Keine billige Sache

Beten im Wirbelsturm

Das Bild berührt: Feuerwehrleute und Sanitäter in North Carolina beten vor einem Haus, in dem gerade eine Mutter und ihr kleines Kind durch einen umgestürzten Baum ums Leben gekommen sind. Auch mitten in Florence: Beten macht tiefen Sinn.

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Sie beten trotzdem: Rettungskräfte in North Carolina
Es gibt Leute, die das Gebet vor allem benutzen, damit das Leben möglichst easy läuft und man vor allem Bösen bewahrt wird. Und es gibt Leute, die diese simpel gestrickte Happiness-Frömmigkeit hassen. Den lieben Gott als Werkzeug nutzen, dass es mir vor allem gut geht? Schon ein oberflächlicher Blick in die Bibel zeigt, dass es so einfach nicht ist.

Natürlich dürfen wir es, aber...

Fangen wir mit dem Positiven und Einfachen an: Natürlich dürfen und sollen wir Gott um Segen, Gesundheit und Wohlergehen bitten. Angefangen vom täglichen Brot über Schutz bis hin zum Gelingen der Pläne und Heilung von Krankheit. In der Bibel werden wir ermutigt, alles Gute von Gott zu erwarten. Gott gibt gern, er segnet gern, er schenkt gern und er heilt auch gern. Seine Güte und Freigiebigkeit sind unübertrefflich.

Unser Leben hat aber auch andere Seiten. Der Krebs geht nicht einfach weg. Es findet sich keine neue Arbeitsstelle. Und trotz allem Beten falle ich durch die Prüfung. Was dann? Wenn wir ehrlich sind, hält ein oberflächliches Happiness-Christentum nicht lange der Realität stand. Es gibt Schönwetter-Zeiten, aber es gibt auch den Wirbelsturm. Und nicht nur in Carolina steht Menschen das Wasser manchmal bis zum Hals. Was soll hier noch das Gebet? Hat Gott nicht versagt?

Gegeben und genommen

Eine der grossartigsten Seiten der Bibel ist es, dass wir hier so unheimlich ehrliche und ungeschminkte Geschichten, Reaktionen und auch Gebete finden. Es stimmt eben nicht, dass Glaube das Opium des Volks ist. Wenn ein geliebter Mensch an Krebs stirbt, spüren Sie das als Christ genauso wie jeder andere. Hier wird nichts betäubt. In der Bibel (vor allem in den Psalmen, dem Liederbuch des Alten Testaments) gehen die Leute sehr ehrlich mit Gott um. Und als dem reichen Grossgrundbesitzer Hiob an einem Tag seine ganze Familie und sein Besitz genommen wird, ist seine Antwort: «Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Der Name des Herrn sei gelobt.»

Gott mitten im Schmerz

Nein, der lebendige Gott der Bibel ist kein billiger Segnungs-Automat. Er hat selbst den tiefsten Schmerz nicht gescheut – den brutalen Mord an seinem Sohn. Und hier ist der Schlüssel: Durch das Kreuz kehrt sich alles um. Plötzlich macht es Sinn, auch im Schmerz und in der Katastrophe zu beten. Plötzlich sehen wir: Auch in den Wirbelstürmen des Lebens ist Gott auf unserer Seite. Man kann Gott darum seinen Schmerz sagen. Man kann für die Hinterbliebenen beten. Man kann auch seine Hilf- und Ratlosigkeit ausdrücken. Man kann zu Gott schreien «Wo bist du?».

Christen glauben nicht an einen ewig lächelnden Buddha im Himmel, sondern an einen Gott, der uns selbst im Schmerz zugewandt ist – weil er Schmerz kennt. Einen Gott, der mitleidet. Einen Gott, der aber auch tröstet. Einen Gott, dem man darum auch in den tiefsten Tiefen des Lebens unter Tränen sagen kann: «Der Name des Herrn sei gelobt».

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Datum: 20.09.2018
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Jesus.ch

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