(H)eilige Suche nach Likes

«Popularitätsevangelium ist das neue Wohlstandsevangelium»

Nicht wenige Christen sorgen sich mehr um die Anzahl Follower und um ihren Ruf in Sozialen Medien als darum, wie sie Gottes Willen für ihr Leben folgen sollen. Zu diesem Schluss kommt Mattie Montgomery, früherer Lead-Sänger der christlichen Band «For Today». Darum will er der modernen Kirche das Thema «Gottesfurcht» vorstellen.

Zoom
Mattie Montgomery
Manche Kirchen erweisen dem Christentum einen grossen «Bärendienst», indem sie lehren, dass sie Gott nicht fürchten müssen, schreibt Mattie Montgomery in seinem Buch «Scary God» (Beängstigender Gott). Dies jedoch sei ein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens – oft aber wird gelehrt, dass man Gott einfach ehren und respektieren müsse.

Eine solche Lehre führe dazu, dass in den grössten Herausforderungen des Lebens Schutz, Sicherheit und Hilfe in weltlichen Quellen gesucht werde. Mattie Montgomery erklärt im Gespräch mit der «Christian Post»: «Es gibt Zeiten, in denen es sich anfühlt, als wäre ich Gott so nahe, dass jede kleine Handlung oder Bewegung zählt, in denen ich so tief in Gottes Gegenwart stecke, dass es keinen Platz für Lässiges gibt.»

«Anfang der Weisheit»

Dies komme in der Bibel konsequent vor, beispielsweise in Sprüche, Kapitel 9, Vers 10: «Die Furcht vor dem Herrn ist der Anfang der Weisheit.» Montgomery: «An einen Gott, der einfach nur nett ist, kann ich mich nicht wenden, wenn ich einen Krieger und einen Helden brauche. Wenn der Feind, der gegen mich ist, wild, unerbittlich, aggressiv und entschlossen ist, kann ich erst verstehen, dass wirklich keine Waffe gegen mich Erfolg haben kann, wenn ich eine Offenbarung über die Heftigkeit meines Gottes habe.»

Er habe beobachtet, dass eine ganze Generation in der Gemeinde «Gott so respektiert wie ihren besten Freund oder ihren Kumpel. Letztendlich ist Gott uns gegenüber freundlich, aber er ist nicht nur unser Freund. Er ist väterlich uns gegenüber, aber er ist nicht nur unser Vater. Er liebt uns, aber er ist nicht nur unser Geliebter.»

Geringere Anerkennung

Wenn man die Gottesfurcht ausblendet, «verringert sich unsere Anerkennung der Göttlichkeit Gottes. Manche begegnen Gott als Freund, Kollege oder Mitarbeiter. Einige Menschen betrachten Gott als eine wohlwollende Kraft am Himmel, die gelegentlich Glück regnen lässt. Aber unser Gefühl der Ehrfurcht vor der Majestät und Grösse Gottes verliert sich, wenn gelehrt wird, Gott zu respektieren, statt Gott zu fürchten.»

Oft werde Gott nicht mehr als Held gesehen. «Er ist nicht unser Champion, er ist nicht unser Retter. Wir müssen Jahwe so betrachten wie einen Champion, der für mich ins Tal hinuntergeht und sich dem Feind stellt, der sich mir widersetzt und der gewinnt, so dass ich nicht einmal mehr kämpfen muss. Wenn wir also Gott als beängstigend betrachten können, dann sind wir mehr als glücklich, ihn für uns ins Tal zu schicken.»

Popularity Gospel

Besonders der Social-Media-Generation wurde beigebracht, dass am wichtigsten ist, beliebt zu sein, kritisiert Mattie Montgomery: «Dein Wert als Person wird in erster Linie durch die Anzahl der Follower definiert, die du auf den Sozialen Medien hast. So haben wir die Idee des Selbst auf eine Ware reduziert, die gekauft und verkauft werden soll. Wir vermarkten uns selbst. Wir vermarkten nicht nur ein Produkt, sondern wir verkaufen uns selbst.»

«Kaufen» die Menschen das «Produkt» nicht, sieht man sich als Misserfolg. «Ein Freund von mir sagte einmal: 'Wenn die primäre Täuschung der Generation unserer Eltern das Wohlstandsevangelium war, ist die primäre Täuschung unserer Generation das Popularitätsevangelium. In der Generation unserer Eltern wurde uns beigebracht, dass der Beweis für Gottes Hand im Leben eines Menschen sein finanzieller Wohlstand war. Ebenso bringt man unserer Generation bei, dass der Beweis für Gottes Hand im Leben eines Menschen seine Popularität ist, wie viele Menschen er erreicht, wie viele Menschen in seine Gemeinde kommen und ihm in sozialen Medien folgen.»

«Weit über allen Spezialeffekten»

Es habe sich ein Missverständnis eingeschlichen, dass «der Wille Gottes für unser Leben darin besteht, dass wir beliebt oder einflussreich sind. Wenn wir den Herrn über alles andere fürchten und sein Wort und sein Gebot über uns alle ehren, werden wir feststellen, dass er uns für seine Zwecke einsetzen kann. Aber wenn wir versuchen, Worte in Gottes Mund zu legen und verlangen, dass Gott uns hilft, populärer oder einflussreicher zu werden, werden wir eines Tages feststellen: 'Ich hatte viele Anhänger in sozialen Medien, aber ich habe die Zeit verschwendet, die Gott mir gegeben hat'. Das wünsche ich niemanden!»

Man verpasse etwas: «Die Art und Weise, wie die Nähe zu Gott in der Bibel beschrieben wird, ist unglaublich, unvorstellbar. Es ist weit über alle Spezialeffekte hinaus, die wir uns vorstellen können. Wir sind eingeladen, uns Gott in Freiheit und Vertrauen zu nähern. Wenn wir also durch das Blut Christi Zugang zu ihm erhalten haben, bedeutet das, Gott zu fürchten, ihn so deutlich zu sehen, dass seine Attribute in der Lage sind, uns zu schockieren und (...) uns von innen heraus zu verändern und zu revolutionieren, wer wir sind und wie wir die Welt sehen.»

Um dies voranzutreiben, gründete Montgomery 2018 den Dienst «Awakening Evangelism», der die Online-Evangelisationsschulung namens «BASE» anbietet.

Zum Thema:
Wohlstandsevangelium: «Eine Beleidigung: Jesus wird zum Lotterielos gemacht»
Statt Wohlstandsevangelium: «Das Ewige ist der beste Reichtum»
Digitalisierter Glaube: Wie Smartphone und Soziale Medien das Christsein verändern

Datum: 16.01.2019
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Christian Post / Übersetzung & Kürzung: Livenet

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige