Sehnsucht nach einer heilen Welt

\"Wie ein Kind in den Armen seiner Mutter ...\"

Zoom
Ruhig und geborgen: Viele erwachsene Menschen wünschten sich manchmal, wieder in den Armen der Mutter liegen zu können.
Besinnliche Adventszeit! Frohe Weihnachten! - Mit diesen Wünschen verbindet sich oft die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Doch gerade in dieser Zeit erfüllt sie sich für viele Menschen eben nicht. Die Frage bleibt: Wie finden wir zu mehr Geborgenheit?

Ein Urbild für Geborgenheit ist das Bild einer Mutter mit ihrem Kind in den Armen. Auch die Bibel verwendet dieses Bild, das für die meisten tiefste Geborgenheit ausdrückt: "Wie ein Kind in den Armen seiner Mutter, so ruhig und geborgen bin ich bei dir!" (Psalm 131,2). Manche können sich daran erinnern, wie sie auf dem Schoss ihrer Mutter gesessen haben. Anderen gelingt dies nicht. Aber ein Ahnung davon, was das heissen muss, geborgen zu sein, die hat fast jeder.

Weihnachten - ein Trugschluss?

Irgendwann werden wir grösser, werden erwachsen, und der Platz auf dem Schoss der Mutter ist nicht mehr angemessen. Wir müssen hinaus in die "feindliche" Welt, die in der Regel wenig Geborgenheit bietet. Wir müssen uns dem Lebenskampf stellen. Doch eigenartigerweise bleibt in uns die Sehnsucht des Kindes erhalten, die Sehnsucht nach einem Ort, wo wir uns so geborgen fühlen können wie damals in den Armen der Mutter.

Dass das Weihnachtsfest in unserer westlichen Welt nach wie vor eine so grosse Bedeutung hat, trotz fortschreitender Säkularisierung, hängt möglicherweise mit dieser Sehnsucht zusammen: Noch einmal oder endlich einmal eine so heile Welt erleben dürdfen; Vater, Mutter, Kind, eine "heilige" (heile) Familie. Trotz aller Ärmlichkeit strahlt für uns das Bild vom Stall und der Krippe Wärme, Geborgenheit und Schutz aus. Es trifft auf eine Sehnsucht, die offensichtlich viele mit sich herumtragen. Und das ganze "Drumherum" des Weihnachtsfestes ist darauf ausgerichtet, dieses Gefühl von Geborgenheit noch zu verstärken. Umso ernüchternder ist es für viele, am oder nach dem Weihnachtsfest zu erleben, wie sich alles als ein Trugschluss herausstellt und ihre Sehnsucht halt doch nicht gestillt wurde.

Flucht vor der Sehnsucht

Heraufbeschworene Gefühle an Weihnachten stillen also unsere Sehnsucht nicht. Manche versuchen sie mit Drogen oder Alkohol "einzulullen". Sie fliehen vor der harten, ungeborgenen Wirklichkeit. Andere "übertönen" ihre Sehnsucht damit, dass sie sich auf die ständige Suche begeben nach dem einen besonderen Erlebnis. Sie flüchten sich über die Feiertage in den Urlaub an einem fernen Traumstrand. Wieder andere decken diese Sehnsucht mit Arbeit und Aktivitäten zu. Alle diese Wege bringen zwar kurzfristige Befriedigung - langfristig kehren sie sich oft ins Gegenteil und entfalten eine zerstörerische Kraft.

Zoom

Ein Gegenüber

Wo aber kann man seine Sehnsucht stillen? Wieder auf den Mutterschoss zurückkehren, das geht ja nicht. Aber wo sonst? Unser lebenslanges Gegenüber, das uns liebt, ist Gott selbst. Er hat uns Menschen geschaffen als sein Gegenüber. Er will mit uns in einer tiefen Beziehung leben. Unsere ungestillte Sehnsucht ist die Sehnsucht nach dieser Verbindung mit Gott. Und die geht noch viel weiter zurück als die Verbindung zu unserer Mutter. Gott kannte uns, ehe wir im Mutterleib bereitet waren (Jeremia 1,5). Umso tiefer ist darum auch unsere Sehnsucht. Wir können sie nur bei ihm stillen. Die Frage ist darum: Wie kommen wir mit Gott so in Berührung, dass unsere Sehnsucht nach Geborgenheit gestillt wird?

Seine Liebe spüren

Kehren wir kurz zurück zum Bild der Mutter und zu einer Szene, die man oft beobachten kann: Ein Kind fällt hin, weint und läuft zu seiner Mutter. Die nimmt es für einige Augenblicke auf den Schoss, hält es fest, streichelt es vielleicht, und nach kurzer Zeit läuft das Kind getröstet wieder davon. Viele Worte müssen da gar nicht gefallen sein. Das Kind hat die Liebe der Mutter gespürt, und das hat alles wieder gut gemacht. Etwas ganz Ähnliches geschieht bei Gott: Wir suchen im Gebet seine Gegenwart, stehen einfach vor ihm, ruhen bei ihm aus und legen ihm unser Leben hin, unsere Schuld, unsere Unzulänglichkeiten. Dadurch können wir genauso gestärkt und getröstet werden wie dieses Kind. Im Gebet mit Jesus finden wir den ganzen Frieden und die ganze Geborgenheit, die wir ursprünglich gesucht hatten.

Der Weg führt in die Stille

Der Mensch von heute findet jedoch kaum mehr die Ruhe. Meistens sind wir sehr aktiv. Gehetzt und geplagt lassen wir uns an Weihnachten nieder, um dann doch noch für wenige Stunden Frieden zu finden. Erfahrungsgemäss führt das aber nur selten zum Erfolg. Der andere Weg besteht darin, dass wir Jesus unsere ganze Aufmerksamkeit schenken, ihm gewissermassen unser ganzes Herz hinhalten. Wenn wir einfach einmal still sind und schweigen und Gott Raum geben für eine Begegnung, dann kann er uns mit seiner Liebe berühren. Er wird uns durch seine Gegenwart das Gefühl vermitteln, dass wir bei ihm geborgen sind. Ob sich dafür nicht doch ein Moment der Stille finden lässt?

Ulla Schaible, Jahrgang 1943, leitet zusammen mit ihrem Mann den "Wörnersberger Anker" in Wörnersberg im Schwarzwald, ein christliches Lebenszentrum für junge Menschen. Sie hat zwei erwachsene Kinder. Sie ist Autorin von Artikeln in christlichen Zeitschriften und hat auch einige Bücher veröffentlicht. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt liegt in der Beratung und Seelsorge.

Autorin: Ulla Schaible

Freie Überarbeitung: Livenet, Antoinette Lüchinger


Quelle: Chrischona Magazin

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige

RATGEBER

Berater Markus Züger Ist das, was ich tue, nachhaltig?
Bewirkt unser Handeln etwas über den Tag hinaus? Wie finde ich heraus, was für Nachhaltigkeit sorgt...