Sinnsuche im Radio

Popsongs mit Tiefgang

Während der Urlaubszeit dreht sich nicht alles um Sommer, Sonne und Strand. Der deutsche Radiosender hr1 bringt mit seinen «Sonntagsgedanken» bereits das sechste Jahr in Folge die Sinnsuche ins Radio: Acht Wochen lang sprechen verschiedene Kirchenleute aus christlicher Sicht zu internationalen Popsongs und deren Bedeutung.

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Xavier Naidoo
Dahinter steckt, dass die meisten Musiker, selbst wenn sie sich selbst nicht als Christen bezeichnen würden, irgendwann einmal Themen wie den Sinn des Lebens, den Umgang mit dem Sterben oder die Frage nach Gott aufgreifen. Katholische, evangelische und freikirchliche Kirchenvertreter geben in den «Sonntagsgedanken» auf hr1 ihre Gedanken zu solchen Liedern aus den letzten Jahrzehnten weiter.

Xavier Naidoo und «Dieser Weg»

Im Gedächtnis geblieben ist dieser Song als Ohrwurm zur Fussball-WM 2006 in Deutschland. Doch eigentlich schrieb Xavier Naidoo ihn als Onkel für sein Patenkind Elijah zur Taufe. Er wollte ihn damit ermutigen, seinen eigenen Weg zu gehen – und ihn gut zu gehen. Es geht darin um Segen, um Rückgrat, um Hoffnung und darum, authentisch zu sein, sich nicht verbiegen lassen. Diese Herausforderung und Ermutigung ziehen viele Hörer aus dem Lied, nicht nur Naidoos kleines Patenkind Elijah oder die deutsche Fussball-Nationalmannschaft 2006. Vielleicht wurde auch darum dieser Song zum erfolgreichsten Titel Xavier Naidoos überhaupt.

Mr. Mister und «Kyrie»

Ein Motorradfahrer ist auf der «Mutter aller Strassen» unterwegs, der Route 66. Während er das überwältigende Panorama des Grand Canyon geniesst, hat er den Eindruck, dass der Wind ihm bis in die Seele bläst. Er denkt zurück an seine früheren Wünsche und Vorstellungen für sein Leben, an Kreuzungen, wo er Entscheidungen getroffen hat, und ruft: Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.

Richard Page, Kopf und Leadsänger der vierköpfigen Band Mr. Mister schrieb das Stück 1985 für deren zweites Album. Der Pfarrersohn hatte lange überlegt, ob er «Kyrie» veröffentlichen sollte. Er hatte Angst, in die christliche Schublade gesteckt zu werden. Doch die Hymne kam und kommt gut an. Offenbar – dies betont Pastor Zels aus Marburg bei seiner Besprechung des Songs – fühlt sich der Biker da draussen wie in einer Kathedrale und hat das Bedürfnis, Gott anzurufen.

Kyrie eleison, down the road that I must travel
Kyrie eleison, through the darkness of the night
Kyrie eleison, where I'm going will you follow
Kyrie eleison, on a highway in the light

Kyrie Eleison, auf der Strasse, die ich reisen muss
Kyrie Eleison, durch die Dunkelheit der Nacht
Kyrie Eleison, wo ich hingehe, wirst du folgen
Kyrie Eleison, auf einer Schnellstrasse ins Licht


Diese «fromme Grundstimmung» nimmt Zels auf und verknüpft sie mit eigenen Stossseufzern. Seine Gedanken fasst er mit der biblischen Unterwegs-Erfahrung von Psalm 121 zusammen: «Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?»

Lieder tragen Botschaft und Gefühle

Die Idee der «Sonntagsgedanken» ist gelungen: Bekannte Songs erinnern uns an Gefühle, die wir «damals» beim Hören hatten. Gleichzeitig verknüpfen die Sprecher deren eingängige Rhythmen mit geistlichen Inhalten und schaffen so eine neue Bedeutungsebene. In Zukunft haben diese Stücke einen frommen Unterton, eine tiefere Bedeutung.

Weitere Stücke auf der diesjährigen Hitliste sind «Kraniche» von Bosse, «Breakdown» von Jack Johnson, «The road to hell» von Chris Rea, «Go gentle» von Robbie Williams, «Fast car» von Tracy Chapman und «Der Weg» von Herbert Grönemeyer. Alle Beiträge sind nicht nur sonntags um 7.45 Uhr zu hören, sondern auch als Podcast erhältlich.

Zur Webseite:
hr-Seite der Sonntagsgedanken

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Datum: 11.08.2014
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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