Italo-Rocker

«Wir lasen die Bibel – und verstanden nichts»

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Tony (links) und Gianfranco von «Altripercorsi» (Fotos: Irene Gerber).
Die Italo-Rocker von «Altripercorsi» glauben an Gott. Gitarrist Tony De Crescenzo lernte den Schöpfer durch den Tod seiner Cousine kennen.

Als liebenden Vater beschreiben Gianfranco Bruno (Keyboard) und Tony De Crescenzo ihren Schöpfer. Und den wollen sie den Italienern nahebringen. Dabei wollte Tony früher nichts mit Gott zu tun haben.

Doch inzwischen ist seine Band zum Vorreiter geworden. «Wir gehörten zu den ersten Christen, die rocken. Die Leute ausserhalb der Kirchen mögen diese Musik.» Darum hofft Tony, dass nach über zehn Jahren «Altripercorsi» mehrere ähnliche Bands loslegen und ebenfalls ihren Glauben mit Musik ausdrücken. Wie ein roter Faden zieht der sich durch das Leben der Bandmitglieder – durch Hochs und auch durch viele Tiefs, wie Tony und Gianfranco im Fragebogen von Livenet.ch erzählen.

Eine Schwäche, die Sie durch den Glauben besser in den Griff bekommen haben ...
Tony: Ich habe mehr inneren Frieden. Ich durchlebte eine schwere Zeit; ich war depressiv, wachte nachts auf und weinte. Darum bat ich Gott, dass er eingreift. Mein Zustand besserte sich ebenso, wie sich mein ganzes Leben änderte. Ich fühle Gottes Frieden in mir.

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Ganz in rot und ohne Blumenstrauss: Gitarrero Tony in einer Momentaufnahme.

Eine Stärke, die Sie durch den Glauben gewonnen haben ...
Gianfranco: Seine Stärke. Wenn man ihm den richtigen Platz im Leben schenkt, verbessert er einen. Man findet heraus, dass er wirklich existiert und nicht nur ein Name oder eine Konfession ist. Gott hat enorm viel Liebe und Interesse an einem. Das macht stark, und man entdeckt, dass diese Stärke nicht von einem selber stammt.

Was begeistert Sie am meisten an Gott?
Tony: Seine Gnade. Ich kann sie nicht verstehen, sie ist so gross. Ich war ein Sünder und habe vieles falsch gemacht. Wenn ich aber zu ihm komme, hält er nicht Gericht! Ich kann nicht aufhören, über ihn zu singen.

Welche Eigenschaft von Gott verstehen Sie nicht?
Gianfranco: Alle. Wir verstehen nichts von Gott (lacht). Gott weiss alles, und er sieht alles mit anderen Augen. Er arbeitet nach seinen eigenen Vorstellungen. Wir verstehen nicht, warum er vieles so ganz anders tut. Aber so wachsen Glauben und Vertrauen. Er kann die Dinge besser machen als wir denken.

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Schnörkelloser Italorock: «Altripercorsi» in Aktion.
Klagen Sie Gott manchmal an? Wenn ja: Wie?
Tony: Ja, oft. Zum Beispiel, wenn Menschen sterben. Aber er klagt uns nicht an. Er wartet einfach auf uns. Wir sind temperamentvolle Italiener. Also schreien wir; aber weil wir ihm vertrauen, weil wir eine Beziehung haben. Und in allen Beziehungen kämpfen die Menschen.

Welche Frage möchten Sie Gott unbedingt stellen?
Gianfranco: Was er mit uns in Zukunft tun will.

Ein Tipp, wie man Gebet und Bibellesen interessant gestalten kann ...
Gianfranco: Es ist wichtig, dass wir mit Disziplin lesen und beten. Man kann Gott bitten: «Füll mich! Gib mir Verlangen nach Dir.» Dieses einfache Gebet kann viel verändern, wenn man nicht recht lesen oder beten will. So wächst die Beziehung zu Gott. – Du willst nicht, bist fern von ihm? Komm zurück und pflanz dich neu ein. Das kann allen passieren, auch einem Prediger.

