Angst vor Extremisten

Verunsicherung der Christen in muslimischen Ländern

Seit der Verschärfung des Konflikts und besonders seit Ausbruch des Krieges im Irak befürchten viele gewaltsame Reaktionen gegen Christen im Land selber, aber auch in den islamisch dominierten Staaten.

Christen im Irak, in den umliegenden arabischen Ländern und in den islamischen Staaten in Asien blicken in eine ungewisse Zukunft. Seit dem 11. September, dem anschliessenden Krieg in Afghanistan und der Jagd nach Islamisten sind sie vermehrt von Racheakten bedroht. Dies ist besonders in Pakistan spürbar, wo nach Angaben des pakistanischen Menschenrechtsaktivisten Shahbaz Bhatti im Jahr 2002 in elf Terroranschlägen 40 Christen umgebracht worden seien. Radikale islamistische Organisationen hätten auch schon angekündigt, junge Pakistani als Gotteskrieger nach Irak zu schicken. In den arabischen Ländern ist dagegen auch nach dem Ausbruch des Krieges von konkreten Angriffen auf Christen noch wenig bekannt geworden. Viele Christen hoffen, dass sie noch einmal glimpflich davonkommen könnten. Aber die Furcht ist weit verbreitet.

Aufrufe in den Moscheen

Am meisten bedroht sind die Christen im Irak nicht nur durch den gegenwärtigen Krieg, sondern vielleicht noch mehr durch den Ausgang dieses Krieges. Besonders die chaldäischen Christen könnten wegen ihrer ihnen vorgeworfenen Nähe zum Saddam-Regime Racheakten von Kurden und Schiiten ausgesetzt sein, befürchtet eine Schweizer Hilfswerk-Mitarbeiterin in Jordanien. Gemäss unbestätigten Berichten sollen eine knappe Woche nach Kriegsausbruch etwa 5000 Christen aus Bagdad in den Norden geflohen sein. Ob ihre Flucht mit der Angst vor Racheakten zusammenhängt, ist allerdings nicht klar.

Die muslimische Gemeinschaft empört sich weltweit über den Einmarsch von Amerikanern und Briten in den Irak. Dies sei ein "Kreuzzug der Christen" erklären die Imams in vielen Moscheen rund um den Globus und rufen mit flammenden Worten zum Heiligen Krieg auf. Ein grosser Teil der Bevölkerung in muslimisch geprägten Staaten ist denn auch überzeugt, dass es sich ganz einfach um einen Angriff auf ihre Religion handelt. Gefördert wird diese Ansicht auch durch die Medien in der arabischen Welt, die in ihrer Berichterstattung nur selten die differenziert-kritische Haltung der westlichen Medienwelt einnehmen. Tiefere Gründe lägen auch im Erziehungssystem, wo die Kinder einfach "auswendig" und nicht denken lernten, meint eine Schweizerin, die schon seit über 20 Jahren im Nahen Osten lebt. Eine differenzierte Diskussion sei deshalb nicht möglich. So komme es heute im Bus in Kairo schon immer wieder vor, dass plötzlich jemand schreie, die Christen seien an allem schuld. Sie hätten diesen Kreuzzug inszeniert.

Angst vor Extremisten

Von tätlichen Übergriffen auf Christen in Kairo ist bisher nichts bekannt geworden. Durch die häufigen Protestkundgebungen sei die Lage sehr gespannt, schreibt die dort ansässige Schweizerin. Besonders kurz vor Kriegsausbruch hätten die Christen sehr grosse Angst gehabt. Inzwischen hätten sie aber gesehen, dass die Situation für sie nicht drastisch schlimmer geworden sei. Sie müssten aber damit leben, dass sich die Fronten in den letzten Jahren zusehends verhärtet hätten. Wahrscheinlich bestehe in Kairo weniger die Gefahr von durchorganisierten Angriffen auf Christen. Übergriffe träfen einfach diejenigen, die zur falschen Zeit am falschen Ort seien, so die Schweizerin.

Als am 25. März das britische Kulturzentrum in Beirut explodierte, zeigte sich der jordanische Leiter einer kleinen Hausgemeinde in Beirut erschrocken: "Mit dem Krieg im Irak als Vorwand versuchen nun einige radikale Muslime, die Parteien im Libanon wieder gegeneinander aufzuhetzen", sagt der jordanische Christ. Im allgemeinen habe sich aber die Situation der Christen im Libanon nicht sichtbar verschlimmert. Die Christen, die etwa 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen und die auch politisch in der Regierung vertreten sind, leben zur Zeit mit etwas Misstrauen, aber doch relativ friedlich neben der moslemischen Mehrheit. Schwieriger sei die Situation aber für die gläubigen Christen aus moslemischen Familien, berichtet ein Schweizer, der zur Zeit im Libanon in christlichen Gemeinden mitarbeitet. Da gebe es immer wieder Berichte von Entführungen, Drohungen und Mord, teilweise auch durch die syrische Geheimpolizei, welche das Land kontrolliere.

Gefahr für Ausländer

Aus Jordanien liegen ebenfalls noch keine Meldungen von Übergriffen auf Christen vor. Eine jordanische Christin sagte der Schweizer Hilfswerkmitarbeiterin in Amman, dass sich die rund fünf Prozent Christen derzeit keineswegs benachteiligt fühlten. Allerdings beklagen sich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur BBC gerade jordanische Christen, dass sie von ihren moslemischen Nachbarn zunehmend verdächtigt würden, Verbündete Amerikas zu sein. Wenn US-Präsident Bush von einem "Kreuzzug gegen den Terrorismus" spreche, habe dies für die Christen im Nahen Osten gefährliche Auswirkungen, zitiert BBC einen jordanischen Christen aus der Stadt Madaba. Unsicherer sei die Situation in Jordanien auch für westliche Ausländer geworden, berichtet eine Schweizer Missionsgesellschaft. So hätten jordanische Christen den Missionaren empfohlen, das Land wenn möglich für eine gewisse Zeit zu verlassen.

Datum: 05.04.2003
Quelle: idea Schweiz

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