Jesus fordert heraus

«Schluss mit Rück-Sicht!»

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Zurückschauen – das macht man für gewöhnlich, wenn man sich vergewissern oder an etwas erinnern will. Warum aber spricht sich Jesus so heftig dagegen aus, zurückzuschauen? Was soll daran so falsch sein?

Als Jesus unterwegs war, wurde er immer wieder von Menschen angesprochen, die sich ihm anschliessen wollten. Ein Mann, der ihm begegnete, sagte zu ihm: «Ich will dir nachfolgen, Herr; doch erlaube mir, dass ich zuerst noch von meiner Familie Abschied nehme.» (Lukas-Evangelium, Kapitel 9, Vers 61) Der Mann hatte Jesus erlebt und entschloss sich vielleicht spontan dazu, Jesus zu folgen. Das musste er nun erst mal seiner Familie beibringen.

Damit es nicht schief läuft

Jesus reagiert darauf überraschend heftig und sagt zu dem Mann: «Wer die Hand an den Pflug legt und dann zurückschaut, ist nicht brauchbar für das Reich Gottes.» Das soll heissen: Wer einen Pflug führt und dabei zurückschaut, der riskiert, dass es schiefgeht: Sei es, dass die Furche schief wird, der Pflug kaputt geht oder sich der Arbeiter verletzt.

Aber warum reagiert Jesus mit so wenig Verständnis für den Mann, der sich doch nur von seiner Familie verabschieden will? Weil Jesus hier offensichtlich etwas Grundsätzliches deutlich machen möchte: Zurückschauen ist hinderlich, es kann das Vorhaben ausbremsen oder sogar das Gelingen verhindern. Jesus spricht hier vom Reich Gottes. Er will deutlich machen, dass in seinem Bereich, dem Reich Gottes, andere Prinzipien und Regeln gelten.

Strich ziehen, statt ausgebremst werden

Was aber ist am Zurückschauen so schlimm? Es liegt eine Gefahr darin sich zu sehr mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Das kostet Konzentration und Kraft und es verschiebt den Fokus weg vom eigentlichen Ziel. Ja, es kann so weit gehen, dass derjenige, der zurückschaut, nicht nur abgelenkt ist, sondern untätig wird, weil ihn das Zurückschauen ausbremst, vielleicht sogar völlig lähmt.

Warum also in der Vergangenheit verharren, wenn eine Zukunft mit Jesus wartet? Bleiben Sie nicht im Vergangenen, selbst wenn sich das Bisherige bewährt hat und gut war. Und wenn das Vergangene nicht gut war, dann ziehen Sie einen Strich darunter, legen Sie es in Gottes Hand und vielleicht sprechen Sie Vergebung aus oder bitten um Vergebung, wenn das nötig ist, und gehen so befreit und erleichtert weiter.

Kein Loblied auf die «gute, alte Zeit»

So befremdlich es vielleicht für manchen wirken mag, spricht Jesus sich nicht für Rückblicke aus. Doppeldeutig formuliert, gilt das Motto: «Schluss mit Rück-Sicht!» Das wirkt hier, gegenüber diesem Mann, wie eine Zumutung. Wir würden doch eher denken, dass ein Rückblick etwas Gutes ist, weil er zeigt, dass der Mensch nachdenklich ist und fähig zur Reflexion. Und sicher ist dieses Wort kein Aufruf dazu, völlig erfahrungs- und geschichtsvergessen zu sein.

Doch die Bibel singt kein Loblied auf die «gute, alte Zeit» und sie ist auch nicht sentimental. Sie ist vielmehr nach vorn gerichtet, in die Zukunft. Sie kennt keine Nostalgie und fordert immer wieder zu einem neuen Aufbruch auf.

Lassen Sie sich herausfordern, mit dem Blick nach vorne zu leben. Es ist die tägliche Entscheidung eines jeden Menschen, nicht in der Vergangenheit zu leben, sondern jeden neuen Tag als Chance von Gott zu ergreifen und zu gestalten.

Auch Paulus vergisst und schaut nach vorn

Der Lehrer Paulus lebte diese Haltung vor, er war ein entschlossener und dynamischer Mann. Den Christen in Philippi (einer Gemeinde im Norden Griechenlands) beschrieb er seine Einstellung mit folgenden Worten: «Dabei ist mir klar, dass ich dies alles noch lange nicht erreicht habe und ich noch nicht am Ziel bin… Aber eins steht fest: Ich will vergessen, was hinter mir liegt, und schaue nur noch auf das Ziel vor mir. Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit.» (Brief an die Philipper, Kapitel 3, Verse 12-14)

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Datum: 17.02.2019
Autor: Norbert Abt
Quelle: Livenet

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