Werner Woiwode

«Die Pandemie setzt eine Welle des Gebets frei»

Gebetszeiten nehmen während Phasen der Not quantitativ und qualitativ zu, beobachtet Werner Woiwode, Leiter des Verein Abrahams. Livenet interviewte ihn zum Thema Gebet in diesen schwierigen Zeiten … aber auch für dann, wenn «alles in Ordnung» ist.

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Werner Woiwode (Bild: zVg)
Werner Woiwode, Sie leiten den Verein Abraham, bei dem das Gebet eine der Grundsäulen ist. Wie wichtig ist das Gebet während der Pandemie?
Werner Woiwode:
Wenn das Gebet darauf reduziert wird, dass man mit seinen Sorgen und Nöten zu Gott kommen kann, dann ist es wohl jetzt für die meisten zur allergrössten Wichtigkeit geworden. Wir sind aber aufgefordert und eingeladen, als ein (An)Gebot und eine Bitte Gottes, immer zu beten. Es soll weder eine (von vielen) Säulen, noch religiöse Übung sein, sondern Ausdruck einer tiefen, intimen Liebesbeziehung zwischen Vater und Kind.

Und diese Art von Gebet beziehungsweise Kommunikation sollte im Grunde immer das Wichtigste in unserem Leben sein. Erfahrungsgemäss nehmen Gebetszeiten aber gerade in der Not sowohl quantitativ wie auch qualitativ zu. Wenn es dann dazu dient, dass unsere Beziehung zum Vater intensiver, vertrauensvoller und dankbarer wird, dann ist das Wichtigste auf jeden Fall bereits geschehen. «Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schliess die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten», steht in Matthäus Kapitel 6, Vers 6. Durch die Beschränkungen während der Pandemie könnten wir dieser Aufforderung Jesu mehr denn je Folge leisten. Durch das Verbot von Veranstaltungen, Abstand halten und Maskenzwang wird es schwieriger, sich zum gemeinsamen Gebet zu treffen. Da muss und sollte man unbedingt zum Überwinder werden. Wir wissen um den grossen Segen des gemeinsamen Gebetes, wie er in Apostelgeschichte Kapitel 1, Vers 14 und Psalm 133 verheissen ist. Deshalb denke ich, dass wir mehr denn je, zum Gebet zusammenkommen sollten, wo immer es noch möglich ist.

Wie betet man jetzt «am besten»?
Wir müssen das Gebet ja nicht neu erfinden. Es gibt also keine «Masche» oder gewisse «Tricks», die man gerade in dieser Situation anwenden kann, so quasi als Erfolgsrezept. Wir sollen in Echtheit, ohne Heuchelei, unser Herz vor ihm ausschütten, wie das David (Psalm 62, Vers 9) und auch Jesus (Matthäus Kapitel 26, Vers 39) getan haben. Zudem hat Jesus uns mit dem «Unser Vater» das Gebetsmodell schlechthin hinterlassen. Es wird niemals aus der Mode kommen, immer brennend aktuell sein und bleiben, wenn es aus einer Liebesbeziehung zum Vater und zu Jesus gebetet wird. Nicht als ein blutleeres Lippenbekenntnis, sondern als dankbarer Ausdruck tief empfangener Gnade und Erlösung. Wissend und vertrauend, dass ich in der liebenden Hand meines Vaters sicher und geborgen bin, selbst wenn ich Schweres erlebe und durchmache. Wir hatten Anfang der Pandemie, im März, eine Fünf-Minuten-YouTube-Botschaft aufgeschaltet über die «Hoffnung trotz Corona». Teil dieser Botschaft war eine Einladung, dass «Unser Vater» gemeinsam zu beten. Innerhalb einer Woche hatten mehr als 10’000 Personen das Video angesehen. Und hoffentlich mitgebetet.

Wissen Sie von besonderen Gebetserhörungen betreffend Corona?
Für mich ist Corona selber eine «Gebetserhörung» und zwar in zweierlei Hinsicht. Als Gott uns vor rund 28 Jahren berief, war der Grund dafür sein Herzensschrei: «Mein Volk betet nicht. Geht und weckt sie und ruft sie zum Gebet!» Seither beten wir für eine «Gebetserweckung» im Land. Es hat sich seither einiges getan hinsichtlich des Gebetes, aber durch die Pandemie ist noch einmal eine Welle von Gebet freigesetzt worden wie niemals zuvor. Ein weiteres dringendes Herzensanliegen des Vaters ist es, dass schlafende beziehungsweise tote Glieder seines Leibes erweckt werden. Durch die Pandemie sind ehemals laue Christen zu wachen Nachfolgern geworden. Gleichgültige machen sich jetzt ernsthafte Gedanken über ihr Leben. Es sind noch wenige, aber wo das geschieht, sind das wunderbare Gebetserhörungen. Von Gebetserhörungen mit Spontanheilungen oder so haben wir keine Kenntnis. Wir hoffen aber doch, dass Gott auch auf diese Weise seiner Liebe und Zuwendung zu den Menschen Ausdruck verliehen hat.

Man sagt, dass Not beten lernt – was muss man tun, dass der Gebetseffort bleibt, wenn die Krise wieder vorbei ist?
Wenn es dazu geführt hat, dass ich in eine tiefere Beziehung zum Vater, Jesus und seinem Wort gekommen bin, dann möchte ich ihn jetzt noch besser kennenlernen. Und das wird mich unweigerlich zu ihm ziehen, zu seinem Wort und in eine immerwährende Gebetsgemeinschaft. Es wird nicht mehr ein Müssen sein, sondern ein Wollen und Dürfen!

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TeilnehmerInnen der Gebets- und Fastenwoche für die Schweiz
Kommen durch die Pandemie mehr Menschen auf den Verein Abraham zu, um mitzuwirken, mitzubeten oder sich zu engagieren?
Nein. Weil wir kein üblicher Verein mit Mitgliedern sind, hat die Nachfrage nicht zugenommen. Da wir vor allem Gebetseinsätze und -reisen mit Gruppen unternehmen und diese momentan nicht stattfinden können, ist es ruhiger als sonst. Allerdings konnten wir die jährliche Gebets- und Fastenwoche für die Schweiz noch unmittelbar vor Ausbruch der Pandemie ungehindert durchführen. Und auch den Israel-Gebetstag konnten wir im September durchführen.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
In den letzten drei Monaten ist ein Buch entstanden, dass jetzt im Druck ist und dann als E-Book und Druckversion herauskommen wird. Die Übersetzung ins Englische und Französische läuft zurzeit. Der Titel: «Stopp! Notbremsung!! Corona – Segen oder Fluch für die Kirche/Gemeinde?» Es ist eine Botschaft Gottes an seine Gemeinde. Wir beten dafür, dass diese Botschaft wirklich an so viele Menschen wie nur irgend möglich gelangt, gelesen wird und dann auch zu Entscheidungen führen wird, die Gott verherrlichen werden.

Projekt ist wohl nicht der richtige Ausdruck dafür: Seminare, Gebetseinsätze und so weiter planen wir durch die besonderen Umstände eher kurzfristig. Die Tage der Begegnung und die Fastenwoche für unser Land finden, wenn möglich, im Februar oder März 2021 statt. Wir hoffen, die Einsätze in Indien, Pakistan, Burundi und Israel, die dieses Jahr geplant waren, aber ausfielen, ebenfalls im Jahr 2021 durchführen zu können. Nähere Infos dazu findet man jeweils auf der Webseite des Vereins Abraham.

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Datum: 23.11.2020
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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