...und kein bisschen leise

Manfred Siebald wird 70

Er ist der wohl bekannteste christliche Liedermacher im deutschsprachigen Raum. Seine Lieder und Texte prägen die kirchliche Musikszene seit 50 Jahren. Theoretisch ist er seit einiger Zeit im Ruhestand, aber praktisch ist der emeritierte Professor nicht zu bremsen: Im Oktober feiert Manfred Siebald seinen 70. Geburtstag.

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Manfred Siebald
Wenn Manfred Siebald auf der Bühne steht, eine seiner akustischen Gitarren spielt und dazu singt, dann hat das eine unaufdringliche Präsenz. Er ist ein Mann der leisen Töne. Der Wortspiele. Der Gedanken, die man noch aus dem Konzert mit nach Hause nimmt und weiterbewegt.

Der Kreuzschnabel

Siebald lehrte viele Jahre als Professor für Amerikanistik an der Universität Mainz. Auch in diesem akademischen Rahmen machte er nie ein Geheimnis aus seinem christlichen Glauben. Daneben begleitete ihn die Musik schon seit seiner Kindheit. Kurz nach dem Abitur stand er bereits mit eigenen Liedern auf der Bühne. Parallel zu seiner Tätigkeit an der Universität konnte er in der Regel nur an Wochenenden auftreten, was der Liedermacher regelmässig tat. Immer wieder wurde er wegen seiner christlichen Einstellung und seiner Musik für einen «komischen Vogel» gehalten. Das griff er in einem seiner Lieder auf:

«Ich werd wohl ein Kreuzschnabel sein…
Nicht der Legenden wegen, die man um den Schnabel spann,
nicht weil ich kreuz und quer gesungen hab.
Nein, einfach, weil ich nicht vom Kreuz den Schnabel halten kann
und von dem Mann, der dort sein Leben gab.»

Das Leben ist voller Lieder

22 Studioalben veröffentlichte Manfred Siebald bisher und zahllose Texte darüber hinaus. In seinem Un-Ruhestand geniesst er den Freiraum, mehr Zeit als früher für die Musik zu haben. Er nimmt zwar noch einige Aufgaben an der Universität wahr – dafür arbeitet er einfach zu gerne –, aber diese füllen seinen Kalender nicht mehr. So erzählt er in einem Interview mit jesus.de: «Ich schreibe still vor mich hin und schaue, ob und wann es ein weiteres Album geben wird. Mich drängt ja kein Verlag und keine wirtschaftliche Notwendigkeit dazu, schöpferisch tätig zu sein, denn ich hatte und habe durch meinen universitären Beruf genug zum Leben. Die Einnahmen aus den Konzerten gehen seit 50 Jahren alle in die Mission und in die Diakonie.» An Ideen mangelt es Siebald jedenfalls nicht: «Ich sage immer: Das Leben ist voller Lieder. Die Bibel ist voller Lieder. Man muss sich nur ein bisschen bücken, um sie aufzuheben.»

Von Standpunkten und Flexibilität

In all den Jahren auf der Bühne hat sich Manfred Siebald verändert – und ist sich doch treu geblieben. Für diese Spannung stehen irgendwie bereits seine ersten beiden LP-Titel aus den 1970er-Jahren. Es begann mit festen Standpunkten auf der Platte «Da steh ich nun». Diese Standpunkte und dieses Festhalten mehr an Gott als an bestimmten Positionen prägen seine Lieder bis heute. Dabei hat sich der Liedermacher allerdings nicht nur musikalisch weiterentwickelt. «Ich gehe weiter» war der Titel seiner zweiten Platte. Und tatsächlich ist er mit seinen Themen und Liedern bis heute in Bewegung. Immer wieder setzt er Gott neu in Beziehung zu seinem Alltag, und diese Frische spürt man seinen Stücken ab.

Ins Wasser fällt ein Stein

Zahlreiche Lieder Siebalds sind in den unterschiedlichsten Liederbüchern der verschiedenen Kirchen und Gemeinden zu finden. Viele Stücke sind nur zum Zuhören geeignet (wie das «Kreu zwor trätsel»), etliche sind absolut kindertauglich (wie die «Ballade vom harten Frühstücksei»), andere fehlen in keinem Gottesdienst («Geh unter der Gnade») oder bei keiner Evangelisation («Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin»). Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag wird eine CD-Sammlung mit allen bisherigen Titeln erscheinen. In einem Begleitbuch findet man die Texte – und noch etliche bisher unveröffentlichte dazu. Damit kann die Botschaft Manfred Siebalds das, was sie schon die letzten 50 Jahre tat: Kreise ziehen. So, wie es in seinem wohl bekanntesten Lied heisst:

Ins Wasser fällt ein Stein,
ganz heimlich, still und leise;
und ist er noch so klein,
er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes grosse Liebe
in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort
in Tat und Wort
hinaus in uns're Welt.

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Datum: 10.10.2018
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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