Gebet einer Frau mit Folgen: Die Tränen und die Freude von Hanna

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Eine Frau – Hanna - wird sozial ausgegrenzt, weil sie keine Kinder bekommt. Sie leidet darunter, ist einsam, verzweifelt. In ihrer Not wendet sie sich an Gott. Sie bestürmt den Schöpfer allen Lebens um einen Sohn. Und Gott erhört ihr Gebet. Hanna bringt Samuel zur Welt. In grosser Dankbarkeit kümmert sie sich um das Kind, versteht es aber nicht als ihr Eigentum, sondern als Leihgabe. Sie gibt Gott diese wieder zurück, indem sie den Jungen im Tempel aufwachsen lässt. Samuel wird ein bedeutsamer, einflussreicher Mann seiner Zeit und Hanna Mutter mehrerer weiterer Kinder.
Biblische Grundlage: 1. Samuel, Kapitel 1 und 2
"Mutti, sind wir reich?", fragt mich unser fünfjähriger Johannes. "Du", antworte ich ihm, "auf der Bank haben wir nicht so viel. Unsere Millionen sitzen auf der Eckbank am Tisch." Sein Strahlen zeigt, dass er verstanden hat. Lange Zeit war es gar nicht sicher, dass wir Kinder haben werden, deshalb sind sie ein ganz besonderer Reichtum für uns. Ich bin von Herzen dankbar, dass Hanna in der Bibel vorkommt. Oft formulierte ich in Gedanken einen Brief an diese tapfere Frau, weil in meiner Geschichte vieles so ähnlich lief. Ich habe oft die Geschichte von Hanna und Samuel gelesen und wurde getröstet: Wie muss diese Frau gelitten haben!

Grosse Zweifel

Heute ist es nicht mehr so selbstverständlich, dass eine Frau sich Kinder wünscht. Längst werden uns lohnendere Ziele vor Augen geführt, schöpfen wir unsere Bedeutung mehr aus Karriere und beruflichem Erfolg. Wir sind eben Kinder unserer Zeit.
Für Hanna, von der wir im ersten Buch Samuel lesen, hatte die gesellschaftliche Bedeutung ein völlig anderes Gesicht. Kinder galten als Gabe Gottes und sichtbares Segenszeichen. So lag es nahe, Kinderlosigkeit wie eine Strafe Gottes zu bewerten und an seinem Segen zu zweifeln.
Hanna war mit diesem Makel behaftet und litt daran. Das muss die ungestillte Sehnsucht nach einem Kind noch verschlimmert haben. Wie hat sie das bewältigen können?
Das Gebet nimmt einen beträchtlichen Raum ein in Hannas Leben. Wie betet sie?

Trotzdem treu

Hanna ist treu in der Anbetung. Das Unglück hinderte Hanna nicht daran, jedes Jahr mit ihrem Mann Elkana, dessen zweiter Frau samt deren Kindern nach Silo zu reisen, um dort Gott zu opfern und anzubeten. Die Traurigkeit ihrer Situation kam ausgerechnet hier massiv zum Tragen: "Und ihre Widersacherin (die zweite Frau ihres Mannes) kränkte und reizte sie sehr, weil der Herr ihren Leib verschlossen hatte. So ging es alle Jahre. Wenn sie hinaufzog zum Hause des Herrn, kränkte jene sie. Dann weinte Hanna und ass nichts."

Flucht in den Tempel

Mehr als miese Stimmung im Hause Elkana! Eigentlich hätte das gemeinsame Essen schön und feierlich sein sollen. Hannas Traurigkeit übertrug sich auf Elkana und stachelte ihre Rivalin vielleicht sogar noch mehr an, zumal Elkana aus seiner Liebe zu Hanna keinen Hehl machte.
Für mich ist es verständlich, dass Hanna es in dieser Runde nicht länger aushalten konnte. Wo sollte sie hingehen? Sie machte sich auf den Weg zum Tempel und betete dort.

Das Herz ausgeschüttet

Hanna betete unter Tränen und weinte vor lauter Verzweiflung hemmungslos. Sie rief Gott um Hilfe an, betete um einen Sohn: "Allmächtiger Gott, du siehst doch mein Elend. Wenn du Erbarmen mit mir hast und mir einen Sohn schenkst, soll sein ganzes Leben dir gehören." Und wieder wurde sie mit harten, kränkenden Worten bedacht, diesmal vom Priester Eli. Der konnte sich ihr langes, leises Beten nicht erklären, hielt sie für betrunken und wollte sie wegjagen.
Hanna konnte den Priester überzeugen, dass sie wirklich gebetet und nur so lange gebraucht hatte, um ihre jahrelange Verzweiflung, ihre Kränkungen und all ihre Traurigkeiten vor dem Herrn auszuschütten. Der Priester entliess sie mit einem Friedensgruss und der Zusage, dass Gott ihr Gebet erhören werde. Hanna kehrte erleichtert zu den anderen zurück. Ernsthaft und ehrlich hatte sie ihr Herz ausgeschüttet.

Nur eine Leihgabe

Gleich fiel es auf: Sie sah nicht mehr so traurig drein. "Und Gott erhörte sie", steht in der Bibel. Und sie wurde Mutter von Samuel (vom Herrn erbeten). Jetzt hätte ich vollstes Verständnis dafür, wenn Hanna ihren Sohn nicht mehr hergeben, ihn hätscheln und verwöhnen wollte. Aber die tapfere Beterin erinnerte sich an ihr Versprechen und lieferte ihren Sohn an Gott aus: "Nachdem sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit sich hinauf nach Silo in das Haus des Herrn. Der Knabe war aber noch jung. Und sie brachten den Knaben zu Eli, und sie sprach zu Eli: „Ich bin die Frau, die hier um ein Kind gebetet hat. Hier ist der Knabe, den ich vom Herrn erbeten habe und den ich nun wieder dem Herrn geben will sein Leben lang.“ Und sie beteten dort den Herrn an." Sie empfing ihn als Leihgabe - und lieferte ihn gleich wieder an Gott aus.

Dankbar und fröhlich

Dann stimmte Hanna einen Lobgesang an. Nachdem sie trotz ihrer Not treu Gott angebetet und ihm dann ehrlich ihr ganzes Herz ausgeschüttet hatte, dankte sie Gott nun mit einem Anbetungslied, das aus vollem Herzen kam. Sie besang die Grösse Gottes und seine Macht im Bewusstsein, dass Gott sie beschenkt hatte. Aus dem Klagegebet ist ein Lobgesang geworden.

Und sie wurde noch mehr gesegnet mit drei Söhnen und zwei Töchtern. Faszinierend, wie der erbetene und umbetete Samuel dann von Gott berufen und Prophet wurde: "...denn der Herr offenbarte sich Samuel in Silo durch sein Wort. Und Samuels Wort erging an ganz Israel."

Autorin: Waltraud Kaufmann

Datum: 22.09.2004
Quelle: Chrischona Magazin

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