Unerfüllter Kinderwunsch

15 Dinge, die man niemals sagen sollte

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Der unerfüllte Wunsch nach eigenen Kindern verursacht Trauer und Wunden in betroffenen Paaren. Wenn dann obendrein Freunde oder Verwandte unsensible Kommentare diesbezüglich machen, ist das weder hilfreich noch angemessen. Dave und Logan Mynatt blieben selbst jahrelang kinderlos. Sie geben in ihrem Blog Tipps, welche Sätze und Kommentare man als unterstützender Nahestehender unbedingt vermeiden sollte…

«Ich habe genau das umgekehrte Problem: Wenn mein Mann nur in den Raum kommt, werde ich schon schwanger…»
Das ist super für Sie – aber so ein Kommentar ist nicht aufbauend für jemanden, der nicht schwanger werden kann. Ausserdem dreht es die Aufmerksamkeit auf Sie, verändert aber nichts an der Situation. Vergleichen Sie also deren Unfruchtbarkeit nie mit der eigenen Fruchtbarkeit.

«Entspannt euch einfach, dann wirst du schon schwanger»
Diesen «Tipp» erhalten unfruchtbare Frauen sehr oft. Aber er ist unangemessen, weil er einfach falsch ist. Obwohl Stress und Anspannung die Fruchtbarkeit in gewisser Weise beeinflussen können, ist Entspannung kein Heilmittel bei Unfruchtbarkeit. Wenn es stimmen würde, wäre die Erde viel bevölkerter… Es ist genauso, wie wenn Sie einem Krebskranken sagen: «Entspann dich nur, dann wirst du gesund!»

Warum adoptiert ihr nicht?
Adoption ist eine wunderbare Möglichkeit, aber sie ist nicht für alle Paare eine Alternative. Manche möchten ihren Traum eines eigenen Kindes einfach nicht aufgeben. Andere kommen aufgrund von gesundheitlichen Problemen, Hintergrund oder aus finanziellen Problemen nicht für eine Adoption infrage. Und es ist recht wahrscheinlich, dass das Paar bereits über Adoption nachgedacht hat – es wird es Ihnen schon mitteilen, wenn es sich für eine Adoption entscheidet.

«Habt Geduld – wenn es Gottes Wille ist, wird er euch ein Kind schenken.»
Manche Leute sagen auch: «Gott wird euch ein Kind schenken, wenn ihr bereit seid» oder «Vielleicht will Gott euch zeigen, dass ihr keine Kinder haben sollt»… Solche Kommentare sind wohl die unsensibelsten, die am stärksten verletzen. Denn niemand kennt Gottes Willen und mit so einem Kommentar legt man Gott Worte in den Mund. Es ist so, wie wenn man der Mutter eines sterbenskranken Kindes sagen würde: «Vielleicht will Gott dir zeigen, dass du keine Mutter mehr sein sollst» oder einem Elternteil, dessen Kind entführt wurde: «Sei geduldig; wenn es Gottes Wille ist, wird dein Kind wieder gefunden…» Ich glaube durchaus, dass Prüfungen wie Unfruchtbarkeit Charaktereigenschaften wie Ausdauer entwickeln und dass Gott dadurch wirkt. Aber ich glaube nicht, dass alle Tragödien Gottes Wille sind und niemand sollte einfach davon ausgehen.

«Warum kauft ihr euch keinen Hund?»
Haustiere sind toll, aber sie sind nicht dasselbe wie ein Baby.

«Sobald ihr ein Kind adoptiert, werdet ihr bestimmt schwanger!»
Ja, so was kommt vor, aber nach den Statistiken ist es sehr selten. So ein Kommentar beinhaltet zudem, dass ein biologisches Kind besser ist als ein adoptiertes – so etwas sollte man niemals sagen.

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Dave und Logan Mynatt (Bild: Facebook)
«Der oder die hat auch keine Kinder…»
Das ist nicht sehr tröstlich. Das ist so, wie wenn man einer schwerkranken Person sagen würde: «Naja, Tante Martha ist auch an Krebs gestorben…»

«Habt ihr schon (irgendeinen Tipp oder Ratschlag) ausprobiert?»
Ganz sicher haben sie das schon probiert… Recht wahrscheinlich wird Ihr Tipp ihnen nicht weiterhelfen. Tipps sollten nur gegeben werden, wenn Sie bereits früher in genau derselben Situation gesteckt haben wie Ihr Gegenüber.

