Ein abschliessender Vergleich

Wenn man Fehler in einem literarischen Werk auflisten muss, ist man nicht zu beneiden. Aufgrund dessen kann sich der Leser in falscher Sicherheit wiegen, so dass er die Gefahren des Gedruckten nicht mehr berücksichtigt. Abschliessend ist es daher vielleicht angemessen, anhand eines Beispiels bzw. Vergleichs zu verdeutlichen, dass Sakrileg zu einem Frontalangriff auf den christlichen Glauben ausholt.

Stellen wir uns vor, dass jemand nicht über Jesus Christus - nach dem sich die Kirche nennt -, sondern über George Washington, nach dem u.a. die US-Hauptstadt benannt ist, einen Roman schreiben soll. Nachdem der Autor zu Beginn den Lesern die Zusicherung gegeben hat, dass sein gesamtes Material auf Fakten beruht, geht er dazu über, das folgende Szenario vorzustellen:

Als ein erfahrener Wissenschaftler in Mount Vernon (im US-Bundesstaat Virginia gelegenes Gut, das sich im Familienbesitz der Washingtons befand) hinsichtlich des ersten US-amerikanischen Landesvaters Recherchen anstellt, wird er ermordet. Während er im Sterben liegt, hinterlässt er seiner Enkelin und ihrem Freund eine lange Spur verwickelter Indizien, die ihnen helfen soll, seine Ermordung zu rächen. Nachdem sie die Indizien - obwohl hochkompliziert - aufgeklärt haben, lernen die beiden schliesslich eine schreckliche Wahrheit kennen:

George Washington gehörte in Wirklichkeit einer Geheimgesellschaft an, die König George III. von England (1738-1820, regierte ab 1760) und seine Frau Sophie Charlotte verehrte. Ja, die US-amerikanischen Niederlagen in der Anfangsphase des Unabhängigkeitskriegs (1775-1783) seien in der politischen Haltung Washingtons begründet: Als waschechter, aber heimlicher Tory (Bezeichnung für ein Mitglied der konservativen Partei in Grossbritannien) habe er im Geheimen über den Mittelsmann Benedict Arnold, seinen unehelichen Sohn, Kolonialkriegspläne an die Briten weitergegeben. (Benedict Arnold [1741-1801] war General in der Kontinentalarmee. 1780 beabsichtigte er, das Fort West Point [die heutige gleichnamige Elite-Militärakademie] für einen hohen Preis an die Briten abzutreten. Als die Verschwörung aufgedeckt wurde, desertierte er zu den englischen Truppen.

In den USA ist der Name "Benedict Arnold" ein Synonym für einen hinterhältigen Verräter. Die Aussage, dass er ein unehelicher Sohn George Washingtons war, ist reine Fiktion [man beachte, dass er nur neun Jahre jünger war als er].) In Yorktown habe sich Washington in Erwartung einer britischen Hilfsflotte darauf vorbereitet, vor General Charles Cornwallis, dem britischen Oberbefehlshaber in dieser Schlacht, zu kapitulieren, doch als der französische Admiral Frangois de Grasse mit seiner aus französischen Schiffen bestehenden Flotte eintraf, um die amerikanische Seite zu unterstützen, musste Washington stattdessen Cornwallis' Kapitulation entgegennehmen.

Gegen Ende seines Lebens schlug Washington jedoch das Gewissen, so dass er ein Bekenntnis schrieb, das er in Mount Vernon mit ins Grab nahm. Der Wissenschaftler, der dieses Bekenntnis entdeckte, wurde dann von der CIA ermordet. Diese befürchtete, dass seine Entdeckung den patriotischen Nimbus des ersten US-Präsidenten zerstören und die Moral aller Amerikaner untergraben würde. Als der FBI und die CIA erfahren, dass die Enkelin und ihr Freund die schreckliche Wahrheit kennen, beginnen sie mit der Verfolgung des Pärchens. Nach einer Reihe entsetzlicher Pannen entkommen die beiden. Doch auch sie werden die "Wahrheit" über Washington nicht preisgeben.

Wenn Leser die amerikanische Geschichte nur oberflächlich kennen, sich aber sehr für Verschwörungstheorien interessieren, könnten sie sich auf solchen wertlosen Schwachsinn durchaus einlassen. Er enthält nämlich - was seine Glaubwürdigkeit angeht - offensichtlich genügend nebensächliche Wahrheiten, erwähnt wirklich existierende Menschen, reale Orte und reale Situationen. Obwohl der Vergleich mit dem Roman Sakrileg sicher unvollkommen ist, hat Dan Brown einen in vielerlei Hinsicht ähnlichen Betrug kreiert. Er ist vor allem deshalb erfolgreich, weil so viele Menschen heutzutage Jesus und den christlichen Glauben nur "bruchstückhaft" kennen.

Autor: Paul L. Maier
Quelle: Dan Browns Sakrileg, Hank Hanegraaff & Paul L. Maier, CLV , ISBN 3-89397-553-5


Quelle: Fossilien: Stumme Zeugen der Vergangenheit

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