Uwe Heimowski

Livenet-Talk: Botschafter für Gott im Bundestag

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DEA-Politikbeauftragte Uwe Heimowski (Bild: Flickr)
Die Bundestagswahl 2021 in Deutschland ist Geschichte – doch Klarheit über eine künftige Regierung oder deren Kurs ist noch längst nicht eingetreten. Uwe Heimowski gibt seine Einschätzung zu den Chancen und Spannungsfeldern.

Wenn Uwe Heimowski sich vorstellt, dann am liebsten als verheiratet mit fünf Kindern, «weil, ganz ehrlich: Das ist das Schönste». Beruflich ist der 57-jährige Pädagoge und Theologe seit 2016 als Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz beim Deutschen Bundestag und der Bundesregierung und vertritt dort auf dem politischen Parkett christliche Interessen.

Zwischen Anfeindung und Respekt

Neben viel Wertschätzung für seine Arbeit erfährt Heimowski natürlich auch Kritik – besonders von Christen. Manchmal sachlich und manchmal unter der Gürtellinie, wenn jemand Politik insgesamt als böse ablehnt und ihm erzählt, dass er täglich anhand des Vaterunsers für ihn beten würde, nämlich: «Erlöse uns von dem Übel.» Auch die Coronafolgen beschreibt er als teilweise schwierig, weil manche Christen denken, sie hätten jetzt keine Religionsfreiheit mehr, dabei «haben wir so viele Freiheiten in diesem Land».

Gerade weil er die Möglichkeit hat, mitzugestalten, im Reden und Tun (vgl. Matthäus Kapitel 7, Vers 24) den Glauben konkret werden zu lassen, war Heimowski einige Jahre lang in der Lokalpolitik aktiv und engagiert sich jetzt für die Evangelische Allianz am Bundestag. Seine Aufgabe dort beschreibt er als begleiten, beten, segnen und prophetisch reden.

Sehnsucht nach Neuanfang

«Im Wahlergebnis spiegelt sich ein differenzierter Wunsch der Gesellschaft: Ein 'Weiter so' kann es nicht geben.» So fasst Heimowski das Ergebnis zusammen. Das in weiten Zügen vorhersehbare Resultat spiegelt nicht nur aktuelle gesellschaftliche Fragen wider, sondern auch eine gewisse Müdigkeit nach 16 Jahren Kanzlerinnenschaft von Angela Merkel. Jetzt sollte etwas Neues kommen – und das bedeutet mehr als Klimaschutzaktivitäten. So ist es spannend, wer sich jetzt mit wem zusammentun wird, um die Regierung zu bilden.

Spaltungstendenzen

Wenn immer wieder unterstrichen wird, dass die Wahl ein «Sieg der bürgerlichen Mitte» sei, dann fehlt Uwe Heimowski dabei ein wichtiger Aspekt: Was die CDU im Westen an die SPD verlor, musste sie im Osten an die AfD abgeben. Hier verschieben sich politische Kulturen und ein Graben wird tiefer, befürchtet er.

Dazu kommt, dass zahlreiche Christinnen und Christen im neuen Bundestag nicht mehr vertreten sein werden, wie zum Beispiel Frank Heinrich aus Chemnitz (Livenet berichtete). Der Politikbeauftragte wünscht sich: «Ein wichtiges Momentum muss sein: Wie kriegen wir dieses Land weiter vereinigt und nicht gespalten.» Dazu gehört für ihn auch, dass die Regierungsbildung zügig vorangeht und Politiker damit signalisieren, dass sie den Wählerwillen umsetzen möchten und keine Machtspiele treiben.

Chancen für ethische Themen

In Bezug auf seine Arbeit erlebt Heimowski oft, dass diese auf die Ablehnung der «Ehe für alle» oder Abtreibung reduziert wird. Beide Bereiche gehören zu seinen Themenfeldern, doch klassisch für die Evangelische Allianz ist ihr Einsatz für Religionsfreiheit und verfolgte Christen. In der letzten Legislaturperiode besprach er vieles davon im «Stephanuskreis» der CDU. Jetzt geht es darum, neue Partner zu finden, um den Abgeordneten Informationen zu diesen Bereichen weiterzugeben.

Weitere wichtige Themen, auf die die Allianz in Form ihres Vertreters immer wieder hinweist, sind: Menschenhandel und Zwangsprostitution, Migration und Flucht, Kinderarmut, gerechte Löhne und natürlich auch die Klimakrise. Gerade die letzteren Bereiche lassen sich vielleicht mit einer eher grünen oder sozialdemokratisch geprägten Regierung leichter besprechen als vorher.

Themen und Menschen ernst nehmen

Bei all diesen Bereichen ist es dem Politikbeauftragten wichtig, sie nicht gegeneinander auszuspielen. «Ich kann mich doch nicht für verfolgte Christen einsetzen und diejenigen vergessen, die wegen des Klimawandels sterben oder ihre Lebensgrundlage verlieren. Das passt nicht!» Beides sei nötig.

Ähnliches gilt für den Umgang mit Wählerinnen und Wählern. Sie wollen mit ihren Anliegen und Ängsten ernst genommen werden. Wer zum Beispiel junge Leute, die nicht ihre feste Stammpartei gewählt haben, sondern nach Gesichtern, Themen und Zukunftsperspektive abgestimmt haben, lächerlich macht, hängt damit eine ganze Generation ab.

Was alle tun können

«Unser Mann in Berlin» ist Uwe Heimowski für viele evangelikale Christen in Deutschland. Doch er wünscht sich auch eine Beteiligung seiner Mitchristen:

  • Im Gebet, wie Paulus schreibt: «für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellung sind» (1. Timotheus Kapitel 2, Verse 1–4).
  • Im Segnen, denn auch Politikerinnen und Politiker brauchen Wertschätzung – und: «Wer betet, kann nicht hassen, und wer segnet, kann nicht fluchen.»
  • In der Horizonterweiterung, denn in der Gesellschaft geht es nicht nur um Partikularinteressen von Kirchen und Gemeinden. Wir sind Teil des Ganzen.
Sehen Sie sich hier den ganzen Livenet-Talk an:

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Datum: 03.10.2021
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

Kommentare

2) ... dafür aber umso mehr die Positionen gegen Abtreibung und Abschaffung von Gottes Schöpfungsordnungen. Die christliche Gemeinde sucht sich ihre Oppositions-Themen nicht aus, sondern diese werden ihr je nach Prägung von der jeweiligen Gesellschaft aufgenötigt. Je nach Zeitgeist sind einmal diese und einmal andere biblischen Werte bedroht. Der biblische Wertekanon aber bleibt immer gleich.
1) Ich frage mich, wie oft Christen sich den oberflächlichen und falschen Vorwurf der Verengung auf Abtreibung und Homosexualität noch anhören müssen. Wie auch Herr Heimowski bestätigt, beschränkt sich christliches Engagement keineswegs darauf, aber es fällt eben nicht besonders auf, weil die anderen Themen nicht quer zum Zeitgeist liegen. Z.B. fiele es in einer klerikal-faschistischen Diktatur, die Abtreibungen verbietet, nicht auf, dass Christen gegen Abtreibungen sind; sie hätten jedoch starken Gegenwind, weil sie für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit sind (wie das in anderen Teilen der Welt der Fall ist). In einer westlichen Demokratie fällt Letzteres nicht auf, ...

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