Auge in Auge mit Jesus

Wo sind die anderen?

Den Tag, an dem er die Krankheit an sich bemerkte, kann Menachem nicht vergessen. Er spürte, dass einige Zehen sich nicht mehr gleich anfühlten. Die Lepra – sein unanfechtbares Urteil!

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Jesus heilt und tut wohl – holen wir Segen ab, ohne dass er dafür gebührend Dank bekommt?
Sie begann sich in seinem Körper auszubreiten. Er wusste: Der Aussatz bedeutet den sozialen Tod. Weg von der Familie, von den Freunden, aus dem Dorf. Kein Körperkontakt, kein Händedruck mehr.

Hütte ohne Hoffnung

Gegen den Aussatz ist kein Kraut gewachsen. Menachem (so nennen wir ihn hier) hat Leidensgenossen gefunden. Mit ihnen hat er die letzten Jahre in einer Hütte elend gehaust. Die einen sind jüdische Galiläer, die anderen wie er Samaritaner – ein Unterschied, der in dieser Situation nicht mehr trennt. Gemeinsam erwarten die zehn Leprakranken den Tod.

Doch vor kurzem ist Hoffnung aufgekeimt. Sie haben vom Heiler Jesus gehört. Für ihn gebe es keine hoffnungslosen Fälle, heisst es. Er hat auch Aussätzige gesund gemacht! Die Glieder wurden wunderbar wiederhergestellt. Sie konnten zu den Priestern gehen, und diese bestätigten die Heilung! Jesus kann es tun, hat es getan! Die Frage treibt Menachem und seine Schicksalsgenossen um: Kommt er in unsere Gegend und heilt er vielleicht auch uns?

Schrei um Hilfe

Er ist auf dem Weg ins nächste Dorf! Einer hat es ihnen zugerufen, der Nahrung in der Nähe abstellte. Nichts kann die zehn mehr halten. Sie humpeln los, helfen einander. Und dann sehen sie Leute. Da ist er! Sie dürfen ihm nicht in den Weg treten. Aus einiger Entfernung beginnen sie zu rufen: «Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!» Jesus bleibt stehen, blickt zu ihnen herüber, erfasst ihre Lage. Hat er Erbarmen? Spricht er ein machtvolles, heilendes Wort? «Geht und zeigt euch den Priestern!» ruft er kurz und bündig.

Auf dem Weg geheilt

Sie sehen einander an. Sollen sie ihm glauben? Ihr Aussatz ist noch da. Wird die Heilung geschehen, wenn sie sich auf den Weg machen? Eine andere Chance haben sie nicht. Sie folgen der Weisung – und tatsächlich: Auf dem Weg verschwindet die Lepra, verwandeln sich ihre verstümmelten Finger und Zehen – sie werden gesund! Die Freude, der Jubel ist nicht mit Worten zu beschreiben. Die Zehn liegen sich in den Armen. Sie klopfen bei den Priestern an und diese erklären sie für geheilt. Damit hat jeder wieder Zukunft, kann zu seiner Familie zurück und Arbeit an die Hand nehmen.

Einer kehrt zurück

Seit Jahrhunderten sind Samaritaner und Galiläer auf Distanz. Man mag sich nicht. Doch Menachem will als Samaritaner dem Galiläer Jesus Danke sagen. Die anderen haben nur ihre Familie im Sinn. Er kehrt zurück, findet Jesus und seine Gruppe und ruft: «Seht, was mit mir geschehen ist! Ich bin gesund!» Er wirft sich vor Jesus auf den Boden – Ausdruck der Ehrerbietung vor einem Hochgestellten – und dankt ihm. Jesus lächelt. Doch beschäftigt ihn etwas: «Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die übrigen neun?» Zu seinen Anhängern aus Galiläa gewandt, setzt er hinzu: «Hat sich keiner gefunden, der zurückgekehrt wäre, um Gott die Ehre zu geben, ausser diesem Fremden?» Dem Samaritaner Menachem aber sagt er: «Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.»

Heute wie vor zweitausend Jahren tut Jesus Gutes. Seine Worte haben unvermindert Kraft. Gehören wir zu den neun, die gern Heilung und Segen empfangen und dann auf den eigenen Weg zurückkehren – oder geben wir wie Menachem Gott die Ehre?

Die Geschichte von der Heilung der zehn Aussätzigen findet sich in der Bibel, im Evangelium nach Lukas, Kapitel 17, Verse 11-19.

Aus dieser Serie:
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Alles auf eine Karte setzen
Schrei nach Hilfe

Datum: 15.02.2013
Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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