Gezielt leben

Enttäuscht, begeistert – oder was?

Ostern ist vorbei. Das Geschehen von damals spricht bis heute in unser Tun und Lassen hinein. Sind wir begeistert vom Ostergeschehen oder eher enttäuscht, weil Ostern nichts an unseren Problemen geändert hat? Wie begeisterungsfähig sind wir? Gedanken dazu von Helene Maurer.

Zoom
Ostern ist der Höhepunkt im Kirchenjahr: Die Auferstehung von Jesus stellt alles auf den Kopf. Endlich können die Jünger aufatmen und überschwänglich jubeln. Sie tanzen durch die Strassen und erzählen allen Menschen begeistert von diesem krassen, übernatürlichen Ereignis – könnte man meinen...

Gefühlschaos

Was aber ist passiert? Die mutigen Frauen am Grab bekamen Angst, als ihnen ein Engel die Nachricht übermittelte und anstatt die Männer zu informieren, gerieten sie in Panik und erzählten niemandem davon (Markus-Evangelium, Kapitel 16, Vers 8).

Und die tapferen Männer hatten sich aus Angst vor den Römern so fest eingeschlossen, dass der Auferstandene durch die verriegelte Tür zu ihnen kommen musste, um ihnen den göttlichen «Shalom» bringen zu können.

Die Emmaus-Jünger standen wohl noch unter Schock nach der Kreuzigung, so dass sie nicht checkten, dass es Jesus war, der neben ihnen ging. Von Begeisterung keine Spur.

Wie sieht das bei uns aus? Sind wir neu begeistert vom Ostergeschehen? Gibt es uns Hoffnung für unser Leben und Sterben? Oder sind wir enttäuscht, weil wir gerade an Ostern krank waren und das Wetter schlecht war? Weil Ostern an unseren Problemen auch nichts geändert hat und das Leben weitergeht wie vorher? Ist begeistert leben eine Veranlagung oder ein Zufall – oder eine Entscheidung?

Waren die Jünger begeistert vom Leben?

Ist nach Ostern alles «easy»? Kaum hatten sich die Jünger gewagt, an die Auferstehung von Jesus zu glauben, kam Auffahrt – und weg war er! Danach folgte Pfingsten und die Jünger waren begeistert vom Wirken des Heiligen Geistes.

War Jesus eigentlich begeistert vom Leben?

Jesus war nicht nur begeistert vom Leben – er war das Leben, wie er in Johannes, Kapitel 11, Vers 25 von sich sagt. Ich nehme nicht an, dass Jesus von jedem Schritt begeistert war, als er auf der Erde lebte und sicher nicht während den Verhören und dem Weg ans Kreuz. Aber er war begeistert vom Ziel seines Vaters: Den Menschen eine himmlische Heimat zu geben. Deshalb hat er sich seinem Vater untergeordnet.

Sind wir begeistert vom Leben?

Wir sind wohl auch nicht von jedem Schritt und harten Leidenswegen begeistert. Das müssen wir auch nicht. Aber wir müssen ein Ziel haben, für das wir uns begeistern können, für das es sich lohnt zu leben und zu leiden, trotz Enttäuschungen und Schwierigkeiten. Wie sonst wäre das Christentum überhaupt zu uns gekommen? Wie sonst lässt es sich erklären, dass die kürzlich enthaupteten Christen ein Strahlen auf dem Gesicht hatten?

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Datum: 12.04.2015
Autor: Helene Maurer-Schaffer
Quelle: Sonntagsblatt des «Berner Oberländer»

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