Wind of Change in Myanmar?

Religiöse Führer sollen Friedensbotschafter sein

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Im Hinblick auf die Wahlen in Myanmar bezieht die Regierung auch die religiösen Führer mit ein. Ein besonderer Schritt, denn religiöse Minderheiten stehen nach wie vor unter grossem Druck im Land.

Myanmar hat im Zusammenhang mit den für November geplanten Wahlen einen von den religiösen Führern des Landes unterzeichneten Aufruf veröffentlicht. Das Dokument trägt den Titel «Ergreife die Gelegenheit!». Unterzeichnet ist das Dokument von buddhistischen, hinduistischen, muslimischen und christlichen Leitern.

Weihbischof John Saw Yaw Han aus Rangoon, Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz von Myanmar, kommentiert: «Religion ist in Myanmar ein heikles Thema. Die politisch motivierte, religiöse Gewalt hat sehr alte Wurzeln und weitreichende Konsequenzen. Religiöse Intoleranz äussert sich oft in feindseligen Handlungen, welche die religiösen Werte einer bestimmten Religion anprangern oder lächerlich machen.»

Religiöse Gewalt für Machterhalt

Das Land hat aufgrund religiöser Probleme bereits extreme Gewalt erlebt, die viele Todesopfer gefordert hat, erklärt John Saw Yaw. «Die Zunahme von religiösem Fanatismus und negativer Indoktrination ist beunruhigend. Manchmal wird Religion für die soziale Dominanz und den Schutz wirtschaftlicher und politischer Interessen durch eine kleine Gruppe von Einzelpersonen benutzt.»

John Saw Yaw begründet: «Für sie sind Konflikte und Gewalt notwendig, um das Land zu destabilisieren und Investoren von aussen abzuschrecken. Mit wenig Wettbewerb kontrollieren nur diese Individuen die Wirtschaft, was zu fehlender Entwicklung und Armut führt.»

«Licht besiegt die Dunkelheit!»

Gerade deshalb sei das in diesem Sommer veröffentlichte Dokument besonders wichtig, «denn es zeigt den Wunsch und den Willen unserer religiösen Führer für das Wohl des Volkes von Myanmar. Es wird einen eindeutigen Einfluss auf das Volk haben und zum Abbau von Spannungen führen. Licht besiegt die Dunkelheit!»

Viele Jahrzehnte lang stellten sich einige religiöse Leiter auf die Seite der Mächtigen und ignorierten die Unterdrückten. «Die religiösen Führer müssen eine prophetische Stimme und moralischen Mut im Kampf gegen Ungerechtigkeit und für den Aufbau des Friedens finden. Die bevorstehende Wahl ist sehr wichtig, weil sie die Wahl zwischen dem alten System mit seiner exklusiven Kultur und einer inklusiven Kultur beinhaltet.»

Grosse Reformen stehen an

Gegenwärtig durchläuft Myanmar beim Übergang zur Demokratie eine Reihe gewaltsamer Konflikte. «Das Land steht an der Schwelle zu grossen Reformen. Wir sind jedoch immer noch dabei, das alte System zu entwurzeln. In diesem Prozess der Entwurzelung spielen religiöse Führer eine entscheidende Rolle.»

John Saw Yaw empfindet: Mit einer vernünftigen Führung und der Formulierung einer demokratisch klugen Vision, die eine Vielfalt von Religion, Kultur und ethnischer Identität sowie einer Neuorientierung auf allen Ebenen enthält, «könnte Myanmar zu einem Leuchtturm der religiösen und ethnischen Integration werden».

«Rechte sind Pflichten»

Auch der Einsatz seiner Konfession sei wichtig, so John Saw Yaw. «Wenn alle Menschen Rechte haben, gilt dasselbe auch für Pflichten. Obwohl Katholiken in Myanmar eine Minderheit sind, spielen sie dennoch eine wichtige Rolle beim Aufbau der Nation.» Die Bischöfliche Kommission strebe die Zusammenarbeit mit Völkern aller Glaubensrichtungen an.

Verschiedentlich liegen aber noch Steine im Weg. «Die beliebteste soziale Medienplattform in Myanmar ist Facebook. Es gibt jedoch immer noch viele gefälschte Konten mit der Absicht, gefälschte Nachrichten, Hassreden und Aufforderungen zu verbreiten, die religiöse Konflikte und Gewalt auslösen. Dahinter können politische Gründe und wirtschaftliche Interessen stehen.»

Der Papstbesuch 2017 habe einiges ausgelöst. «Die katholische Kirche wird heute mehr respektiert als in der Vergangenheit, und es wurden ihr auch einige Rechte eingeräumt.»

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Datum: 11.09.2020
Autor: Maria Lozano / Daniel Gerber
Quelle: Joy News / Church in Need / gekürzte Übersetzung: Livenet

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