Wenn wir frommer sein wollen als Gott

Die Bibel: Bloss ein Bündel von Gesetzen und Regeln?

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Für viele ist die Bibel ein Bündel von Gesetzen, von «du darfst nicht» und «du sollst nicht». Ist das wirklich so? Oder könnte es sein, dass wir die guten Gebote Gottes viel schwerer machen als sie wirklich sind?

Der erste Mann und die erste Frau hatten es gut. Und sie hatten es leicht im Paradies – von allen Bäumen und Pflanzen durften sie essen, nur von einem Baum nicht. Das war nicht allzu schwer, oder? Das ganze Paradies gehörte ihnen. Aber sie begingen einen tragischen Fehler. Sie machten Gott enger als er ist. «Von diesem einen Baum dürft ihr nicht essen», hatte Gott gesagt. Aber was machten sie aus diesem einfachen Gebot? «Gott hat gesagt, wir dürfen nicht von diesem Baum essen und ihn nicht berühren», erzählte Eva der Schlange (nachzulesen in der Bibel, 1. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 3). Nicht berühren? Davon hatte Gott nichts gesagt. Aber sie meinten offenbar, sie müssten etwas zu Gottes Anweisung dazutun, um bloss ganz sicher zu sein. Sie machten Gottes einfaches Gebot schärfer und enger als es war.

Immer neue Gesetze erfinden

«Nicht essen», das ist einfach und klar. «Nicht berühren», das ist viel schwieriger – und reizt doch viel mehr, es jetzt doch zu tun, oder? Sagen sie mal einem Kind, dass es diese Vase auf dem Tisch nicht berühren darf. Wetten, dass sie für den Zeigefinger geradezu magnetisch wird?

Vielen Menschen löscht die Bibel ab, weil sie meinen, es gehe um ein Buch von Verboten und strengen Regeln. Was viele nicht wissen: Die vielen Gebote, die wohlmeinende religiöse Führer rund um das Wort Gottes herum bauen, sind in vielen Fällen der wahre Grund, warum wir das Gefühl haben, «das schaffe ich doch nie, also am besten weg mit den ganzen Vorschriften». Seit Adam und Eva versuchen Menschen offenbar, Gottes Gebote so zu verschärfen, dass alles klar ist – und dass sie kein Mensch halten kann. Im jüdischen Glauben etwa gibt es nicht nur die Zehn Gebote oder das Alte Testament; nein, im Laufe der Zeit wurden buchstäblich Tausende von «Ausführungsbestimmungen» erfunden – immer neue Regeln, die ganz genau definieren sollen, wie weit man etwa am Sabbat laufen darf oder was genau man tun darf und was nicht (ein bisschen wie die Gesetze in der Schweiz, nicht wahr?).

«Den Leuten schwere Lasten auflegen»

Jesus hat mit diesem frommen Wust – und der daraus folgenden Heuchelei – radikal aufgeräumt. Er hat die religiösen Führer seiner Zeit scharf angegriffen: «Sie bürden den Menschen unerträgliche Lasten auf, denken aber nicht daran, diese Lasten auch nur mit einem Finger anzurühren». Dieser Trend, die Bibel zu verschärfen, ist auch in christlichen Kreisen zu finden. Am einen Ort darf man keinen Alkohol trinken, am anderen ist bestimmte Musik verpönt. Man meint einfach, dass man es den Leuten «doch ganz genau sagen muss».

Jesus bringt Freiheit

Was war das für ein Skandal, als Jesus am Sabbat erstens ziemlich weit lief und zweitens Ähren in einem Weizenfeld ass, weil er Hunger hatte – oder Kranke heilte, ganz einfach weil sie ihn jetzt brauchten! Mit aller Leidenschaft lehnte er sich gegen die Gesetzlichkeit auf, die den Menschen den Weg zu Gott versperrte. Was war das wichtigste Gebot für ihn? «Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.» Jesus war deswegen nicht gesetzlos, und der christliche Glaube ist kein Freibrief, etwa die Zehn Gebote zu verletzen. Aber Gottes Gebote sind Hilfen zum Leben und wollen dazu führen, Gott und den Nächsten mehr zu lieben. Darum ehre ich Gott am Sonntag. Darum ehre ich meinen Vater und meine Mutter. Und darum nehme ich meinem Nächsten nichts weg, auch seine Frau nicht.

Was am Ende zählt

Wenn es uns auch schwerfällt, das zu erfassen: Gott liebt seine Menschen – uns, Sie und mich – fast unerträglich intensiv und seine Gebote sind ein Ausdruck dieser Liebe. Und für alle, die diese Gebote übertreten haben, hat er seinen Sohn zur Sühne gegeben, um diese Übertretungen zu vergeben. Darum fragt Gott eines Tages, am Ende, wenn wir alle einmal vor ihm stehen, nicht unbedingt, wie viele Gebote wir gehalten und wie viele wir übertreten haben. Sondern ob wir an seinen Sohn geglaubt, seine Errettung angenommen und in Beziehung zu ihm gelebt haben.

Buchstaben töten, der Geist macht lebendig

Man kann es nicht deutlich genug sagen: Das Entscheidende am Christsein ist nicht, dass man alle Gebote peinlich genau hält. Sondern dass man von innen heraus eine neue Haltung bekommt. Die Tendenz «von Gott weg» wird ersetzt durch einen tiefen Wunsch «zu Gott hin». Das nennt die Bibel «von neuem geboren werden» und «einen neuen Geist bekommen» (nachzulesen im Johannes-Evangelium, Kapitel 3, Verse 5-8). Jesus hat diese armen, von Tausenden von Gesetzen geplagten Menschen in einem dramatischen Aufruf eingeladen, zu ihm zu kommen und die Religion gegen echtes Leben einzutauschen: «Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und unter Lasten stöhnt! Ich werde euch ausruhen lassen. Nehmt mein Joch auf euch, und lernt von mir! Dann findet euer Leben Erfüllung, denn ich quäle euch nicht und habe ein demütiges Herz. Und mein Joch drückt nicht, meine Last ist leicht.» (Matthäus-Evangelium, Kapitel 11, Verse 28-30)

Darum: Lassen Sie sich von Regeln und Geboten nicht abhalten, Gott persönlich zu suchen. Wer mit Jesus angefangen hat zu leben, wird merken: Ich werde von innen verändert, und «seine Gebote sind nicht schwer» (1. Brief des Johannes, Kapitel 5, Vers 3).

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Datum: 28.09.2017
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch

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