«Weil sie relevant ist»

Atheist ist besorgt über nachlassendes Interesse an Religionswissenschaft

Theologie und Religionswissenschaft laufen Gefahr, von den Universitäten zu verschwinden, berichtet die «British Academy». Ihr Bericht ergibt einen starken Rückgang der Zahl an Studienteilnehmern für Religion und Theologie. Alex J. O'Connor, Atheist und Philosophie- und Theologie-Student in Oxford, ist besorgt.

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Alex J. O'Connor
«Wein predigen und Wasser trinken», das geflügelte Wort sei an dieser Stelle entsprechend umgekehrt wiedergegeben: Alex J. O'Connor ist zwar Atheist, bedauert aber die abnehmende Zahl von Theologiestudenten. «Das Opium des Volkes; eine universelle und zwanghafte Neurose; ein Mittel zur Kontrolle über diejenigen, die mit ihrer Freiheit nicht umgehen können – selbst die schärfsten Bilderstürmer, die auf dem Lehrplan der Theologie erscheinen, von Karl Marx bis Ivan Karamazov, sind immer gezwungen zuzugeben, dass das Objekt ihrer Kritik ein Ausdruck von etwas tief Menschlichem und eine zutiefst grundlegende Komponente des Sozialverhaltens ist», beginnt Alex O'Connor seine Analyse.

Theologie plötzlich attraktiv geworden

Als er sich für ein Studium der Philosophie und Theologie am St. John's College, Oxford, bewarb, geschah dies aus der Not heraus: «Diese Universität bietet, im Gegensatz zu den meisten anderen, einschliesslich Cambridge, keinen Bachelor-Studiengang in Philosophie allein an, so dass diejenigen, die dieses Studium anstreben, es mit etwas anderem verbinden müssen.»

Die Theologie war für Alex nicht die attraktivste der verfügbaren Optionen; «ich würde eher sagen, sie war die am wenigsten unattraktive, und ich begnügte mich damit, die Kopfschmerzen und Frustrationen zu ertragen, sie als Atheist zu lesen. Bald jedoch begann ich zu erkennen, dass ein Theologiestudium nicht nur für Ordensleute geeignet ist, und zu meiner Überraschung begann ich auch, es zu geniessen.»

Auf Relevanz gestossen

Durch seine Auseinandersetzung mit dem theologischen Wissen «bin ich immer wieder auf Argumente gestossen, die für die dringendsten Fragen der modernen Gesellschaft ebenso relevant sind wie für den religiösen Kontext ihrer ursprünglichen Veröffentlichung».

So begann er, Fragen zu stellen: «Deutet die anthropologische Beobachtung, dass die Religion in isolierten Stämmen unabhängig entstanden ist, auf eine menschliche Tendenz hin, Figuren von unangreifbarer Autorität zu erfinden? Wenn ja, ist dies die gleiche Tendenz, die uns so anfällig für Versprechungen weltlicher Autorität auf Kosten der Freiheit macht? Letzteres ist im Zeitalter der digitalisierten personenbezogenen Daten und der globalen militärischen Zweckmässigkeit von offensichtlicher Bedeutung. Zeigt es eine menschliche Tendenz zum Tribalismus und zur gemeinsamen Identität, die auf übernatürlichen Überzeugungen beruht?»

Königin der Wissenschaften

Er sei geneigt zu glauben, dass der Rückgang darauf zurückzuführen sei, dass mögliche Studenten nicht mehr wissen, was es wirklich bedeutet.

«Die Königin der Wissenschaften hat ihre Krone verloren, und es ist unklar, ob sie sie jemals wiederfinden wird. Wenn sie es jedoch tut, wird es nicht an einer Zunahme der Popularität der Religion liegen, sondern an einer Zunahme der Anerkennung des Wertes ihrer Analyse und Studie, was unbestreitbar ist.»

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Datum: 02.06.2019
Autor: Premier / Daniel Gerber
Quelle: Premier / Gekürzt und übersetzt: Livenet

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