Fussball-WM und Evangelium

Wie Christen in Russland trotz Verbot zum Glauben einladen

Zu Sportevents wie der Fussball-Weltmeisterschaft reisen Menschen aus aller Herren Länder an. Deshalb haben Christen dies in der Vergangenheit gern für missionarische Aktionen genutzt. 2018 in Russland ist so etwas kaum möglich, aber die russischen Christen sind kreativ…

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Die Allee vor dem Ausstellungspark in Moskau (kurz: WDNCh)
Vor vier Jahren gab es bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien grosse evangelistische Kampagnen der Kirchen und Gemeinden vor Ort, aber auch etliche Sportmissionen hatten Mitarbeiter ins WM-Land geschickt, um dort Kontakt zu den Menschen zu suchen. Dabei setzten die Christen oft auf Material, das eine Brücke zwischen Fussball und Glauben schlug: Fussballerbibeln mit Lebensberichten bekannter christlicher Profis, Traktate, in denen es um Leistung, Sieg und Niederlage ging oder Jesusfilme mit speziell für die WM zugeschnittener Einleitung. All dies ist in Russland aktuell nicht möglich.

Keine klassische Evangelisation möglich

Seit 2016 gelten in Russland die Antiterrorgesetze des «Jarowaja-Pakets». Diese untersagen alle antirussischen Aktivitäten sowie Aufrufe zu Extremismus und stellen sie unter drakonische Strafen. Inhalt des Pakets ist auch das Verbot jeglicher «missionarischer Tätigkeit» ausserhalb der Mauern von staatlich registrierten Kirchen und Gemeinden. Auch die Einreise von Gruppen, die missionieren möchten, wird durch die enge Zusammenarbeit von Russisch-Orthodoxer Kirche und Regierung fast völlig unterbunden.

Ausverkauf als Chance

Viele Christen in Russland stellen sich trotzdem nicht die Frage, ob sie evangelistisch aktiv sein sollen, sondern nur, wie das geschehen kann. Und hier bieten sich durch die vielen ausverkauften Fussballspiele gute Chancen. So öffnen laut Christianity Today mehr als 400 evangelische Gemeinden in Moskau, Sankt Petersburg und anderen Austragungsstädten während der WM ihre Türen. Sie laden Nachbarn, Freunde und Interessenten ein, in ihren Räumen die Spiele mit zu verfolgen, Popcorn und Sonnenblumenkerne zu knabbern und nebenbei miteinander ins Gespräch zu kommen. In diesem geschützten Rahmen ist sogar der Einsatz von evangelistischem Material erlaubt oder wenigstens geduldet. Solches Public Viewing ist bei uns längst Gang und Gäbe, im traditionell geprägten Russland ist es noch die grosse Ausnahme, dass eine Kirche den Raum für alle öffnet, in dem sonntags Gottesdienst gefeiert wird.

Bewegung entsteht

Sergej Rakhuba, Leiter von «Mission Eurasia» sieht die positiven Auswirkungen auf russische Kirchen: «'Wie kann man nur das Haus für unnütze Spiele statt für Gottesdienst und Anbetung verwenden?' So denken jedenfalls einige ältere Pastoren. Junge Leute dagegen sehen die Möglichkeiten und viele überzeugen ihre Leiter, die strategischen Chancen zu ergreifen, die sich ihnen bieten.» Ausserdem kommt Bewegung in die Auslegung der Jarowaja-Gesetze. Viele Gemeinden arbeiten daran, deren enge Grenzen zu erweitern – und dafür gehen sie ein hohes Risiko ein. Während der WM hoffen sie auf mehr Verständnis der Behörden und auf den Einfluss der weltweiten Öffentlichkeit. Als letztes schliesslich kommt Bewegung in das Leben vieler Menschen, die vielleicht zum ersten Mal in Kontakt mit Christen kommen. Dmitry Lunichkin ist Pastor in Sankt Petersburg. Er freut sich jetzt schon auf die Ergebnisse seines Einsatzes für die Ewigkeit: «Wir geben unseren Mitbewohnern in der Stadt das lebendige Wort Gottes weiter. Und wir glauben, wenn Christus eines Tages wiederkommt, dass sich dann zeigen wird, wie viele Menschen ihn deshalb in ihr Herz aufgenommen haben.»

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Datum: 15.06.2018
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet / Christianity Today

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