Jerusalems Arabern droht die Aussperrung

Zehntausende arabische Bewohner Jerusalems könnten schon bald aus den 1967 von den Israelis willkürlich gezogenen neuen Stadtgrenzen ausgesperrt werden. Wie die israelische Tageszeitung "Maariv" am Montag berichtete, könnten die politischen Verantwortlichen Israels sich das jüngste Urteil ihres Obersten Gerichts zu Nutze machen, um möglichst viele Araber auszugrenzen.

Mit der Vorgabe des Gerichts, die Bewegungsfreiheit der Palästinenser und ihre Lebensumstände möglichst nicht einzuschränken, könnte die Abtrennung möglichst vieler arabischer Viertel gerechtfertigt werden. Dann würden kaum mehr Familienbande zerschnitten, und die Palästinenser wären unter sich.

190.000 Araber in heutigen Stadtgrenzen

Bei den noch geheimen Beratungen wurde laut Bericht argumentiert, dass der Sperrwall laut Urteil vor allem die Sicherheit der Israelis garantieren solle. Im eingezäunten Jerusalem in den heutigen Stadtgrenzen würden jedoch immer noch etwa 190.000 Araber verbleiben. Von jenen drohe Gefahr, da sie mit Palästinensern aus den Autonomiegebieten kooperieren könnten, um Terroranschläge zu verüben, so die Argumentation. Ihre Aussperrung könne diese Gefahr mindern. Noch, berichtet das Blatt, seien allerdings keine Beschlüsse gefasst.

Als Bürger Jerusalems haben die Palästinenser auf der israelischen Seite der Munizipalgrenzen bislang das Privileg eines "blauen Ausweises". Der verleiht ihnen zwar nicht israelische Staatsbürgerschaft und Wahlrecht, ermöglicht ihnen aber völlige Bewegungsfreiheit in ganz Israel. Auf dieses Privileg wollen nur die wenigsten Jerusalemer Araber verzichten - allein schon wegen der Möglichkeit, einen gut bezahlten Job auf der israelischen Seite zu finden, statt dem Heer der 60 Prozent Arbeitslosen in den palästinensischen Gebieten anzugehören.

Als die Israelis in Abu Dis (Bethanien) im Osten sowie im Norden Richtung Ramallah "zur Terrorbekämpfung" Zäune und Mauern errichteten, klagten Kirchen, Christen und Palästinenser beiderseits des Sperrwalls, von ihren Geschäftsmöglichkeiten und ihren Familien abgeschnitten worden zu sein. Die einen wollten weiter unbehindert nach Ramallah oder Bethlehem unter palästinensischer Kontrolle reisen, während die "ausgesperrten" Palästinenser sich beschwerten, von Jerusalem abgeschnitten worden zu sein.

Mauer: noch fatalere Folgen für christliche Minderheit

Der bisherige wie der künftige Verlauf der Mauer in Jerusalem dürfte nun noch fatalere Folgen für die kleine christliche Minderheit haben. Sie würden entweder von ihren Heiligtümern in der Altstadt Jerusalems oder aber von der Geburtskirche in Bethlehem abgeschnitten.

Der nun geplante veränderte Verlauf würde Gemeinden in Abu Dis zwar nicht mehr zerschneiden - doch Jerusalem bliebe ausserhalb ihrer Reichweite. Zudem pflegen gerade palästinensische Christen gute Geschäftsbeziehungen mit den Israelis, was durch einen neuen Verlauf der Mauer erschwert würde.

Konkret würde eine Ausgrenzung der meisten arabischen Viertel fast eine Rückkehr zur Teilung der Stadt wie in den 19 Jahren der jordanischen Besatzung zwischen 1948 und 1967 bedeuten. Die Altstadt Jerusalems mit ihren Heiligtümern - der Grabeskirche, der El-Aksa-Moschee und der Klagemauer - sowie die seit 1967 in Ostjerusalem errichteten jüdischen "Schlafstädte" würden allerdings bei Israel bleiben.

Autor: Ulrich W. Sahm

Datum: 05.08.2004
Quelle: Kipa

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