Die Gute Nachricht nach C.S. Lewis

„Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ kommt ins Kino. Die höchst aufwändige Verfilmung des Kinderbuchklassikers von C.S. Lewis löste schon im Vorfeld heftige Diskussionen aus. Umstritten sind vor allem die christlichen Parallelen, die in Lewis’ Märchengeschichte vorkommen.

Die Story von „Der König von Narnia“ ist im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch: Zur Zeit des Zweiten Weltkrieg werden die vier Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy in ein altes Landhaus evakuiert. Dort entdeckt Lucy beim Versteckspiel einen mysteriösen Wandschrank – als sie hineinsteigt, stösst sie zu ihrem Erstaunen nicht auf die Rückwand, sondern auf tief verschneite Bäume und eine einsame Gaslaterne. Lucy hat die zauberhafte Welt von Narnia entdeckt, wo Fabelwesen und sprechende Tiere leben und die Weisse Hexe es immerzu Winter sein lässt (und niemals Weihnachten).

Als Edmund, Suse und Peter nachkommen, ist ihnen die Weisse Hexe auf den Fersen. Eine Prophetie besagt nämlich, dass vier Menschenkinder das Ende ihrer Herrschaft ankündigen. Die Hexe schafft es, Edmund zum Verrat an seinen Geschwistern zu verführen – doch in letzter Minute schreitet Aslan ein, der grosse Löwe und rechtmässige König von Narnia.

Allegorie oder nur Märchen?

Mehr als 50 Jahre ist es her, seit der englische Autor Clive Staples Lewis (1898-1963) das Land Narnia ersonnen hat. Mit der Verfilmung des Buchs „Der König von Narnia“ kehrt jetzt das Abenteuer in neuer Form zurück. Verantwortlich für die 200 US-Doller schwere Kinoversion ist „Shrek“-Regisseur Andrew Adamson, der sich zum religiösen Bezug der Geschichte bedeckt hält: „Ich werde es auf die gleiche Weise wie ‚Shrek’ anpacken und einen Film machen, der auf unterschiedlichen Ebenen funktioniert. Es wird für alle etwas haben“, meinte der Neuseeländer schon vor den Dreharbeiten. Der Film sei in dieser Hinsicht genau wie das Buch – eine solide Abenteuergeschichte, die man zwar religiös verstehen könne, aber nicht muss.

Für C.S. Lewis selbst war es selbstverständlich, seinen Glauben in die Geschichte einfliessen zu lassen. Missionieren wollte er damit aber nicht: „Manche Leute scheinen zu denken, [...] ich hätte eine Liste der grundlegenden christlichen Wahrheiten angefertigt und mir ein paar Allegorien ausgedacht, um diese zu verdeutlichen“, schreibt Lewis über seine Inspiration. „Das ist natürlich reiner Unsinn! Auf diese Weise könnte ich kein Wort schreiben. Alles begann mit Bildern: einem Faun, der einen Schirm trägt, einer Königin auf einem Schlitten, einem prächtigen Löwen. Zuerst war nicht einmal etwas Christliches daran; dieses Element schob sich ganz von selbst hinein.“ Mehr als alles andere sind die „Narnia“-Geschichten (insgesamt gibt es sieben Bände) ein Beispiel für die Art und Weise, mit der Lewis die christliche Wahrheit in alle seine Werke einfliessen liess – ob es sich nun um Themenaufsätze oder Romane handelte.

Türkischer Honig, menschlicher Eigensinn

Ein Beispiel für Lewis’ Erzählweise liefert die Szene, in der Edmund der Weissen Hexe Jadis begegnet, die sich als Königin von Narnia ausgibt. Sie redet freundlich mit dem Jungen und offeriert ihm Türkischen Honig, seine Lieblingsspeise. Doch der Leckerbissen ist verzaubert und macht Edmund unersättlich. Die Hexe lässt ihn versprechen, dass er beim nächsten Besuch seine drei Geschwister zu ihrem Schloss führt – erst dann werde er mehr Türkischen Honig erhalten.

