Jesus in Kaschmir

Die Erben von Missionar William Elmslie halten durch

Im Konflikt zwischen Indien und Pakistan dürfen die Christen am Himalaya nicht vergessen werden.

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Christen in Kaschmir
Unter dem «Dach der Welt» wird wieder geschossen: Die alte Zeitbombe Kaschmir tickt vernehmlich lauter. Anlass dafür ist die Streichung der Autonomie, die der Stadt Srinagar in der indischen Verfassung mehrmals verbrieft wurde. Indien ist heute nicht mehr der tolerante, multireligiöse Staat, mit dem sich Kaschmir seinerzeit vereinigt hatte. Fanatische Polithindus haben den Geist eines Mahatma Gandhi in zwei grossen Schüben ausgelöscht, zuletzt vor 50 Jahren – und jetzt wieder.

Indiens Regierungschef Narendra Modi fühlte sich nun nach seinem neuerlichen überwältigenden Wahlerfolg stark genug, den Kaschmiris ihre Selbstverwaltung zu streichen.

Jesus am Himalaya

Jesus ist nach einer Legende selbst an den Himalaya gekommen. Obwohl die Forschung inzwischen aufgezeigt hat, dass es sich dabei um eine Verwechslung mit Alexander dem Grossen handelt, blieb dieser Mythos in Kaschmir weit verbreitet und hatte eine gewisse Christenfreundlichkeit zur Folge.

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Dr. William Jackson Elmslie (1832-1872)
Auf diese konnte zwischen 1866 und 1872 der presbyterianische Missionsarzt William Jackson Elmslie (1832-1872) aufbauen, von dem Christus erstmals wirklich nach Kaschmir gebracht wurde. Im Auftrag der Englisch-Kirchlichen Missionsgesellschaft wirkte er dort unermüdlich heilend und heilsbringend. Wie das im 19. Jahrhundert in Basel erschienene «Magazin für die neueste Geschichte der protestantischen Missions- und Bibelgeschichte» berichtete, gab es für Elmslie nur ein einziges Ziel: «Das Missionsleben ist das einzige, das der Mühe wert ist, gelebt zu werden; es ist das einzige, das Christus-ähnlich genannt werden kann.»

Zweischneidiges Schwert

Für Kaschmirs Christen bedeutet das Ende der Selbstverwaltung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wird damit radikalen Muslim-Instanzen die Zuständigkeit für christenfeindliche Beschlüsse entzogen. Noch unvergessen ist die Ausweisung eines katholischen «Mill Hill»-Priesters und von zwei evangelischen Pastoren samt ihren Frauen Anfang 2012 durch einen islamischen Scharia-Gerichtshof, weil sie «Unruhe geschürt» hätten. Zusätzlich wurden auf Weisung des Grossmuftis von Jammu und Kaschmir, Nasser ul-Islam, alle christlichen Schulen unter «Beobachtung» gestellt. Die «Times of India» schrieb damals: «Kaschmirs Eiferer bedrängen Christen im Tal der Angst».

Jedenfalls ging es den indischen Christen 2012 besser als der kleinen Schar ihrer nur wenige Hundert zählenden Glaubensgeschwister in Kaschmir. Doch nun hat Premier Modi schon im April bei der Eröffnung des diesjährigen Wahlkampfs  eine Aufhebung der durch die Autonomie von Srinagar gewährten Sonderrechte von Muslimen und Christen in Aussicht gestellt, falls er die Wahl gewinnen sollte.

Vorprogrammierte Krise

Die jetzige Krise war also durchaus vorprogrammiert. Zwar wurden im Rahmen des aus Delhi über Kaschmir verhängten Ausnahmezustands noch keine Massnahmen gegen die evangelischen und katholischen Gemeinden oder das Bistum Kaschmir ergriffen. Doch bleiben die christlichen Schulen «vorerst» geschlossen.

Angesichts der angespannten politischen Lage in Kaschmir und einer engen Partnerschaft mit der nordindischen Region hat das evangelische «Zentrum Ökumene» aus Frankfurt zu Fürbitten und Solidaritätsbekundungen aufgerufen. Diese Einrichtung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie von Kurhessen-Waldeck befürchtet nun weitere Unruhen und eine Eskalation des Konflikts mit dem benachbarten Pakistan, das ebenfalls Anspruch auf das Territorium erhebt.

Friedensstifter

Bereits zuvor hat der für Kaschmir zuständige Bischof Pradeep Kumar Samantaroy von der Diözese Amritsar (Church of North India) die Entscheidung der indischen Regierung als «nicht förderlich für den Frieden in der Region» bezeichnet. Die Lage sei unübersichtlich und er selbst habe keine Kontakte mehr zu Mitarbeitenden oder Christinnen und Christen in der Region Kaschmir, da alle Kommunikationswege abgeschnitten seien. Er bitte deshalb besonders um Gebete für die Menschen «in dieser von Krisen geschüttelten Region». Dort spielt die Minderheit der Christinnen und Christen eine wichtige friedenstiftende Rolle.

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Datum: 22.08.2019
Autor: Heinz Gstrein
Quelle: Livenet

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