Jedem seine eigene Moral?

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Vor ein paar Tagen kam unsere Tochter von der Schule nach Hause und berichtete, dass ihr Fremdsprachenlehrer für die Schüler eine Übungs-CD gekauft hätte und diese nun illegal kopieren wollte, damit die Eltern statt der 40 Fr. nur 1.50 Fr. bezahlen müssten. „Das ist doch nicht recht, Papa!“, meinte meine Tochter.

Nun war ich gefordert zu entscheiden: sollte ich den einfachen Weg gehen und sagen: „Ja, das ist nicht recht, aber die Menschen machen dies halt“, oder musste ich jetzt auch dem Lehrer gegenüber Stellung beziehen? Am gleichen Tag hatte ich schon dem Zoll die Mehrwertsteuer für ein Musikinstrument zur Nachzahlung angegeben, das ein Musiklehrer für uns im Ausland gekauft, aber in die Schweiz hineingeschmuggelt hatte.

Ich gab mir einen Ruck und rief diesen Lehrer an, um ihn zu fragen, wie er dazu komme, dieses Lehrmittel illegal anzuschaffen. Seine Antwort lautete: „Ich bin mir bewusst, dass dies nicht erlaubt ist, aber da es sich um einen Lehrmittelverlag des Kantons handelt, der ja den Schülern zugute kommt, und ich keinen Profit dabei mache, kann ich dies ethisch vertreten. Wenn Sie mich aber anzeigen wollen, dann mache ich es natürlich nicht.“

Ich erklärte ihm, dass dies nicht meine Absicht gewesen sei, sondern es mir darum ginge, dass wir Erwachsenen den Kindern ein gutes Vorbild sein müssen, damit sie lernen, was recht und was unrecht ist.

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Ich spürte, dass der Lehrer diesen Punkt nicht einsah, denn er meinte immer noch, moralisch korrekt zu handeln, und nur aus Angst vor Konsequenzen liess er von seinem Vorhaben ab.

Ethisch vertretbar? Offensichtlich ist Ethik und Recht für uns Schweizer eine dehnbare Angelegenheit. Jeder macht sich seine eigene Moral. Ich auch? Worauf beruht meine Ethik, wenn es um Computerprogramme geht, um die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Strasse, um private Telefonate oder Surfen am Arbeitsplatz? Was gebe ich für ein Vorbild für die nächste Generation ab?

Masse auch ich mir an, selbst zu entscheiden, welche Regeln gut sind oder welche ich nicht einhalten will? Gehe ich so auch mit Gottes Ordnungen in der Bibel um, indem ich selbst bestimme, was moralisch vertretbar ist und was nicht?

Wenn wir nicht eine feste Grundlage für unsere Entscheidungen haben, dann werden wir immer in Gefahr sein, “ein Auge zuzudrücken“ oder den Kopf in den Sand zu stecken. Nur wenn wir unser Verhalten nach dem Massstab Gottes richten anstatt umgekehrt die Bibel unseren eigenen Bedürfnissen anpassen, werden wir gute Früchte ernten und der nächsten Generation eine Basis hinterlassen, auf der sie wirklich leben können.

Datum: 18.05.2003
Autor: Daniel Schönenberger
Quelle: Männerforum

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