Mit der kurzen Episode leitet Lewis die Haupthandlung seiner Geschichte ein – doch gleichzeitig beschreibt er damit, was nach seiner Meinung die Ursache von allem unmoralischen Handeln ist: die Begierde. Sie will eine angenehme Erfahrung gleich noch mal geniessen, anstatt mit dem zufrieden zu sein, was die Gegenwart bietet. Die Konsequenz dieser Einstellung ist die Abwendung von Gott – weil der Mensch denkt, er wisse es besser als sein Schöpfer, der ihm alles im Überfluss gibt. Die Bibel nennt dies Sünde. Lewis war überzeugt, dass jede Person von dieser eigensinnigen Haltung betroffen ist – und lässt entsprechend durchblicken, dass in Edmunds Situation jeder gleich gehandelt hätte.

Urzauber und Verrat

Als Jadis später im Lager des Löwen Aslan auftaucht, greift Lewis das Thema noch einmal auf. „Ihr habt einen Verräter bei euch, Aslan“, beschwert sie sich bei dem Löwen – und verlangt die Herausgabe Edmunds: „Du weisst genau, dass ich das Recht habe, jeden Treuebruch zu richten. Ich habe das Recht, zu töten. Sein Blut ist mein Eigentum.“ Der König von Narnia kann nichts erwidern, denn er weiss: Die Forderung der Hexe geht auf einen Urzauber vom Beginn der Welt zurück – wenn er dagegen handelt, wird ganz Narnia von Feuer und Wasser verzehrt.

Mit diesem „Urzauber“ bringt Lewis eine zentrale Aussage des christlichen Glaubens auf den Punkt: Wer seinen eigenen Wünschen folgt und sich von Gott abwendet, hat den Tod verdient – nicht nur das Sterben, sondern das ewige Getrennt-Sein von Gott und allem, was in der Welt schön und gut ist. Um einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, bietet Aslan der Hexe einen Handel an: Er, ihr Erzfeind, liefert sich freiwillig aus, wenn Edmund dafür die Strafe erlassen wird. Anstelle des Verräters Edmund könne die Hexe ihn töten.

Für einen anderen zu Tode gequält

Mit Aslans Angebot zieht Lewis eindeutige Parallelen zu Jesus Christus, der sich freiwillig zum Tod am Kreuz verurteilen liess. Diese Verbindung zwischen Aslan und Jesus war für C.S. Lewis von Anfang an sehr klar: „Ich sagte mir ‚Stellen wir uns vor, dass es ein Land wie Narnia gibt, und dass Gottes Sohn, genauso wie er in unser Welt ein Mensch wurde, dort ein Löwe geworden ist“, schrieb er in einem Brief. Wie „Der König von Narnia“ in Aslans Opfer gipfelt, war auch Jesus’ Bestimmung in dieser Welt sein Tod, mit dem er für alle Menschen den Zugang zu Gott wieder freimachte. Dass dieser Opfertod nicht das Ende ist, zeigt sich auch in Narnia: „Die Hexe hatte keine Ahnung von jenem tieferen Zauber, der noch weit hinter dem Urzauber waltete“, erklärt der auferstandene Aslan den verdutzen Kindern. „Hätte sie ein wenig weiter dahinter schauen können, dann hätte sie erkannt: wenn sich einer, der nichts verbrochen hat, freiwillig für einen Schuldigen opfert, dann bricht der Steintisch entzwei, und der Tod weicht zurück.“

Die tiefe Freude, die Schönheit und das Gefühl von Abenteuer, das alle „Chroniken von Narnia“ durchzieht, war für Lewis ein Ausdruck seines Glaubens an Jesus Christus. Wie man mit dieser Tatsache umgeht, ist letztlich die Entscheidung jedes Einzelnen – die Auseinandersetzung damit lohnt sich aber auf jeden Fall.

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Bücher, Film und DVD zu Narnia:
Bücher und Filme zu Narnia und C.S. Lewis finden Sie hier.
Webseite zum Film: www.narnia-themovie.ch

Filminfos

Filmstart: 8. Dezember 2005
Regie: Andrew Adamson
Darsteller: Tilda Swinton (Weisse Hexe), Georgie Henley (Lucy), Skandar Keynes (Edmund), Anna Popplewell (Susan), William Moseley (Peter), Liam Neeson (Stimme von Aslan)
Länge: 130 Minuten

Vorschau: Trailer anschauen

Webseiten:
www.narnia-themovie.ch
www.narnia-chroniken.de

Jesus.ch-Dossier: www.narnia.jesus.ch

Datum: 03.12.2005
Autor: Jonas Bärtschi
Quelle: Livenet.ch

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