Wie sind Sie Christ geworden?
Gianfranco: Ich bin christlich aufgewachsen. Zunächst ging ich gerne in die Gemeinde und hörte gerne von Gott. Als Teenager rebellierte ich und ging meinen eigenen Weg. Irgendwann kam eine schwere Zeit. Ich wendete mich zu Gott und sah, dass die Geschichten, die ich über ihn gehört hatte, in mir lebendig wurden. Eine Freundschaft begann.

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Ganz in grün – und ebenfalls ohne Blumenstrauss: Keyboarder Gianfranco. Auch er hat auch ein paar Wörtchen mitzusingen.
Warum sind Sie Christ?
Tony: Ich war Atheist. Als ich 19 war, starb meine Cousine. Ich sah sie im Bett, nahe am Sterben. Gott war in meinen Augen schlecht. Ich dachte: Wenn sie stirbt, will ich von ihm nichts mehr wissen. Und sie starb. Da veränderte sich mein Leben. Meine Entscheidung war: Ich will nichts mehr von Gott hören. Aber er kam in mein Leben rein. Es war nicht meine Entscheidung, Christ zu werden; es war seine.

Zusammen mit meinem Cousin fing ich an, in der Bibel zu lesen. Wir verstanden nichts und beteten dann: «Herr, wir wissen gar nicht, was wir sagen sollen. Komm in unser Leben. Tu mit uns, was Du tun willst. Wir wissen nichts über dich.» Nach dem Tod meiner Cousine kamen in unserer Familie 17 Menschen zu Christus. Meine Cousine selbst war vorher Christin geworden. Auch wir sind durch den Tod hindurchgegangen.

Beschreiben Sie ein spezielles Erlebnis, das Sie mit Gott gemacht haben.
Tony: Eine 30jährige Frau aus unserer Gemeinde starb an Krebs. Sie hinterliess einen Mann und kleine Kinder. Wir beteten und fasteten. Es war eine Einheit da. Wir erlebten Gott im Tal des Todes. Als sie starb, waren wir am Boden zerstört. Wir fragten: «Gott, warum beantwortest Du unsere Gebete nicht? Warum hast Du sie nicht geheilt?» Abe wir glauben, dass ein Plan da ist. Ihr Mann wankte im Glauben, aber er verlor ihn nicht.

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Gottesfürchtig: Sänger Giuseppe Marsala kniet nieder.
Warum denken Sie, dass sich ein Leben als Christ auf Dauer lohnt?
Gianfranco: Wir sind nur eine kurze Zeit in diesem Leben. Danach haben ein ewiges Leben in Aussicht. Und ich weiss, dass ich dann dabeisein werde. Das gibt mir Kraft.

Steckbrief:

Zivilstand: Beide verheiratet.
Gemeinde: Tabernacolo Milano.
Arbeit in Gemeinde: Wir machten Worship. Jetzt sind wir mehr mit «Altripercorsi» unterwegs. Und ich, Tony, kümmere mich einmal monatlich um Menschen mit Downsyndrom.
Hobbys: Gianfranco: als Programmierer arbeiten. Tony: Fotografieren.
Beruf: Tony: Ich arbeite im Spital als Sozialassistent; ein Beruf, den es in der Schweiz nicht gibt.
Werdegang: Gianfranco: Ich begann mit 16 Jahren mit Programmieren.
Wohnort: Milano, Varese
Herkunft: Beide aus Italien.
Lieblingsbibelstelle: Als ich Christ wurde, las ich mit Tränen in den Augen die Jesus-Worte in Markus 2,17: «Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.»
Lieblingsmusikgruppen: Gianfranco: Neal Morse, King’s X. Tony: Jazz Musik, P.O.D., Guardian, REZ Band, U2.

«Altripercorsi» im Internet

Hören: Tony über Gott und die Italiener

Datum: 10.04.2006
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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