Sergio feiert WM-Titel mit Vaterunser

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Paul Sergio
Es ist eine der merkwürdigsten Szene in der Fussballgeschichte: Brasilien gewinnt den WM-Titel in den USA und die erste Ehrenrunde gehört Gott. Paulo Sergio erzählt:

«3:2 im Elfmeterschiessen - Italien trauert, Brasilien steht Kopf. Zum vierten Mal holen die brasilianischen Kicker den WM-Titel (inzwischen sind es fünf Titel; anm. d. Red.). Noch während sich die Fans im Freudenrausch befinden, erklingt im Mittelkreis plötzlich die erste Zeile des Vaterunsers...
Milliarden Menschen in aller Welt pendeln gerade zwischen Kühlschrank und Fernseher hin und her, um sich für das Elfmeterschiessen im WM Finale zwischen Italien und Brasilien einzudecken. Ich stehe auf dem Rasen des Los Angeles Rose Bowl Stadions und bin einer von vielen »Spielerbetreuern«, da ich beim Elfmeterschiessen - glücklicherweise - nicht ran muss.
Waden werden massiert, Schultern gelockert, und vor allem Wasserflaschen gereicht, denn das Stadion ist ein siedendheisser Kessel. Die Betreuer und Trainer gehen von einem zum anderen, um sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Die Schützen sind jetzt alle bestimmt, und es soll auch gleich losgehen. Wir sind damals vor jedem Spiel immer Hand in Hand auf das Spielfeld gelaufen, um der Welt trotz der grossen Zweifel aus der Heimat unsere Geschlossenheit zu zeigen. So stehen wir auch jetzt an der Mittellinie in einer Reihe und haben die Arme umeinander gelegt.

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Der klitzekleine Moment

Mein Freund Jorginho steht neben mir und beginnt mit dem Kopf nach oben zum Himmel gestreckt laut zu beten. Ich höre, wie er Gott lobt und ihm dankt, hier stehen zu dürfen und stimme mit ein. »Lobpreis« sagen wir Christen dazu. Das bedeutet, dass man Gott nicht um etwas Bestimmtes bittet, sondern ihn einfach lobt, wie es in den Psalmen steht: »Lobt Gott mit Trommeln und Tanz« Psalm 150, 4. Die Trommeln unserer Fans sind unüberhörbar, und unseren besten Tanz haben wir auf dem Rasen für Gott hingelegt, aber jetzt müssen wir noch einen drauf legen. »Loben zieht nach oben«, sagen manche auch zum Lobpreis. Während wir so dastehen und unseren Torwart Claudio Taffarel anfeuern, hat es Baggios Schuss nach oben gezogen. Weit übers Tor. Wir sind Weltmeister! Ich kann es nicht fassen, wirklich Weltmeister. Während alles wild durcheinander läuft und jeder in irgendeinem Jubelknäuel feststeckt, versuche ich einen klitzekleinen Moment, ruhig zu werden, um Gott zu danken, dann wird weiter gefeiert.

Was wenn wir verloren hätten?

Ich weiss nicht mehr, wer auf die Idee gekommen ist, aber plötzlich sagen alle »kommt in die Mitte.« Meine Mitspieler winken hoch auf die Tribünen in die Richtung, wo sie ungefähr ihre Lieben vermuten und laufen zur Mittellinie. Alle Kameras verfolgen jeden Schritt unserer Jubelarie. Als die komplette Mannschaft samt Betreuer im Mittelkreis steht, unglaublich wie schnell das damals ging, schliesslich war es vorher nicht abgesprochen, traue ich meinen Ohren nicht. Ich höre die erste Zeile des Vaterunsers und stimme völlig überrascht mit ein. Die ganze Mannschaft hält sich im Arm und betet geschlossen das Vaterunser.

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Sergio trickst
Auch, wenn manche aus unserem Team damals nicht an Jesus glaubten, war es doch eine spontane Geste des Dankes an Gott und an die Spieler, die in diesen Wochen für sie gebetet hatten. Zu gerne würde ich mir alle Kommentare der Radio und Fernsehkommentatoren zu der damaligen Szene anhören. So was hatte es noch nie bei einer Fussball-Weltmeisterschaft gegeben. Und es ist bis heute einer der unglaublichsten Momente meiner Karriere.

Aber was wäre eigentlich gewesen, wenn wir das Elfmeterschiessen verloren hätten? Wäre die Geschichte meiner Karriere genauso ruhmreich ausgefallen? Ich muss an dieser Stelle einmal ganz ehrlich sagen, dass ich mich sehr über Siege im Fussball freuen kann - klar flippen gerade wir Südamerikaner beim FC Bayern richtig aus wenn es etwas zu Feiern gibt. Aber der Erfolg im Fussball ist nicht wirklich wichtig für mein Leben. Das klingt für den einen oder anderen bestimmt merkwürdig, da es ja schliesslich mein Job ist. Die Antwort liegt weiter oben: »Deus é mais«. »Gott ist mehr«, sagen wir Brasilianer dazu.
Auf meiner Autogrammkarte habe ich mir einen Bibelvers auf die Rückseite drucken lassen: »Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele verliert?« Das steht in Matthäus 16, 26. Und in vierzig Jahren, wenn ich mir als Opa an einem Kiosk meine Zeitung holen gehe, werden die Menschen sogar vergessen haben, dass es jemals einen erfolgreichen Fussballer namens Paulo Sergio gegeben hat.

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Paulo Sergio...

...kam am 2. Juni 1969 in Sao Paolo zur Welt.
...ist verheiratet mit Merly. Kinder: Felipe und Carolina.
...spielte bei Aclimacao Sao Paulo, Novo Horizontino, Corinthians Sao Paulo, Bayer 04 Leverkusen, AS Rom, Bayern München, Al Wahda (VAE) und EC Bahia.
...Bibelverse: Psalm 37,5 & Psalm 91,7 & Jeremia 33,3

Webseiten:
www.fussball-gott.com
www.fussball.jesus.ch

Autor: David Kadel
Quelle. Fussball-Gott.com

Datum: 15.01.2002

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