9 Bands am Solidfestival

Laute, leise und durchwegs solide Töne

Neun Bands aus sieben Länder standen übers Wochenende am zweiten «solidfestival» in Bülach auf der Bühne. Vor ausverkauftem Haus vermochten sie das Publikum mitzureissen; mit lauten, leisen und durchwegs soliden Tönen.

Bereits eine halbe Stunde vor Türöffnung bildete sich eine gutgelaunte Schlange vor der Stadthalle in Bülach (ZH). Und während drinnen die letzten Soundchecks beendet wurden, sprach RoR*-Chef Lukas Ernst vor versammelten Medien, Sponsoren und Freunden von einem Bubentraum, der in Erfüllung gegangen sei. Nachdem die erste Ausgabe im letzten Jahr ein Erfolg gewesen war und die Stadt die Organisatoren für deren Umsicht lobte, war die zweite Ausgabe vom 31. Oktober 2009 nun mit zweitausend Besuchern ausverkauft und verlief ohne problematische Zwischenfälle.

«Ich war Teil des Problems!»

Frisch von der Leber erklärte ein fröhlicher Paul Colman (Ex-«Newsboys»-Gitarrist) bereits Stunden vor seinem Auftritt seine Songs. Er schilderte seine Gedanken farbenfroh und engagiert: «Das grösste Problem in der Kirche ist nicht Sünde oder Religiosität», bilanzierte Colman in den Katakomben der Stadthalle. Das Problem sei, dass man sich nicht so sehe, wie Gott einen sieht. «Ich hielt meine einmonatige Tochter im Arm. Sie konnte nur schlafen, weinen und essen - und ich war hingerissen. Sie konnte nicht Rad fahren, nicht sprechen, nicht sagen "Vater, ich liebe dich", sie wusste nicht mal, wer ich bin.» Doch sie habe nichts tun müssen, um ihm zu gefallen. «Als ihr Vater war ich von ihr beeindruckt. Und gleich fühlt Gott für uns.»

Das Lied «Solution» etwa habe er in Holland geschrieben, berichtet der Australier. «Es sagt: Sei ein Teil der Lösung nicht des Problems. Ich war lange Teil des Problems. Zur Lösung zu werden heisst sich Gott hinzuwenden. Man kann das im Bett tun, auf dem Klo, in der Wüste oder im Wald. Er fordert nicht viel. Ein "Kann ich zurück zu dir kommen?" und "Peng", ist man da. Durch Jesus. Jesus sagt: "Kommt zu mir!" Ich ermutige die Leute, zu ihm zu kommen.» Auch während seinem Aufenthalt in der Schweiz sei er am komponieren.

Potenzial ausgeschöpft

Sämtliche Bands wussten zu überzeugen, alle schöpften ihr Potenzial aus, sagte Festival-Chef Thomas Liesch: «Sehr gut gefallen hat mir die Band "Pillar". Und bei der letzten Gruppe "HB" waren immer noch viele Besucher in der Halle.» Die finnische Metal-Band mit einer Frau am Mikrofon trat nach Mitternacht auf. «Dass da noch viele bleiben, habe ich gedacht, nicht aber, dass es noch so voll ist.» Die Organisatoren vermuteten, dass nach dem Highlight «Kutless» etliche Musikfans die Heimreise antreten würden, deshalb wurden separate Karten einzig für das «HB»-Konzert ausgegeben, damit das Konzert dieser Band trotz ausverkauftem Haus besucht werden konnte, wenn sich die Reihen zum Schluss lichten sollten. Etwa fünfzig Leute reisten denn auch eigens für den «HB»-Auftritt an.

«Es ist unvorstellbar!»

Zu den Abräumern gehörte auch die britische Band «Verra Cruz». Sänger Marc James berichtete bereits vor dem Konzert, wie sich zum Beispiel ein Lied der Band mit dem Hunger nach Gott beschäftigt und dass ein anderes Werk der Gruppe ein Protestsong ist. «In England wurden viele reich durch den Verkauf von Waffen. Auch haben wir britische Soldaten, die durch Maschinen sterben, die in England hergestellt wurden.» Sein Land sei, seit er lebe, in viele Kriege verstrickt gewesen. In den ersten Irakkrieg oder in den Falklandkrieg gegen Argentinien. «Ich bin mit einer Argentinierin verheiratet. Und ich habe Freunde in Berlin. Es sind Menschen wie wir und es ist unvorstellbar, wie sie in solchen Kriegen versinken können.»

Mit den eigenen Songs wolle man Hoffnung machen. Und James ermutigt: «Es ist wichtig, dass wir nicht passiv sind.»

«HB» erstmals in der Schweiz

Erstmals in der Schweiz auf der Bühne standen die wackeren Finnen der Band «HB». Vergleichbar mit der Metalband «Nightwish», singt bei dieser Formation ebenfalls eine Frau zu sinfonischem Metal, der im Fall von «HB» klar christlich ausgelegt ist. Sängerin Johanna Aaltonen über die neuen Songs: «Wir singen prophetische Teile von Moses und Jeremja - und dies Wort für Wort aus der Bibel.» Dabei gehe es weniger um Zukunftsaussichten, als vielmehr um den persönlichen Glauben.

Die kroatische Band «October Light» trat mit Mojo auf, dem ehemaligen Sänger der «O.C. Supertones». Mojo erklärte, dass demnächst mehrere Konzerte mit den «Supertones» anstehen, offiziell hatte die Band bis 2005 bestanden. Seither steht Mojo öfter mit der kroatischen Ska-Band auf der Bühne, in Bülach räumten die Musiker ordentlich ab.

Veranstalter zufrieden

Gestern Sonntag zog Festival-Chef Thomas Liesch eine positive Bilanz: «Aus unserer Sicht ist es hervorragend gelaufen! Die Stimmung war sehr gut und wir hatten keine Sanitätsfälle wegen Drogen und Alkohol.» Der Anlass wurde suchtmittelfrei gestaltet.

Nun prüfe man einen weiteren Anlass detailliert. Mit etwas Abstand wolle man das Ganze analysieren und entscheiden, wann und wie es weitergehen soll.

* «RoR - Verein neue Jugendkultur Zürcher Unterland». Die Abkürzung «RoR» steht für «Reach our Region» («Unsere Region erreichen»). Dies ist ein Netzwerk kirchlicher Jugendgemeinschaften im Zürcher Unterland.

Webseiten:
www.solidfestival.ch
www.reachourregion.ch

 
Datum: 02.11.2009
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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