«Ich geb dir gerne meine Kinder ab…»
Kein Kommentar…

«Aber wenigstens habt ihr…»
Jeder Kommentar, der mit «wenigstens» oder «zumindest» beginnt, wird einem unfruchtbaren Paar nicht weiterhelfen. Sicherlich wissen die beiden, wie toll es ist, verheiratet zu sein, einen guten Job zu haben oder was auch sonst. Aber so ein Kommentar minimiert das Problem der Kinderlosigkeit – es ist in keinem Fall hilfreich.

«Wieso probiert ihr es nicht mit künstlicher Befruchtung?»
Auch dies ist meist ein gutgemeinter Rat, der aber letztlich ganz schön einmischend ist. Viele Paare haben gemischte Gefühle über künstliche Befruchtung – häufig empfinden sie, dass es moralisch und ethisch nicht vertretbar ist. Seien Sie also vorsichtig mit solchen Kommentaren – und seien Sie sich bewusst, dass sich aufgrund der enormen Kosten viele Paare eine solche Behandlung nicht leisten können.

«Geniesst die Zeit ohne Kinder»
Häufig wird kinderlosen Paaren empfohlen, die Zeit mit Reisen oder Hobbies auszunutzen und zu geniessen. Aber ehrlich gesagt ist das vermutlich nicht das, was sich das kinderlose Paar in dem Moment wünscht – und es ist nicht leicht, etwas zu geniessen, was man nicht so geplant hatte. Vermutlich geben sie zudem viel Geld für Behandlungsmöglichkeiten und Therapien aus – nicht für teure Ferien.

«Ich verstehe dich – ich brauchte auch fünf Monate, bis ich schwanger war…»
Es sind zwei völlig unterschiedliche Situationen, ob jemand ein halbes Jahr braucht, um schwanger zu werden, oder ob eine Unfruchtbarkeit diagnostiziert wird. Sicherlich wollen Sie mit diesem Kommentar irgendwie helfen, aber es ist am besten, nichts zu vergleichen.

«Warum macht ihr nicht Urlaub – vielleicht hilft das?»
Das ist eine tolle Idee, wenn Sie dafür zahlen möchten. Aber auch ein Urlaub kann kein medizinisches Problem heilen…

«Wenn ich gewusst hätte, wie schwierig Kinder sein können, hätte ich keine bekommen…»
Das ist ein äusserst negativer Kommentar und wird niemandem helfen. Auch hier wird der Fokus der Unterhaltung auf Sie gelenkt. Und vielleicht hat Ihre Freundin, die mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen hat, mehr Geduld oder bessere Fähigkeiten zum Muttersein als Sie – gehen Sie nicht davon aus, dass sie so ist wie Sie.

Wie kann man dann helfen?

Sie müssen sich bewusst sein, dass Unfruchtbarkeit ein Trauerprozess ist. Ein Paar, das keine Kinder bekommen kann, trauert um einen geplatzten Traum, um etwas, das sie vielleicht von klein auf so geplant hatten. Das beste, was Sie tun können, um dem Paar zu helfen, ist zuzuhören, für es zu beten und es in dieser schwierigen Zeit auf praktische Weise zu unterstützen.

Livenet-Talk zu Kinderlosigkeit

Bei jedem fünften Paar in der Schweiz geht der Wunsch nach Kindern nicht in Erfüllung. Im Livenet-Talk vom Donnerstag, 5. November 2020, erzählen Christa und Tiziano Colella sowie Rachel und Martin Stoessel, wie sie mit dem unerfüllten Kinderwunsch umgehen.
 
Weitere Informationen und die Möglichkeit, sich mit anderen kinderlosen Paaren zu vernetzen, unter www.unerfuellterkinderwunsch.ch.

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Datum: 02.11.2020
Autor: Logan Mynatt / Rebekka Schmidt
Quelle: http://stringoffaith.blogspot.com / Übersetzt und bearbeitet von Livenet

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