen und vertrauen

«Ich habe gelernt, dass nichts in meiner Hand liegt», sagt Walter Riedi heute. Dieses Wissen und ein neu gestärktes Gottvertrauen lässt ihn heute entspannter mit herausfordernden Situationen umgehen. Sein Lebensmotto umschreibt er mit «Taten statt Worte». Er ist überzeugt: «Ich kann niemanden anklagen, wenn es mir einmal nicht gut geht, ich bin selber verantwortlich für mein Leben.»

Walter Riedi ist überzeugt, dass Gott gute Gedanken über ihm hat, ihm Zukunft und Hoffnung schenken will. Er lebt bewusst in der Gegenwart, Vergangenes lässt er ruhen und für morgen will er sich nicht sorgen. «Selbst wenn ich sterbe, bin ich in Gottes Hand», stellt Walter Riedi fest. «Wovor sollte ich also Angst haben?» 

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Datum: 25.02.2019
Autor: Mirjam Fisch-Köhler
Quelle: idea Spektrum

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