Ein besonderer Stammbaum

Gottes skandalöse Verwandtschaft

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Niemand kann sich seine Familie aussuchen. Doch Jesus hat genau das getan und kam zwischen prominenten und peinlichen Verwandten zur Welt.

Praktisch jede Familie hat sie: Vorfahren, die so peinlich sind, dass man sie am liebsten verschweigt. Ob es der Onkel ist, der unbedingt ein FKK-Hotel gründen wollte und damit pleite ging, die Grosstante, die sich immer für eine Berühmtheit hielt, aber es nie wurde, oder der Opa mit seiner undurchsichtigen Vergangenheit im Dritten Reich. Das Bild der betreffenden Person muss ja nicht gerade abgehängt oder aus dem Fotoalbum entfernt werden, trotzdem sind viele Familien froh, wenn die Rede nicht auf diese peinliche Person kommt.

Ein Stammbaum mit Stil

Als der Evangelist Matthäus sein Evangelium über Jesus schrieb, war es ihm wichtig, einen Stammbaum voranzustellen. Denn das war damals so üblich, wenn man eine prominente Person – vielleicht sogar einen König – vorstellte. Diese Abstammungslinie musste nicht unbedingt vollständig sein; wichtig war allerdings, dass die prominentesten Vorfahren deutlich herausstachen. Und genau auf diese Weise begann er sein Evangelium: «Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.» (Matthäus, Kapitel 1, Vers 1)

Damit liess sich im wahrsten Sinne des Wortes Staat machen. Nachfahren Abrahams waren alle Juden, trotzdem war dieser Hinweis wichtig für die gemeinsame Identität. Ein Nachfahre König Davids waren nicht so viele, und dieser Hinweis auf die königliche Abstammung von Jesus gab ihm eine besondere Würde.

Peinliche Personen

Wenn man dann weiterliest, könnte man meinen: Matthäus, du hättest lieber nach dem ersten Vers aufhören sollen. Denn jetzt wird's peinlich. Die Hinweise auf Isaak und Jakob sind ja noch völlig in Ordnung, doch dann steht dort: «Juda zeugte den Perez und den Serach mit der Tamar.» (Matthäus, Kapitel 1, Vers 3)

Wie bitte? Diese Geschichte gehörte in keinen Kindergottesdienst. Sie war schlicht nicht jugendfrei. Denn Juda hatte eine Frau besucht, die er für eine Prostituierte gehalten hatte, dabei war es Tamar, seine Schwiegertochter, deren Mann (Judas Sohn) bereits verstorben war. Wir lesen heute diese und noch weitere fremd klingende Namen. Doch die Menschen zur Zeit des Matthäus kannten sie und ihre Augen wurden von Zeile zu Zeile grösser, wenn von der Ausländerin Rut die Rede war oder der ehebrecherischen Beziehung von König David zur Frau des Uria usw.

Fast hat man beim Lesen den Eindruck, dass Matthäus mit voller Absicht keinen Fettnapf auslässt. Warum nur?

Fiese Vorwürfe

Zur Zeit von Jesus war bekannt, dass seine Familienverhältnisse nicht ganz der Norm entsprachen. Von einer Jungfrauengeburt hatte noch niemand etwas gehört – wohl aber vom Fremdgehen. Und als Jesus einmal mit jüdischen Leitern stritt, warfen sie ihm das auch vor: «Wir sind nicht unehelich geboren.» In Klammern: du schon. (Johannes, Kapitel 8, Vers 41) Damit warfen sie Jesus seine zweifelhafte Herkunft vor, seine peinliche Familiengeschichte.

Zärtliche Zuwendung

Es ist tatsächlich so: Matthäus und die anderen Evangelisten sprachen diese Skandale absichtlich an. Und sie unterstrichen damit, dass Jesus sich genau diese Verwandtschaft mit voller Absicht herausgesucht hatte. Doch Jesus war es noch nicht genug, schwierige Vorfahren zu haben. Er suchte sich auch noch dubiose Nachfolger und traf sich mit zweifelhaften Menschen zum Essen und Reden. Das Signal, das er damals aussandte, war deutlich: Ich schäme mich nicht für dich!

Und dasselbe bedeutet der Umgang von Jesus bis heute. An seinen peinlichen Vorfahren hat sich natürlich nichts geändert. Inzwischen sind nur noch zahlreiche Nachfolger (die sogenannten Christen) dazugekommen. Dabei sind schon einige tolle Menschen, aber genauso gehören dazu Leute, die man am liebsten nicht in der Familie hätte. Und Jesus? Er zeigt bis heute jedem Menschen: Ich schäme mich nicht für dich. Du bist mir nicht peinlich. Du bist kein Fehler. Im Gegenteil: Bei mir hast du Zukunft.

Der alttestamentliche Prophet Jeremia fasste das einmal so zusammen: «Darum will ich Hoffnung fassen: Gnadenbeweise des Herrn sind's, dass wir nicht gänzlich aufgerieben wurden, denn seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende; sie ist jeden Morgen neu, und deine Treue ist gross!» (Klagelieder, Kapitel 3, Vers 22)

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Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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